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Zum Schreien komische Hamlet-Posse in Dortmund

21.10.2012 | 18:07 Uhr
Zum Schreien komische Hamlet-Posse in Dortmund
Die Hamlet-Posse „La Cantina Adrenalina - ein Lampenfieberabend mit Musik“ (Regie Christian Quitschke) kam bestens in Dortmund an.Foto: Ralf Rottmann

Dortmund.   „La Cantina Adrenalina“ feierte im Schauspiel Dortmund Premiere - und erntete nach dem Schlussakt einen endlos langen Applaus. Die zum Schreien komische Hamlet-Posse kam beim Publikum bestens an. Neben der Musik stand das Theater selbst im Mittelpunkt.

Leseprobe in der Theaterkantine. So, ihr Vögel, jetzt bin ich da, stellt sich die neue Regisseurin dem Ensemble vor - und verspricht gleich schon mal, einen Weicheier-Hamlet werde es mit ihr nicht geben. Böses, unglaublich Böses solle auf der Bühne geschehen. Um dann doch einmal nachzufragen: Und wer von euch Pappnasen ist der Hamlet?

Aber was ist böse? Nägelkauen? Damit beginnt sie schon, die Sinnsuche / Unsinnsuche in Dortmunds Schauspiel, das seinem Publikum eine zum Schreien komische Hamlet-Posse mit schier endlos viel Musik bietet; die Playlist enthält satte sechsundzwanzig Titel.

Der Plott ist simpel. Vor der Hamlet-Premiere geht so ziemlich alles schief, Wasserrohrbruch im dritten Stock, geprobt wird in der Kantine. Trotzdem, die Regie-Ideen enthalten nicht unbedingt das Gelbe vom Überraschungsei . Bis der Spielleiterin ein Licht aufgeht: Wir belassen die Tragödie in der Proben-Kulisse!

Einen Autor braucht dieser „Lampenfieberabend“ mit dem Titel „La Cantina Adrenalina“ nicht wirklich. Der eigentliche Autor ist die Musik, die die Geschichte schreibt und das Geschehen von einem Podest über der Seitenbühne herab diktiert. Das Publikum hat seine hörbar helle Freude an ausgezeichneter Musik, sie klingt, weil Paul Wallfisch sie arrangiert hat, als habe Tom Waits sie durch den Wolf gedreht, aber sie ist von Alexandra, Hendrix, Kiss, Knef, Lindenberg, Kinks, Monty Python, Presley, Queen, van Veen und von wer weiß wem noch; gern auch mal mit eigenen Texten. Stimmlich ist das Ensemble topfit.

Im Mittelpunkt steht immer wieder das Theater selbst - das Theater, was es aus Menschen macht und wie es immer neu erfunden wird. Das Handy meldet aus einer anderen Welt: „Auf der Straße scheint die Sonne“, als gäbe es für Schauspieler keine Straße, keine Sonne. Dazu gehören auch ganz kurze, ganz leise Momente - wenn die Ophelia-Schauspielerin, die eben noch über zu wenig Text geklagt hat, „Mein ... Prinz“ übt - ja, wie muss sie sich anhören, diese Pause zwischen den Wörtern? Riesen-Nummern, Feste für ausgezeichnete, präzise agierende Schauspieler. Etwa die „Regisseurin“ - sie entwickelt eine grandiose Szene, die Heinz Erhardt bereits entwickelt hat. Immer wenn ich traurig bin, greif ich zum Korn, da wird ein Reim gesucht, das Publikum zeigt längst Auflösungserscheinungen und schlägt „Zorn“ vor, Ihr habt ja keine Ahnung, kontert die Schauspielerin - und beginnt mit dem Korn / von vorn.

Immer, wenn grünes Licht in die Bühnen-Kantine fällt, ist Seelenbeschau. Dann geht es um die Theater-Illusionen, das passende Lied dazu ist das von der Knef. Bettina Lieder (Kellnerin), Uta Holst-Ziegeler (Regisseurin), Eva Verena Müller (Schauspielerin), Andreas Beck (Dramaturg), Sebastian Graf (Schauspieler) und Sebastian Jöde (als Regieassistent) erhalten endlos langen Applaus, den sie sich mit den Musikern um Wallfisch und dem Regieteam um Christian Quitschke teilen; das Publikum erhält eine Zugabe.

Rainer Wanzelius


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