Weltklasseabend im ausverkauften Haus
14.10.2012 | 16:32 Uhr 2012-10-14T16:32:00+0200
Ovationen für grandiose Leistungen: für die Sopranistin Anja Harteros, für das mit fast 90 Musikern groß besetzte Amsterdamer Concertgebouw-Orchester und für den jungen französischen Dirigenten Alexandre Bloch
Wenn die besten Orchester der Welt ins ausverkaufte Dortmunder Konzerthaus kommen, herrscht erwartungsvolle Spannung. So auch am Samstag. Trotz eines anstrengenden Programms, das manche Zuhörer wohl auch überforderte, gab es Ovationen für grandiose Leistungen: für die Sopranistin Anja Harteros, für das mit fast 90 Musikern groß besetzte Amsterdamer Concertgebouw-Orchester und für den jungen französischen Dirigenten Alexandre Bloch, der kurzfristig für den erkrankten Mariss Jansons eingesprungen war und seine Aufgabe bravourös löste.
Das Programm mit spätromantischen Werken von Richard Strauss und von Johan Wagenaar, dessen Ouvertüre zu Shakespeares „Der Widerspenstigen Zähmung“ eine lohnende Entdeckung war, enthielt auch ein substanzielles Orchesterwerk aus dem Jahre 2011. Jörg Widmanns Sinfonischer Hymnus nach Schiller, „Teufel Amor“, ist eine hochkarätige moderne Tondichtung über die Höhen und Tiefen der Liebe – mit intensiven Höhenflügen des Orchesters, die akustisch manchmal bis an die Schmerzgrenze gehen, und brutalen Abstürzen. Am Anfang wagnert es im knarzenden Blech, gefolgt von den tiefen Streichern – so, als würde sich ein Drache aus den Tiefen emporwälzen. Immer wieder versuchen Melodien und Melodiefetzen sich durch dissonante Klangflächen emporzuarbeiten. Erst kurz vor Ende ist Harmonie erreicht in einem an Mahler erinnernden Intermezzo, das sich jedoch gegen die brutale Macht des Orchesters nicht behaupten kann. Dieses schwierige Stück in so kurzer Zeit mit dem Orchester zu erarbeiten und dann so souverän zu leiten, war eine Spitzenleistung des jungen Dirigenten.
Zuvor hatte Anja Harteros sechs Strauss-Lieder gesungen, wunderbar einfühlsam begleitet vom klangfarbenreichen Orchester. Das war pures musikalisches Glück: eine warme, klare, meisterhaft bis in höchste Höhen geführte Sopranstimme, exzellente Textverständlichkeit, schwelgerische und zarte Stimmungen. Davon hätten sich alle wohl noch mehr gewünscht, aber es folgte Widmann.
„Tod und Verklärung“ von Strauss, eine seiner großen Tondichtungen, rundete das Gehörte nur noch ab. Bloch, hier souverän auswendig dirigierend, entlockte dem Orchester mit kluger Disposition hochdifferenzierte Klänge. Als Zugabe noch eine „Elegische Melodie“ von Grieg. Ein Weltklasseabend!
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