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Welt aus Tanz und Schatten

07.11.2012 | 07:00 Uhr
Welt aus Tanz und Schatten
Lichtkünstler Leo Cheung (re.) gestaltet die Ballettinszenierung „Der Traum der roten Kammer" von Xin Peng Wang (li.) mit.Foto: Franz Luthe

International ist das Team, das Ballettdirektor Xin Peng Wang für seine aktuelle Produktion, „Der Traum der roten Kammer“, um sich versammelt hat. Lichtdesigner Leo Cheung aus Hongkong ist mit dabei. Im Interview mit Maike Rellecke verriet Cheung, warum das Hongkong Ballett nicht vor dem brisanten Stoff zurückschreckt.

International ist das Team, das Ballettdirektor Xin Peng Wang für seine aktuelle Produktion, „Der Traum der roten Kammer“, um sich versammelt hat. Je zur Hälfte wirken europäische und chinesische Künstler an der Koproduktion mit dem Hongkong Ballett mit. Auch Lichtdesigner Leo Cheung hat Wang vor drei Jahren dort kennengelernt. Im Interview mit Maike Rellecke verriet Cheung, warum das Hongkong Ballett nicht vor dem brisanten Stoff zurückschreckt.

Herr Cheung, was ist Ihre Aufgabe bei dieser Produktion?

Leo Cheung: Ich höre die Musik, sehe, was auf der Bühne passiert und meine Aufgabe ist es dann, die Emotionen mit Licht zu unterstreichen. Viele Leute denken darüber nach, wo man Licht hinzufügen könnte. Ich denke an die Schatten, das Dunkel. Die Schatten sind wichtig, so ähnlich als wenn man auf einem weißen Blatt Papier malt: Man setzt dunkle Schemen darauf. Ich male auf einem schwarzen Papier und male mit dem Licht, wie mit weißer Tinte.

Der dritte Part ist besonders brisant, weil die Geschichte – anders als in der literarischen Vorlage – bei dem Massaker auf dem Platz des Himmlischen Friedens endet. Spielt hier das Lichtdesign eine besondere Rolle?

Xin Peng Wang: Das ist ein schwieriger Teil der Produktion: Es gibt den Film, der im Hintergrund läuft, die moderne Show, Solotänzer in der Mitte und an den Seiten Statisten. Im diesem Part der Geschichte stecken viele Botschaften. Leo hat eine gute Lösung gefunden, wie das Licht diese Szene unterstreicht und nicht stört. In der Mitte der Bühne wird sich das Licht kreuzen. Die Tänzer sind mal komplett im Dunkeln, dann plötzlich im Licht.

Cheung: Nachdem ich mir die Inszenierung wieder und wieder angeschaut habe, habe ich entschieden, dass ich nicht zu viel machen sollte, weil schon so viel passiert. Ich wollte ein starkes Bild schaffen. Das Kreuz ist ein starkes Symbol mit vielen Botschaften.

Dies ist für Dortmund eine besondere Produktion durch die Kooperation mit Hongkong. Ist die Produktion auch für Sie eine besondere Arbeit?

Cheung: Dies ist eine Inszenierung, die besonders nah an der chinesischen Kultur ist. Für das deutsche Publikum wird es eine interessante Erfahrung sein. Auch für mich ist es eine besondere Arbeit. Sie berührt mich. Ich war 1989 in Hongkong als das Massaker auf dem Platz des Himmlischen Friedens in Peking passierte, aber ich war trotzdem Teil des Ganzen, weil in ganz China so unheimlich viel passierte. Viele meiner Freunde waren dort und ich bin froh, dass sie heil zurückkamen.

Im nächsten Jahr geht das Stück ans Hongkong Ballett. Wie, denken Sie, wird das chinesische Publikum auf die soziale Kritik reagieren, die in dieser Inszenierung des Stoffs deutlich hervortritt?

Cheung: Ich denke, wenn Sie diese Produktion in Peking aufführen, könnte das ein Problem sein. Aber das Publikum in Hongkong ist frei. Politisch sensible Themen auf die Bühne zu bringen, ist dort üblich. Es ist eine Performance, die das Publikum anspricht.

Ist es wichtig, die Erinnerung an das Massaker wachzuhalten?

Cheung: In Hongkong haben wir nie aufgehört, darüber zu sprechen. Wenn wir in Hongkong nicht darüber sprechen, wer dann? Wir sind der einzigen, die es können, weil Hongkong eine freie Stadt ist.

Wang: Auch über die Kunst kann man solche Themen ansprechen. Sie kann ein Spiegel sein für politische Themen.

Maike Rellecke


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