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Craig Bermingham

Von der Sonne Floridas auf Dortmunds Bühne

14.10.2009 | 15:35 Uhr
Von der Sonne Floridas auf Dortmunds Bühne

Dortmund. Manche Menschen wissen sofort, was sie einmal werden wollen. Und andere haben so viele Ideen im Kopf, dass sie einfach alles ausprobieren. Craig Bermingham gehört zur zweiten Sorte: Vom Anwalt im sonnigen Florida zum Tenor an der Dortmunder Oper führte ihn sein Weg.

Jetzt ist er als Alfred in „Die Fledermaus” zu belauschen.

„Essen und Frauen, Frauen und Essen – und Trinken nicht zu vergessen”: Das sind die Zutaten, mit denen Alfred seine Erfüllung findet. Ein schlichtes Gemüt ist dieser Sänger und Geliebter von Rosalinde in der „Fledermaus” - und somit das Gegenteil von Craig Bermingham. Der nämlich holt tief Luft und wuschelt kurz durch die blonden Haare, bevor er von seinem bisherigen Leben erzählt. Oder vielmehr - von seinen Leben.

Der Start verspricht eine klassische Sängerkarriere: In New Jersey bei New York wird Craig Bermingham in eine Musikerfamilie geboren, singt schon mit sechs Jahren im Kirchenchor, spielt ab der ersten Klasse Posaune. Jazz und Rock mag er besonders gern. So könnte es weitergehen - aber Craig Bermingham mag keine geraden Linien: Er ist so gut in der Schule, dass er beschließt, etwas Lukratives zu studieren - und entscheidet sich für Biologie.

Nicht das Richtige. Bermingham bricht aus, gen Deutschland, und macht in Augsburg seinen Magister in Politikwissenschaft und Soziologie. Er scheint angekommen, arbeitet im Deutschen Bundestag, im britischen House of Commons, bei Amnesty International, sogar dem US-Senat. So erlebt Bermingaham die Bedeutung der Gesetzgebung - und sattelt erneut um: Er studiert Jura, landet bei einer großen Kanzlei in Florida. „Aber ich hab' immer nebenbei Musik gemacht”, erzählt der heute 43-Jährige. Bermingham tritt in Kneipen als Sänger auf, wann immer er die Zeit findet - fast am Rande des Zusammenbruchs wegen des Stresses.

Und wieder spielt ihm der Zufall zu: Ein Gesangslehrer hört ihn, als er sich gerade an einem Elton John-Song abarbeitet - und sieht das als Verschwendung. Er bietet ihm klassischen Gesangsunterricht an, gratis, zweieinhalb Jahre. Oratorien und Opern werden seine zweite Heimat.

Der endgültige Bruch kommt, als George W. Bush zum zweiten Mal die Wahl gewinnt. Bermingham, der sich für die Demokraten engagiert hatte, ist bitter enttäuscht. Als er Freunde in Deutschland besucht, hört er 2005 von einer freien Tenorstelle im ostdeutschen Annaberg-Buchholz - und sagt kurzentschlossen zu. Haus, Auto, Stelle in Florida - ade´. Plötzlich verdient er nur noch einen Bruchteil. Aber: Er ist angekommen. „Ich musste mich entscheiden: Glück oder Geld. Und Singen macht mich glücklich.”

Jetzt also liegt sein Glück in Dortmund, diesmal beim Sonderling Alfred. Bermingham lacht. „Das ist total spannend. Normalerweise bekomme ich als Tenor die braven, prinzenhaften Helden.” Und die wären ohnehin zu eindimensional für ihn.

Foto: Knut Vahlensieck

Nadine Albach

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