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„Verdammt, ich leb’ noch“

10.02.2011 | 16:36 Uhr
„Verdammt, ich leb’ noch“
Der Sänger Matthias Reim bei einem Pressegespräch mit WR Redakteur Andreas Winkelsträter. WR-Bild: Ralf Rottmann

Dortmund.„Verdammt, ich leb noch“ heißt seine Biografie, die er zusammen mit seinem Manager Dieter Weidenfeld veröffentlicht hat: Matthias Reim. Der Sänger, der mit „Verdammt, ich lieb Dich“ Anfang der 90er Jahre über Nacht zum deutschen Superstar wurde. Der Fall verlief noch spektakulärer, war noch weitaus tiefer: Privat-Insolvenz. Vor seiner Tour „Sieben Leben“ sprach die WR mit ihm.

Viele Künstler müssen in ihren Biografien Stellen schwärzen. Sie auch?

Matthias Reim: Nein, denn das Buch ist jetzt entstanden, als ich ein freier Mann war. Jetzt kann ich auf all das ganz anders zurückblicken. Ich mache niemandem einen Vorwurf, nur mir selbst. Hätte ich es vor fünf Jahren geschrieben, wäre das vielleicht anders ausgegangen. Aber das Buch ist keine Abrechnung. Es ist authentisch. Die Wut ist völlig weg. Mit Wut möchte ich mein Leben nicht zerstören.

Im vergangenen Jahr haben Sie erfahren, dass Sie schuldenfrei sind. Wie haben Sie den Tag erlebt?

Ich habe einen Anruf auf Mallorca bekommen. Dann habe ich mir eine Zigarette angezündet, einen Kaffee gemacht, meine Frau angerufen. Und nur gedacht: Es ist zu Ende. Endlich. Und meinen Bruder habe ich angerufen. Erst die Tage danach wurden lauter. Aber es ist ein super Gefühl, sich nicht mehr verstecken zu müssen. Denn die Menschen gehen nicht gerade zimperlich mit Dir um. Das ist furchtbar für das Ego. Das waren die schlimmsten Stunden in meinem Leben, damals alles anzugeben, mein komplettes Leben vor denen ausbreiten zu müssen.

INFO
Drei NRW-Konzerte

Die Biografie heißt „Verdammt, ich leb noch - Einmal Hölle und zurück“.

Sie ist im südwest-Verlag erschienen, kostet 14,99 €.

ISBN: 978-3-517-08716-0

In NRW gibt Matthias Reim drei Konzerte: 20. April, E-Werk (Köln); 6. Mai, Oberhausen (Arena) und 11. Mai Dortmunder Westfalenhalle.

Auftakt der Tour ist am 12. Februar in Ludwigsfelde.

www.matthiasreim.de

Würden Sie auch heute hier stehen, wenn der tiefe Fall nicht gekommen wäre?

Ich glaube, ich wäre heute nicht hier, würde keine Konzerte mehr geben. Durch meine Lebensgeschichte bin ich glaubwürdiger. Dieser Weg hat mich geprägt. Damals habe ich mir gesagt: Entweder ich besauf mich jeden Tag oder fange noch einmal von vorne an. Wenn ich gewusst hätte, dass das zehn Jahre dauert, wäre ich sicher umgefallen.

Haben Sie trotzdem immer an sich gelaubt?

Irgendwie schon. Meine Familie, Freunde wie mein Manager Dieter Weidenfeld waren zum Glück immer da. Und dass mein jüngerer Bruder mir so viel Geld geliehen hat, das war schon geil. Ich hätte ihn nie gefragt, aber Dieter. Und als ich 2002 ganz unten war, hat die EMI mich gefragt, ob ich nicht das neue Album von Michelle (Anm.: seine Ex-Fau) machen wollte, obwohl wir da schon auseinander waren. Ich hab mich da reingestürzt. Es wurde ihr erfolgreichstes Album. Und so passierten immer viele Dinge parallel, die mir geholfen haben. Egal, ob es Geld brachte oder nicht. Ich hatte keine Zeit, Frust zu schieben. Zum Glück habe ich nie meine Musik verloren, nur phasenweise mein Publikum.

Wie ist denn heute das Verhältnis zu Kollegen in der Musikbranche? Bekommen Sie Feedback von denen?

Die Kollegen kennen keine Missgunst. Völlig egal, wem ich begegne. Da gibt’s einen Schulterschlag: Geil, ich freu mich für Dich. Die Kollegen haben begriffen, wenn Andrea Berg so einen riesigen Erfolg hat, dann planiert sie einen Highway für deutsche Musik.

Und so heißt ihr neues Album auch „Sieben Leben“

Ja. Denn ich habe schon viele Leben hinter mir gelassen, aus ihnen gelernt. Und da haben wir das Album „Sieben Leben“ genannt. Das passt.

Was ist mit Ihrem Mega-Hit „Verdammt, ich lieb Dich?“

Es ist immer noch der schönste Song der Welt. Und er wird immer das krönende Finale meiner Konzerte sein, so lange ich lebe.

Andreas Winkelsträter

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