Trotz Kostenexplosion sieht Stadt Dortmund U-Turm auf gutem Weg
30.11.2011 | 19:16 Uhr 2011-11-30T19:16:00+0100
Dortmund.10 Millionen Euro soll die Stadt jährlich für den U-Turm bezahlen – eine drastische Steigerung zu den noch 2006 angenommenen 3,8 Millionen Euro jährlichen Kosten. Außerdem hat die Bezirksregierung Arnsberg ihr Veto gegen die Gründung einer Stiftung eingelegt, die das hierarchische Chaos des Kreativturms lösen sollte. Nichtsdestotrotz hält Kämmerer und Kulturdezernent Jörg Stüdemann daran fest, dass sich die Stadt nicht mit dem Projekt übernommen hat. In einem gestern eilends einberufenen Pressegespräch erklärte er: „Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass das gut geht.“
Mehr noch: Stüdemann verteidigte die Entwicklung der Baukosten (von insgesamt 55 auf 84 Millionen Euro) und der jährlichen Folgekosten als „nicht skandalös“ und sachlich begründbar.
Getummel
Bei der allerersten Schätzung der jährlichen Kosten sollte das U noch ein reines Museum werden (mit drei Etagen im Rohbauzustand) – und außerdem in den Besitz der Stadt wandern. Jetzt ist der Turm ein Kreativzentrum, in dem sich Museum Ostwall, Hartware MedienKunstVerein, Hochschulen und die „Fliegenden Bilder“ von Regisseur Adolf Winkelmann auf allen sechs Etagen tummeln. Und er gehört dem städtischen Sondervermögen, an das die Stadt Miete zahlen muss. Den Eindruck, dass hier das Prinzip „Linke Tasche, Rechte Tasche“ angewandt wird, will Stüdemann aber nicht zulassen.
Fakt bleibt dennoch: Die Kosten für 2012 sollen bei 9,6 Millionen Euro liegen (5,8 für Betrieb und 3,8 für Miete) – also gut 3,46 Millionen Euro mehr, als der U-Turm noch in diesem Jahr gekostet hat. 2013 steigen die Gesamtkosten sogar wegen der Mittel für die Instandhaltung noch einmal um gut 600 000 Euro auf über 10 Millionen.
Zahlengrab
Ein Zahlengrab. Und doch geht Stüdemann davon aus, dass die Stadt darin nicht versinken wird: „Ich traue uns zu, dass wir das selbst erwirtschaften“, sagt er zuversichtlich. Die gestiegenen Mietkosten will er „durch Flächenmanagement“ reinbekommen. „Wir komprimieren die Verwaltung in der ganzen Stadt“, erklärt er. Das heißt, dass zum Beispiel die Kulturbetriebe zu ihm in das Stadthaus ziehen müssen. Wenn das nicht reicht, plant er weitere Sparmaßnahmen im Kulturbereich – zum Beispiel, indem die Stadt freie Häuser von Vereinen managen lässt. „Wir müssen selbst eine Lösung finden. Man kann nicht erwarten, dass alle überall sparen und plötzlich kommen wir mit dem U um die Ecke“, erklärt er, dass andere Bereiche nicht zur Kasse gebeten soll. Ob aber das Theater bluten muss? „Das Theater gerät nicht in den Sog des U-Turms, es gerät in den Haushaltssog“ ist die kryptische Antwort. Immerhin sagt Stüdemann aber, dass das Ende erreicht ist: Die Betriebskosten für den U-Turm sollen nicht weiter steigen.
Stiftung abgelehnt
Eine andere Baustelle ist die unübersichtliche Führungsstruktur im U. Gründungsdirektor Dr. Andreas Broeckmann war schon im Oktober nach Lüneburg gegangen. Und selbst in der jüngsten Vorlage der Stadt wird eingeräumt, dass die Abstimmung zwischen den vielen Nutzern und Partner im Hause „zeit- und kostenaufwendig“ sei und nicht immer der „Eindruck der Geschlossenheit und des abgestimmten Handelns“ rüberkam. Mit der Gründung einer Stiftung sollte eine klare Hierarchie her. Doch obwohl die Stadt einiges Geld in die Vorbereitung investierte, hat Arnsberg dem Vorhaben jetzt einen Strich durch die Rechnung gemacht: Dass die Stadt eine Stiftung mit jährlich acht Millionen Euro langfristig unterstützen müsse, ist der Bezirksregierung mit Blick auf klamme Kassen zu brisant.
Gemeinnützige GmbH
Deswegen will Stüdemann jetzt eine gemeinnützige GmbH gründen – eine Form, mit der auch schon das Dortmunder Konzerthaus und in Zukunft das DFB-Museum betrieben werden. Eine Förderstiftung soll dann Spenden und Kunstgegenstände von betuchten, kultureifrigen Mitbürgern entgegennehmen.
Kurzum: Der U-Turm ist eine echte „Kraftanstrengung“, auch in den Augen von Stüdemann – aber eine, die sich aus seiner Sicht lohnt. „Es geht nicht nur um Kultur, sondern auch um Arbeitsplätze und Stadtentwicklung.“ Dafür will er weitere Gelder einwerben. Vor allem aber glaubt er an die Massentauglichkeit des U-Turms: „Wir werden 170 000 bis 200 000 Besucher bis Ende des Jahres erreichen.“
01:49
so so, wir sind auf einem guten Weg.
Statt 3,8 jetzt 10 Millionen sind also ein guter Weg.
Der U-Turm wirkt wie ein Staubsauger auf die übrige Kultur in Dortmund.
Und nicht nur dort.
Stellen, die Geld bringen würden sind nicht besetzt.
Das heisst auf deutsch: Geld was durch Steuern treuhänderisch der Verwaltung durch den Bürger zur Verfügung gestellt wird, wird veruntreut.
Andere Stellen werden nicht hochgestuft, obwohl die Sicherheit der dortmunder Bürger davon im Brandfall davon abhängt.
Stattdessen beschäftigt sich "Unser Ulli" mit der Weihnachtsbaumdekoration.
Was sagt eigentlich "Unser Ulli" zum "CU" auf der Westfalenhalle.
Die Signal-Iduna hat jedenfalls ihre Verträge fristlos gekündigt.
War wohl ne schlechte Entscheidung von "Unserm Ulli".
Was kostet eigentlich die Wartung des Phönixsees heute im Vergleich zur Planung?
Das nächste Jahr wird die Kostenexplosion bringen, weil das fast stehende Gewässer einen enormen Wartungsaufwand mit sich bringen wird.
Aber vielleicht braucht "Herr Sierau" noch einen Chauffeur.
Ich stehe mit rund 500.000 gefahrenen und 400.000 unfallfreien Kilometern als Arbeitsloser zur Verfügung.
Bei Bedarf darf meine Kontaktadresse Herrn Sierau gerne mitgeteilt werden.
22:29
... wird das Minus bei den Betriebskosten des Fußballmuseums eher Portokassen-Niveau erreichen. Aber wir haben ja noch ein paar überzählige Bezirke zum Wegsparen.
21:46
Ich habe mich gefreut, dass das Fußballmuseum nach Dortmund kommt. Es wird ein absolutes Highlight in einem dafür geeigneten Gebäude.
Die frei Kunstszene kann sich doch jederzeit frei und unabhängig entfalten. Wer hindert sie daran. Wir sind doch ein freies Land. Mal sehen, ob die freien Künstler ihr Publikum finden.
Blöd ist nur, wenn frei und autonom bedeutet: Gib mir Geld aus dem Steuertopf, ich weiß schon, wie ich es ausgeben kann und mich verwirklichen kann.
20:12
Übrigens - wir brauchen kein Fussballmuseum, denn wir sind eine Fussballstadt. Wir brauchen dafür keine ollen Pullover oder Pokale, denn bei uns ist das im Herzen. Deswegen gehen Sie an uns vorbei, Sie treiben uns in eine noch weitere abgasbelastete Nordstadt, nur weil Sie frühkindliche Träume erfüllt bekommen wollen. Aber da sind Sie ziemlich alleine mit, genauso mit dem U-Turm und anderen sinnlosen Projekten. Schaffen Sie endlich eine freie und unabhängige Kunstkultur, die sich ohne Zwänge entfalten kann und schon haben Sie mehr geschaffen, als mit diesen ganzen defizitärem "Kunstobjekten", die keiner sehen will. Schaffen Sie autonome Jugendzentren und die Jugend hat endlich einen Platz für Musik, Kunst und ihre eigene Kultur. Wieso kann ein Kämmerer gleichzeitig Kulturdezernent sein, darunter kann jeweils nur eins leiden! Über die doppelte Kohle wollen wir hier ja gar nicht reden.
19:57
Schätze, da wird Wasser einfach teurer,
beim Gas wird wieder besch....
oder sonst wo.
Man kann die 10 Mio Miese ja nicht mit den 20 Mio Miesen am Flughafen kompensieren.
Vielleicht kann man die entlassenen Städtischen Mitarbeiter per Ein-Euro Job als Besucher verpflichten.
Falls sie aus ihren Vermögen das Sozialticket bezahlen können.
Und nicht die Oberhirten der Stadt mit ihren Autos der Phaeton-Klasse einen Armenfahrdienst einrichten.
19:24
„Wir komprimieren die Verwaltung in der ganzen Stadt“, erklärt er." Damit hat er den Krieg erklärt! Der will uns ein X für ein U vormachen, nicht mit uns!!!
17:36
@ xxyz: Natürlich gibt es in dieser Stadtverwaltung Fachleute, gut ausgebildete Betriebswirte in der Kämmerei. Aber was nützt all das dort versammelte Wissen wenn „politische“ Vorgaben jede Kalkulation überflüssig machen. Es gab bestimmte Personen, die das Dortmunder U von Anfang an so wollten wie es heute dort steht. Und diese Personen wussten auch von Anfang an, dass die 55 Mio € nie und nimmer reichen werden. Aber eine solche – wesentlich höhere – Kalkulation wurde der Öffentlichkeit natürlich nie präsentiert. Da gab man sich dann immer total überrascht, wenn die nächste Kostensteigerung bekannt wurde.
Nicht nur an diesem Beispiel können die Bürger eines klar erkennen: Unsere Politiker – übrigens: gleich welches Parteibuch dort in der Schublade liegt – werfen für ihre Lieblingsprojekte das Geld mit beiden Händen zum Fenster raus.
Ausgaben vermeiden? Ja, jetzt wo es zu spät ist wird die Restverwaltung für das Dortmunder U ausgequetscht – intelligente Finanzpolitik …..
17:11
Ah ja. Deshalb ist dann also von der *Stadt* die ecce GmbH als Ablösung des Zentrums für Kreativwirtschaft gegründet worden, beschäftigt 3 Mitarbeiter und einen überflüssigen Dieter Gorny und lässt sich dies mit 300.000 Euro vom RVR und vom Land bezahlen, damit diese Leute dann wieder Fördergelder vom Land oder Brüssel in die Stadt reinlügen.
Das ist also "selbst erwirtschaften" ala Stüdemann...
Es ist mittlerweile wirklich unbegreiflich, wie die Dortmunder sich von dieser Meschpoke an der Nase herumführen lassen.
07:49
Offensichtlich leben unsere Politiker in einer Parallelwelt. Wer hat eigentlich kalkuliert?
Gibt es in unserer Stadt keine Fachleute?