Thomas Middelhoff ist Pannekopp des Jahres
16.02.2010 | 19:17 Uhr 2010-02-16T19:17:00+0100
Dortmund. Am Aschermittwoch ist auch der Geierabend 2010 vorbei - und damit potenziell auch die Zeit, in der Thomas Middelhoff ohne Nackenschmerzen durch die Gegend flaniert: Der ehemalige Vorstandsvorsitzende der Arcandor AG ist der „Pannekopp des Jahres”.
Und damit Gewinner eines 28 Kilo schweren Schmähordens.
Dass Middelhoff den am gestrigen Abend abgeholt hat, ist allerdings höchst unwahrscheinlich. Zumal er noch nicht einmal auf die freundliche Einladung der Panneköppe reagiert hat. Es könnte an der Begründung liegen: Middelhoff wird für seinen „Strukturwandel de luxe” bei der Insolvenz des Essener Karstadt Quelle Konzerns ausgezeichnet. Bevor er das Unternehmen in die Pleite getrieben habe, taufte er es schnell noch in Arcandor - für Verlässlichkeit, Treue, Mut - um. Dabei stehe Middelhoff selbst für „Überheblichkeit, Schläue und Gier”, wie der Steiger Martin Kaysh betont. „Er ist immer da, wo das Geld gerade ist, bevor er es von anderen Leuten verbrannt hat.”
Freude über die 'Prämierung' herrscht hingegen bei Jürgen Damm, Betriebsratsvorsitzender von Karstadt Dortmund, der erstmals eine Patenschaft für den Schmähorden übernahm: „Wir spüren heute noch, was er bewirkt hat - am Gehaltskonto, der Arbeitsbelastung oder den Kollegen, die nicht mehr da sind”, erklärte er. Eine „gewisse Schlitzohrigkeit” könne man Middelhoff nicht absprechen - „aber ich will ja auch nichts Negatives erzählen”, so Damm mit bissiger Ironie.
Das Geierabend-Publikum übrigens votierte durchweg bei allen 37 Vorstellungen für Middelhoff. Der Gegenkandidat, CDU-Landesvize Oliver Wittke, konnte nur im Internet 300 - zu 600 für Middelhoff - Stimmen fangen. Die SPD haben die Panneköppe übrigens von der Nominierung ausgeschlossen, „aus Furcht, dass die Wahl sonst wiederholt werden muss”, so Kaysh.
96 Prozent Kartenverkauf Jenseits der Pannekopp-Bekanntgabe zeigte sich das Geierabend-Team zufrieden - dank 17 000 Besuchern und 96 Prozent verkaufter Karten. „Wir sind die Kulturhauptveranstaltung”, erklärte Veranstalter Horst Hanke-Lindemann. Regisseur Günter Rückert lobte das Ensemble, das durch Isabell Classen und Maik Giesbert verstärkt wurde. Ob die beiden auch 2011 mitgeiern: noch unklar - beim „Best of” bei Tante Amanda vom 25. bis 27. Juni sollen sie aber noch amüsieren.
13:08
, Ermittlungen nach Arcandor-Pleite“ Bundesweit 270 Polizisten und Staatsanwälte im Einsatz.
Einst Herr Görg*: „Viel bei Karstadt ist heute
im Besitz fremder Firmen und Leute!“
Wer wird d a noch verklagt?
Es ist „Spaß“ angesagt.
Sucht bei Middelhoff man schon nach Beute?
*Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg vor längerer Zeit: Er habe bei einer Insolvenz noch nie eine Firma wie Arcandor erlebt, bei der so viele Güter im Besitz fremder Leute seien.
Tach auch
carlo tarrasqua