Theater zögert bei Freikarten für Arme
17.11.2011 | 18:49 Uhr 2011-11-17T18:49:00+0100
Dortmund. Nicht verkaufte Kulturtickets gehen an arme Menschen: diese Grundidee bringt die Kulturloge Ruhr nach Dortmund – und will auch mit dem Theater kooperieren. Das Haus sieht wenig Spielraum, Kulturdezernent Jörg Stüdemann aber will sich einsetzen.
Nicht verkaufte Kulturtickets gehen an arme Menschen : diese Grundidee bringt die Kulturloge Ruhr wie berichtet nach Dortmund – und will auch mit dem Theater kooperieren. Das Haus sieht wenig Spielraum, Kulturdezernent Jörg Stüdemann aber will sich für die Idee einsetzen.
„Wir helfen schon freiwillig und punktuell auch ohne ein solches Projekt“, sagt Bettina Pesch, geschäftsführende Direktorin, und verweist auf Rabatte auf Theaterkarten für Inhaber des Dortmund-Passes. In Einzelfällen, nach Rücksprache mit Theaterpädagogen und Spartenleitern, käme man Bedürftigen sogar noch weiter entgegen, erklärt Service-Leiterin Ute Batze.
Klare Vorgaben
„Aber das wird gar nicht so viel in Anspruch genommen.“ Pesch, die sich bei der ersten Anfrage unserer Zeitung zur Kooperation mit der Kulturloge noch skeptisch zeigte („Ich möchte das nicht organisiert haben, sondern in Eigeninitiative regeln“), erklärte am Nachmittag, sich mit dem Thema befassen zu wollen. „Allerdings wird das ein riesiger Abstimmungsprozess.“
Denn: Es gibt klare Vorgaben über den Umgang mit Freikarten, deren Anzahl limitiert ist, weil das Finanzamt gerade in dem Bereich streng prüfe und aus der kostenfreien Ausgabe einer sonst zu bezahlenden Lösung Steuerforderungen entstehen könnten, erklärt Kulturdezernent Stüdemann.
Prinzipiell aber findet er, dass die Kulturloge Ruhr „eine gute Idee“ sei. Stüdemann will beim nächsten Jour fixe mit Kulturbetrieben und Theater besprechen, ob sich eine Kooperation mit „vertretbarem organisatorischem Aufwand“ machen ließe.
Ein sinnvolles Projekt
Das aber setzt im Falle des Theaters voraus, dass sich der Rat erneut mit der Freikartenregelung auseinandersetzt. „Für das Theater darf keine hohe Steuerschädlichkeit herauskommen“, so Stüdemann.
In Essen läuft die Kooperation der Kulturloge mit Theater und Philharmonie längst – und das ohne bürokratischen Aufwand, wie Pressesprecher Martin Siebold erklärt. „Wir regeln das auf dem kurzen Dienstweg und stellen monatlich 5x2 Karten zur Verfügung.“ Keine Ladenhüter, sondern für die Zielgruppe attraktive Angebote suche man heraus: „Wir finden es wichtig mitzumachen, weil das ein sinnvolles Projekt ist.“
16:49
„Ich möchte das nicht organisiert haben, sondern in Eigeninitiative regeln“...
soso! Und warum nicht schon längst gemacht? Freier Eintritt mit Asi-Pass, äh... Dortmund-Pass und gut is. Wenn das eh kaum in Anspruch genommen wird - kein Problem, oder? Die Wahrheit ist anders: auch die ermäßigten Karten sind zu teuer für einen Hartzer und in der Musikschule muss ich trotz Asi-Pass mein halbes Hartz-IV hinlegen. Da steckt Absicht hinter: Arme sollen von Kultur ferngehalten werden, sonst fühlt man sich bei den Veranstaltungen nicht richtig wohl als Snob.
7 Euro für Dortmund Pass träger. Ich empfinde das geht in Ordnung. Klar man kann nicht vorbestellen und muss tatsächlich anstehen um die Karten an dem Abend selbst zu erstehen aber wenn man es möchte sind das doch wirklich die kleinsten Probleme.
14:07
sind auch Studenten, insbesondere, wenn sie Bafög beziehen, arm.
Des Weiteren Menschen, die knapp über dem Regelsatz liegen und keine weiteren Vergünstigungen vom Staat bekommen.
Irgendwie glaube ich, dass der Anreiz für eine Dauerbeschäftigung durch zunehmende Vergünstigungen immer geringer wird.
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