Theater spielt mit den Sparvorgaben
18.05.2010 | 18:56 Uhr 2010-05-18T18:56:00+0200
Dortmund. Die städtischen Sparmaßnahmen haben auch die Gestaltung des neuen Theaterspielplans 2010/11 maßgeblich beeinflusst: Doch trotz verringerter Premierenanzahl, geringerem Produktionsetat und weniger Mitarbeiter in der Technik wollen die Spartenleiter beweisen: Theater ist unerlässlich.
Insbesondere der neue Schauspieldirektor Kay Voges hat in seiner ersten Saison Wert darauf gelegt, Themen der Stadt auf die Bühne zu holen.
SCHAUSPIEL
Fulminant ist, was der neue Schauspieldirektor Kay Voges präsentiert - trotz des Stadthaushalts finanziert dank 150 000 € Fördermitteln, davon 40 000 von der Bundeskulturstiftung. Drei Säulen zeigt die Dramaturgie: Voges will „Klassiker modern erzählen” - wie Büchners Woyzeck (zur Eröffnung), Shakespeares Macbeth und Lorcas Bluthochzeit. Komischen Stoff sieht er in Brechts Dreigroschenoper, seiner bissigen Kleinbürgerhochzeit und der Uraufführung Sushi für alle von Kristof Magnusson. Wichtig sind Voges Produktionen für Dortmund, von denen er zwei pro Spielzeit will: Die Uraufführung Heimat unter Erde arbeitet mit Bürgern, Chören, Gastarbeitern; um Wirtschaftsnöte geht es in „Stadt ohne Geld”. Plus: Drei Jugendclubs und ein Seniorentheater.
MUSIKTHEATER
Über 100 Stücke hat Opernintendantin Christine Mielitz in ihren acht Dortmunder Jahren gezeigt, „davon oft das ABC, aber auch ungewöhnliche Stücke, bei denen wir um Zuschauer kämpfen mussten.” Ende 2010 geht Mielitz nun. Umso wichtiger war es ihr, dank „Hamlet” mit Musik vom neuen Hauskomponisten Christian Jost die Spielzeit mit einem Stück zu beenden, das „aus der klassischen Moderne einen Schritt in die Gegenwart macht.” Eröffnet wird die Saison mit Wittenbrinks Sekretärinnen. Mielitz letzte Produktion werden drei Einakter von Puccini sein – basierend auf Dantes göttlicher Komödie. Nach ihrem Weggang leitet ihre Referentin Dominique Caron mit Jac van Steen ein halbes Jahr kommissarisch das Musiktheater. Zwei Premieren zeigt die Kinderoper.
JUGENDTHEATER
„Weniger ist weniger” sagt Leiter Andreas Gruhn über das Kinder- und Jugendtheater, das mit einem um 15-20 Prozent gekürzten Produktionsetat auskommen muss. „Schmerzhaft”, so Gruhn, der aber die Stärke des Ensembles halten konnte. Mit dem Abi-Stoff Prinz Friedrich von Homburg von Kleist startet die Saison. Das Thema - einer, der sich den Regeln des Staates verweigert - ist für Gruhn brennend aktuell. Ebenso, wie die Frage nach Männlichkeitsbildern - im Kooperationsprojekt „Räuber spielen” mit dem Theater Kohlenpott Herne. Die Entscheidung zwischen Wohlstand und Liebe - im Weihnachtsmärchen „Das kalte Herz”. Und Alkoholmissbrauch, den das KJT mit Jugendlichen erforscht. Bleiben noch Tintenherz und die Komödie Frühstück mit Wolf.
BALLETT
„Weniger ist mehr”, hofft Ballettdirektor Xin Peng Wang und setzt auf Qualität bei verringerter Quantität. Nur zwei Premieren stehen auf dem Spielplan: Wang selbst inszeniert die Uraufführung „H.A.M.L.E.T - Die Geburt des Zorns” mit Musik von Arvo Pärt. Einen Blick nach New York ermöglichen die Choreographien von George Balanchine, Benjamin Millepied und William Forsythe unter dem Titel Körper.Tanzen.Formen. Das Erlebnis einer Ballettgala gibt es gleich drei Mal: Zum Spielzeitstart sind etwa Tänzer aus Hongkong, Stuttgart und vom American Ballet zu Gast; Holland steht bei der zweiten im Fokus mit Choreografen des Nederlands Dans Theater wie Hans van Manen und Jiri Kylian. Publikumsliebling Steven Mc Rae schafft für Oktober ein eigenes Werk.
PHILHARMONIKER
Die erste Saison mit nur zwei statt wie bislang drei Auftritten pro Philharmonischem Konzert steht für Generalmusikdirektor Jac van Steen an. Allerdings will er fünf Montage als Werkstatt-Abende für das Publikum öffnen. Zudem werden die Dortmunder Philharmoniker mit renommierten Solisten wie Isabelle Faust, Nils Mönkemeyer und Iris Vermillion auftreten. Roter Faden der Konzerte ist Johannes Brahms; auch Composer in residence Christian Jost stellt sich zwei Mal klanglich vor. Die Theater- und Konzertfreunde ermöglichen zwei Galaabende; mit Unterstützung der Niederländischen Regierung ertönt ein Holland Panorama. Ohnehin spielt van Steens Heimat diesmal eine besondere Rolle: Zwei Gastspiele in Rotterdam und Eindhoven absolviert das Orchester.
Fotos: Knut Vahlensieck
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