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Theater spart sich an die „unterste Grenze“

06.09.2010 | 19:04 Uhr
Theater spart sich an die „unterste Grenze“
Der Technische Direktor Thomas Meissner setzt sich für seine Mannschaft ein - damit himmlischer Beistand nicht nötig wird. Bild: Ralf Rottmann

Dortmund.Eine Million Euro spart das Theater in dieser Spielzeit – Tendenz steigend. Aber schon jetzt sei das Haus an der untersten Grenze, so Technische Direktor: „Wir haben Null Reserven.“ Etwas außerhalb des Plans dürfe nicht passieren.

Eine Million spart das Theater in dieser Spielzeit – Tendenz für die Zukunft steigend. Besonders die Technik leidet: Die personelle Situation ist angespannt, der Zeitplan auf Kante genäht. „Im Vergleich zu anderen Häusern dieser Größe bundesweit sind wir an der untersten Grenze“, sagt der Technische Direktor Thomas Meissner. Und das wirkt sich auch auf die Kunst aus.

Fünf Stellen von Langzeitkranken, die bislang von dauerhaften Aushilfen ersetzt wurden, kann Meissner nicht mehr besetzen – eine Einsparung von circa 250 000 Euro. „Die Arbeitskraft fehlt.“ Und das in einer Situation, in der die technischen Kräfte für das gesamte Haus – 230 Mitarbeiter mit Maske und Kostüm – schon extrem knapp waren.

Kein Spielraum für Korrekturen

Die Konsequenz: Die Planung und Feinabstimmung der Aufgaben muss viel feingliedriger sein. „Zeiten, die vereinbart wurden, müssen unbedingt eingehalten werden“, sagt Meissner. „Wir haben keine Spielräume für Korrekturen in der Endphase von Produktionen.“ Und das, obwohl gerade in dieser Zeit kurz vor den Premieren noch viel in Bewegung ist. Bauproben finden Monate vor der Premiere statt. Auch der Freizeitausgleich von Feiertagseinsätzen, die bislang ausgezahlt wurden, ist bis zum Jahresende exakt geplant. „Wir müssen sehr genau schauen, was machbar ist“, sagt Meissner. „Diese Planungsmechanismen waren vorher nicht da.“

Die Einsparungen betreffen auch die Ressourcen. Sei es, dass die Mitarbeiter auch alte Technik ohne Wenn und Aber nutzen. „Das funktioniert bis zu einem bestimmten Grad, aber irgendwann wird es aberwitzig.“ Oder, dass das Geld für Bühnenbilder reduziert wurde und Materialien wiederverwendet werden. „Das betrifft alle Sparten und ist auch bei der Kunst spürbar.“

Veraltete Technik, kaputter Bühnenboden, undichtes Operndach

Meissner sieht es zudem als seine Aufgabe, das Theater zukunftsfähig zu halten – und hat einen dicken Packen mit Sanierungsprojekten neben sich liegen: In der Opernkuppel im Foyerbereich laufe Wasser rein. Sicherheit und Brandschutz in der Verwaltung und den Werkstätten müssten dringlich angegangen werden. Aber auch die Bereiche, die die Zuschauer direkt mitbekommen, leiden: Der Bühnenboden der Oper sei „hinüber“ und „schon gefährlich“, Licht und Ton im ganzen Haus seien in einem „ganz schwierigen Zustand“. Gerade für Musicals reiche die Tonausstattung nicht aus; das Mischpult sei 15 Jahre alt und so riesig, dass die Techniker „einen Spagat“ machen müssen, um es zu bedienen.

Zugleich fehlen die Mittel im Investitionshaushalt: Wenn Scheinwerfer bei Beleuchtungsproben kaputt gehen, müssen die Techniker sie erst aufwendig reparieren – Ersatz gibt es nicht. „Wir haben Null Reserven“, sagt Meissner.

Bühnenbilder werden über die Straße geschoben

Er drängt auch auf eine Verbesserung der räumlichen Situation: Lagermöglichkeiten und eine Montagehalle fehlen, auch die Probenräume seien nicht ausreichend. So absurd ist die Situation, dass Bühnenbilder für das Schauspiel aus den Werkstätten und die ganze Kuhstraße entlang geschoben werden müssen – weil intern die Verbindung nicht groß genug ist. Und bei der „BVB-Revue“ im Schauspiel waren so viele Darsteller beteiligt, das sie sich an den unmöglichsten Orten umzogen. „Eine unwürdige Situation.“

Meissner ist in konstruktiven Gesprächen mit Kulturdezernent Jörg Stüdemann – und ist stolz auf die Motivation seiner Mitarbeiter. Trotzdem: Etwas außerhalb des Plans dürfe nicht passieren. „Wir müssen aufpassen, dass wir das Wesen des Theaters nicht verlieren und nicht zur Fabrik werden.“

Nadine Albach

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Kommentare
07.09.2010
11:42
Theater spart sich an die „unterste Grenze“
von Jack Daniels | #2

Wieviele Bürger gehen eigentloch pro Spielzeit in das Theater? Man könnte ja mal die Anzahl der verkauften Ticktes in Relation zu den 28 Mio € setzen, kommt bestimmt ein nettes pro Kopf sümmchen an Subventionen zusammen :)

07.09.2010
11:09
Theater spart sich an die „unterste Grenze“
von Peter von Lustig | #1

Jah neh iss klah - das Theater spart 1 Million Euro pro Jahr. Das ist löblich aber auch nachvollziehbar bitter, wenn man den Ausführungen des technischen Direktors folgt.

Man solte aber immer dazu wissen, daß weitere 28 Millionen Euro - trotz Einnahmen aus den zahlenden Zuschauern und Sponsoring - an Zuschuss jedes Jahr vom Theater verbraucht werden. Das ist schon ein ordentlicher Schluck aus der fast leeren städtischen Finanzpulle.

Da sind Extras wie das Konzerthaus mit über 5 und das Dortmnder U mit über 6 Millionen Euro jährlichen Kosten nicht mit eingerechnet.

Niemand wird die Kulturwüste Ruhrgebiet wollen, aber Kultur muss eben auch bezahlt werden. Nach der Kulturhauptstadt 2010 werden wir sehen, wieviel Geld noch für Kultur übrig ist. Vermutlich nicht viel. dann muss über Kultur und ihre Bedeutung - aber auch ihre Finanzierung - neu gegenüber anderen gesellschaftlichen Aufgaben wie Zukunftssicherung durch Schulen und Ausbildung diskutiert werden. Das zur Bildung auch Theater und Kunst gehört ist selbstverständlich - nur über die Wertigkeit und Preise wird man auch reden müssen.

Das solten die 10 000 Kulturbürger in Dortmund auch einsehen können.

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