"Theater muss immer ein Erlebnis sein"
27.03.2009 | 18:39 Uhr 2009-03-27T18:39:00+0100
Kay Voges wird ab 1. August 2010 Schauspieldirektor des Theater Dortmund. Sein Vertrag gilt zunächst für fünf Jahre. Das hat der Rat der Stadt einstimmig beschlossen. Jetzt stellte sich der 36-Jährige vor.
Kay Voges ist ein wenig nervös. Im braunen Anzug und mit schwarzem Hemd sitzt er da, im Rathaus, umgeben von Offiziellen und Journalisten, und begegnet den beständig klickenden Kameras geduldig, nur ab und zu die schulterlangen braunen Haaren hinter die Ohren schiebend. Als er nicht mehr nur noch lächeln, sondern auch sprechen darf, greift er zu einem Zettel, auf dem er seine Ideen notiert hat, zur Sicherheit, damit er die richtigen Worte findet. Es sind schöne, aber etwas leere Sätze, die Kay Voges anfangs formuliert - dabei hat er viel zu sagen, Spannendes und Neues, wie sich doch herausstellt:
„Theater muss immer ein Erlebnis sein. Das Schlimmste ist Langeweile und Dummheit ist auch sehr ärgerlich”, sagt er. Und er ist neugierig, auf Dortmund und seine Menschen. Im Januar 2010 spätestens will er hier hinziehen, sein leitender Dramaturg Michael Eickhoff - die erste Personalie! - kommt schon in diesem Sommer, um den „Herzschlag der Stadt zu spüren”. Voges plant neue Theaterformen, um die Bürger einzubeziehen: Zum Beispiel durch eine Kulturolympiade für Jugendliche, ein Stadtteilprojekt, das das Thema Integration aufgreift, und ein „Web TV Theater”, in dem die Schauspieler einmal monatlich brennende Stadtfragen dramaturgisch inspiriert von „Dittsche” im Internet anschaubar machen. Dafür sucht er eine eigene Bleibe, ein Ladenlokal, am besten kostenlos.
Apropos Geld: Voges findet jetzt schon den Mut, im Angesicht von Kulturdezernent Jörg Stüdemann von „fehlendem” zu sprechen und wünscht sich starke Partner in Schulen, Museen, Kirchen und der Fachhochschule, spricht auch von der Unterstützung durch Stiftungen. Er sucht die Vernetzung mit umstehenden Häusern, aber auch die Kooperation mit einer internationalen Bühne.
Kay Voges gibt sich als Mensch der Gemeinschaft: Er will ein Theater für das Publikum, ohne gefällig zu sein. Er will nicht alles umwerfen, sondern sich nun in Ruhe jetzige Schauspieler und Produktionen ansehen. Er sagt, er sei nur so stark, wie sein Team. Und er geht offensiv mit seinem Alter um, das mit 36 Jahren eben noch jung für einen solchen Posten ist: Voges möchte das Gespräch mit Gruner suchen, sich Tipps abholen, ein bisschen von ihm lernen. Und „wo man selber nicht so souverän ist, da muss man sich eben souveräne Leute holen”. Immerhin, er saß im Leitungsteam des Theaters Oberhausen, hat jetzt jüngst 170 Menschen für den „Sommernachtstraum” in Dresden geführt. Jetzt, sagt er ernst und doch charmant, sei es eben „die Inszenierung eines ganzen Schauspiels”.
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