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Teures "U" - Politiker fürchten um Dortmunds Kulturbetriebe

16.02.2010 | 23:00 Uhr
Teures "U" - Politiker fürchten um Dortmunds Kulturbetriebe

Dortmund. Unruhe um das "U": Dortmunds Grüne und die CDU kritisieren mangelhafte Transparenz bei den Kosten für Umbau und Betrieb des U-Turms. Das Projekt droht, zu teuer zu werden. Die Politiker rechnen nun mit spürbaren Einschnitten bei den Kulturbetrieben.

In der Diskussion um das Dortmunder "U" fordern die Grünen Klartext - sowohl bei der Frage, wie die Mehrkosten finanziert werden sollen, als auch bei der Benennung der Gesamtbaukosten, die Fraktionsvorsitzender Mario Krüger mit circa 65 Millionen taxiert. Die „Kostensteigerungen nicht nur bei den Investitionen, sondern auch bei den Betriebskosten” seien „immens”.

Nicht mehr als 50 Millionen

Um eine aufwendige EU-Prüfung zu umgehen, dürfen die Kosten für den Umbau 50 Millionen Euro nicht überschreiten. Kulturdezernent Jörg Stüdemann spricht von „großer Schlitzohrigkeit” und „bösartiger Irreführung der Öffentlichkeit”: Krüger habe Kosten addiert, die unabhängig von der Förderung durch EU und Land durch die Stadt finanziert würden - wie etwa die Dach- und Fachsanierung. Krüger will natürlich auch keine EU-Prüfung. Ihm geht es darum, „dass wir belastbare Zahlen bekommen. Also wo geht die Reise hin?”

Von 51,7 Millionen Euro auf nun 66,7 Millionen Euro seien die Kosten für Investitionen und Betriebskosten gestiegen, rechnet die CDU in einem Antrag für die Ratssitzung am Donnerstag vor. Den Kern des Problems sieht Ulrich Monegel, Vorsitzender CDU-Ratsfraktion, darin, dass die Eckdaten für den Umbau des U auf der Nutzung als reines Museumsgebäude basiert hätten. „Jetzt haben wir ein Konzept von hoher Komplexität mit verschiedensten Nutzern.”

Entsprechend fordert die CDU wie die Grünen ein Konzept zur Finanzierung der zusätzlichen Kosten - weil sie mit spürbaren Einschnitten bei den Kulturbetrieben rechnen. „Wir drohen, die Kulturbetriebe kaputt zu sparen, ohne, dass wir mehr als einen Rohbau präsentieren können und langfristige Effekte gesichert haben”, so Monegel. Sein Vorschlag: Eine dauerhafte finanzielle Beteiligung des Landes. Und zunächst eine Eröffnung „mit reduziertem Programm”, möglichst auf den beiden Museums- und der Wechselausstellungsetage.

"Mein Termin ist immer schon der 28. Mai gewesen"

Andere Ideen haben die Grünen: Sie fordern eine stärkere Einbeziehung der Politik beim „U”-Lenkungsgremium, dem Zentrumsrat. Und wollen den Turm als „Kunstbaustelle” präsentieren, mit Begleitprogramm am Bau und Transfer zu anderen Veranstaltungen. „Es sollte nichts versprochen werden, was nicht sicher eingehalten werden kann”, so der kulturpolitische Sprecher Jürgen Brunsing. „Wichtig ist es, Dortmund im Rahmen der Kulturhauptstadt gut darzustellen.” Stüdemann hingegen hält nichts von dem Plan B: „Es geht doch nicht, dass wir auf den letzten Metern völlig kopfscheu werden.” Es sei ein völlig falsches Signal an die Bauarbeiter, die „Tag und Nacht rackern”, jetzt das Tempo herauszunehmen.

Auch die ausführenden Kräfte versuchen, ruhig Blut zu bewahren: Hieß es noch Anfang Februar in einer nicht-öffentlichen Vorlage an den Rat, dass beim Zeitplan eine erneute Kälteperiode „nicht mehr kompensiert werden” könne, scheint der andauernde Schnee keine größeren Konsequenzen zu haben. „Natürlich hat das Einfluss auf den Fortschritt der Bauarbeiten”, räumt Ingo Schmitt, Sprecher von Gerber Architekten ein. Trotzdem stehe der 9. Mai als Eröffnungsdatum für die ersten drei Etagen in Messebaustandard nicht zur Disposition.

Regisseur Adolf Winkelmann hingegen kalkuliert mit einem anderen Datum: „Mein Termin ist immer schon der 28. Mai gewesen.” Die Bauleute müssten ihre Arbeit erst soweit fertig gestellt haben, dass „wir die Technik einrichten können.” Winkelmann will die Außen- und Inneninstallation nicht getrennt eröffnen. „Wenn ich das zeige, dann alles auf einen Schlag.”

Nadine Albach

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Kommentare
18.02.2010
13:06
Teures U - Politiker fürchten um Dortmunds Kulturbetriebe
von vaikl | #9

@#6

Das mit den gewissen Kosten ist die typische Augenwischerei unserer Lokalpolitik.

Die 70%ige Förderung von Land und EU erstreckt sich nur auf die Baukosten; den späteren Unterhalt muss die Stadt allein tragen. Die Fördermittel sind gedeckelt, also zahlt die Stadt aus ihrem insolventen Haushalt jeden zusätzlichen Kosten-Cent aus Fehlkalkulation und falscher Planung.

Die Zeiten, als die SPD-Fürsten mal eben über den Zwischenhalt Landeskanzlei nach Brüssel lustreisten, um sich dort zu jeder Zeit am Fördertopf zu bedienen, sind vorbei. Schöngerechnete Leuchttürme, die zunächst auf dem Papier so eben noch in den Haushalt passten, damit der Wähler nicht murrt, und deren später ausufernden Kosten dann mit neuen Fördertricks kaschiert werden konnten, sind out.

Weder EU noch Land noch Kommunalaufsicht werden wie früher wohlwollend nach Lösungen suchen, sondern knallhart die Schatulle zumachen, wenn Städte wie Dortmund weiter ihre maroden Haushalte rein über Fördermittel zu sanieren versuchen.

18.02.2010
10:27
Teures U - Politiker fürchten um Dortmunds Kulturbetriebe
von MHR | #8

@5/Dr. Thor:

Sie stiften hier mit Ihrem Beitrag unnötig Verwirrung, anstatt sachlich zu argumentieren.

Ein Großteil der Baukosten für den U-Turm wird vom Land NRW getragen. Ohne das U-Turm-Projekt hätte die Stadt Dortmund diese Förderung nicht erhalten. Es trifft also nicht zu (wie Sie dies wohl bewußt falsch vermitteln), dass die Stadt Dortmund 68 Mio. Euro aus eigenen Mitteln in den U-Turm verbaut, anstatt sich um den Erhalt von Schulen und Kindergärten zu kümmern. Die Stadt Dortmund trägt vielmehr nur einen relativ kleinen Teil dieser Kosten und entwickelt hierdurch eine erhaltenswerte Industriebrache (hoffentlich) zu einem Publikumsmagneten.

Gleichzeitig verbessert die Stadt Dortmund auf der Grundlage des Konjunkturpaketes II derzeit die Situation an zahlreichen öffentlichen Gebäuden im Stadtgebiet. Es trifft daher nicht zu, dass für den Erhalt der Schulen und Kindergärten nichts getan würde. Und ob man bei zurückgehenden Geburtenraten tatsächlich zahlreiche neue Einrichtungen braucht, darüber ließe sich trefflich streiten.

Das von der Heydt-Museum in Wuppertal hat bspw. mit seiner aktuellen Monetausstellung über 200.000 Besucher angelockt. Das rechnet sich für die Stadt und verbessert ihre Bekanntheit und ihren Ruf weltweit. Warum soll das nicht auch in Dortmund möglich sein? Wie man an dem obigen Beispiel mit über 200.000 Besuchern deutlich sieht, ist ein Museum heute auch kein Ort mehr nur für eine Kulturelite.

Beim U-Turm verhält es sich letztlich wie mit dem Phönix See. Bezogen auf beide Objekte musste die Stadt Dortmund eine tragfähige Gestaltung für die Zukunft entwickeln. Dabei war von vorne herein völlig klar, dass dies nur unter gewissen Kosten machbar sein kann. Ich finde, dass die beiden gefundenen Lösungen (deren Kosten nur zu einem kleinen Teil von der Stadt getragen werden) grundsätzlich in die richtige Richtung weisen.

17.02.2010
23:57
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von Dr.Thor | #7

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17.02.2010
13:19
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von Moderation | #6

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

17.02.2010
10:17
Teures U - Politiker fürchten um Dortmunds Kulturbetriebe
von HansDampf | #5

Der U Turm ist und bleibt für immer ein Mausoleum für den Untergang der Bierkultur in Dortmund. Ihn im Rahmen der Kulturhauptstadt 2010 zu einem Kulturzentrum zu Lasten des Kulturetats zu erheben ist nichts anderes als ein schlechter Witz.Die vorzeitige Schließung des nunmehr ungenutzten Ostwallmuseums ist vor diesem Hintergrund tatsächlich nicht anders zu bezeichnen als arrogant und überheblich.

17.02.2010
10:09
Teures U - Politiker fürchten um Dortmunds Kulturbetriebe
von MHR | #4

Grundsätzlich unterstütze ich den Umzug des Museums am Ostwall ind den U-Turm sowie dessen erweiterete Nutzung für Medienkunst usw.

Wenn man aber meint, sich für solch ein doch noch recht überschaubares Projekt einen Intendanten mit einem Jahresetat von mehreren 100.000 Euro leisten zu müssen, ja wer soll sich dann noch ernsthaft über gestiegene Betriebskosten wundern? Das ist doch an Naivität (oder vielleicht doch eher Schlitzohrigkeit?) kaum zu überbieten.

Besser wäre es gewesen, einem der Leiter der im U-Turm unterzubringenden Institutionen den Hut aufzusetzen und ihn - zusätzlich - mit der Koordination der Projekte zu beauftragen. Eine solche Aufgabe hätte Herr Professor Wettengel sicherlich erfolgreich und kostengünstiger (mit-)erledigt. Vielleicht hätte man die Chefposition auch von Institution zu Institution wechseln lassen können, um etwas mehr Gleichberechtigung und Abwechslung zu gewährleisten.

Statt einer solchen aus meiner Sicht vernünftigen Lösung bekommen wir jetzt einen öffentlichkeitswirksam introhnisierten Intendanten mit einem stolzen Jahresbudget und meherere im U-Turm untergebrachte Institutionen ohne ausreichende Geldmittel. Von einem Etat in der Größenordnung von mehereren 100.000 Euro kann das Museum am Ostwall nur träumen!

Was für ein hirnverbrannter Schwachsinn!

17.02.2010
08:42
Teures U - Politiker fürchten um Dortmunds Kulturbetriebe
von Zampa | #3

Die verlogenen Grünen haben dieses Megaprojekt doch mit durchgeboxt, und jetzt verlassen sie den Kostensumpf. Dämlicher geht es nicht. Es gab nur eine Fraktion, die von Anfang an wegen der zu hohen Kosten gegen den U-Turm war: FDP/Bürgerliste. Leider wurden deren negative Prognosen sogar noch übertroffen. Jetzt will es wieder keiner gewesen sein - immer dasselbe Spiel. Wähler, wacht auf und schickt die Verantwortlichen in die Wüste.

17.02.2010
02:03
Teures U - Politiker fürchten um Dortmunds Kulturbetriebe
von der Aufrichtigkeit | #2

Mein verzerrtes Wort lautet uah - und genau das denke ich gerade auch: Uaaahhh - was läuft hier eigentlich (nicht?)

Alleine die Frech- Naiv- und Dummheit, das Ostwall Museum bereits im Juni 2009 - also über ein Jahr vor dem Wiedereintritt in den vorherigen Stand - vorzeitig zu schließen, finde ich abgebrüht oder überheblich. Aber wir Bürger zahlen ja zwischenzeitlich nur die Gehälter für diese zeitgenössischen Naiven, die eigentlich für uns da sein sollten. Sei es drum. Warum aber als Protest gegen diesen Größenwahn nicht schon längst dekorative Farbbeutel an den Fassaden der Gebäude platzten, bleibt mir verschlossen.

Keiner will offensichtlich aktiv etwas gegen diese organisierte Mischpoke unternehmen - auch ich schreibe ja hier nur doof rum. Aber wer weiss schon = vielleicht bin ich ja bald bereit für ein paar sichtbare Signale gegen den Murx!

Ich dachte, die Machenschaften beim Kölner U-Bahn-Bau wären ein schlechter Witz, aber Dortmund gibt sich gerade Mühe, auf der Skala der Unmöglichkeiten auf den zweiten Platz zu kommen...

16.02.2010
23:53
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von Moderation | #1

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