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Teppichkunst

Teppichkunst an der Wand

18.11.2011 | 18:59 Uhr
Teppichkunst an der Wand
Der Teppich-Designer Jan Kath stellt bei Heimatdesign aus. Foto: Franz Luthe

Dortmund.   Dortmund.Seine Palette umfasst mehr als 1200 Farben. Doch er malt nicht mit Pinsel oder Spachtel – seine Werke entstehen aus Wolle, Seide und Brennnessel: Jan Kaths Spezialität sind Teppiche.

Seine Palette umfasst mehr als 1200 Farben. Doch er malt nicht mit Pinsel oder Spachtel – seine Werke entstehen aus Wolle, Seide und Brennnessel: Jan Kaths Spezialität sind Teppiche. Die Designs des Bochumers gehen um die Welt und schenken zum Beispiel Rupert Murdoch oder Red Hot Chili Peppers-Sänger Anthony Kiedis mehr Wärme. Bei Heimatdesign treffen seine Teppiche auf Fotografien des Dortmunders Haiko Hebig.

Das Blau ist hell und doch leuchtet es heraus, in wirren Fäden, anziehend und doch so fremd, sich abhebend von dem beigefarbenen Grund. So denkt man sonst über Kunstwerke. Diesmal aber ist es ein Teppich, der an der Wand hängt. So, wie in Galerien in New York und Berlin, die Jan Kath gerade eröffnet hat. In letzter Zeit, erzählt er, sei immer öfter der Begriff Kunst im Zusammenhang mit seinen Teppichen gefallen. „Aber mir steht nicht zu, zu entscheiden, wo die Grenze zwischen Kunst und Design ist“, sagt er – und erklärt, grundsätzlich auch nichts dagegen zu haben, wenn seine Werke weiterhin mit Füßen getreten werden.

Im Dialog

Auf Fußböden würden sich Haiko Hebigs Fotografien nicht sonderlich gut machen. Und auch sonst gibt es viele Unterschiede zwischen den Werken: Die einen groß-, die anderen kleinformatig. Die Teppiche erst monatelang entworfen, dann von zehn Teppichknüpfern in Nepal drei Monate lang nach traditioneller Art gefertigt. Im Gegensatz zu den Fotografien, die teils in Sekunden entstehen.

Und doch reden die Werke miteinander und zu dem Betrachter. Haiko Hebig sucht Spuren einstiger Schwerindustrie, er spürt der Vergangenheit in der Gegenwart nach. Jan Kath stützt sich auf alte Traditionen des Handwerks, greift klassische Muster auf – und durchbricht sie, zerstört sie, spielt mit ihnen, um sie ins Heute zu führen.

Beide erzählen von Leerstellen, dem Dialog der Generationen in unserer Gesellschaft, von der Schönheit in der Zerstörung – die Teppiche noch stärke als die Fotografien.

Jan Kath übrigens wollte eigentlich nichts mit Teppichen zu tun haben, die in seiner Familie in der Orientfassung eine lange Tradition haben. Er reiste mit dem Rucksack durch Asien – bis ein Lieferant seines Vaters ihn für seine Teppichfabrik begeistern konnte. Dieser unkonventionelle Weg erklärt Kaths frischen Blick auf eine eigentlich altmodische Angelegenheit: Das blaue Wirrwarr auf seinem Teppich nämlich zeigt die Laufwege der 1. Halbzeit aus dem Relegationsspiel VfL Bochum gegen Borussia Mönchengladbach.

Nadine Albach

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