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Interview mit Kurt...

Suche nach neuen Finanzquellen

19.08.2009 | 18:29 Uhr

Jahrelang hat er die Kulturbetriebe und das Kulturbüro geleitet - jetzt konzentriert sich Kurt Eichler auf erstere. Ein wichtiger Grund: Das Dortmunder „U”. Ein Gespräch mit Nadine Albach.

Warum haben Sie die Doppelfunktion aufgegeben?

Ich will mich voll auf die Geschäftsführung der Kulturbetriebe konzentrieren. In Zukunft rechne ich eher mit weniger als mehr Geld für die Kultur. Deshalb werde ich mich stärker um Finanzen, betriebliche Effizienz und Synergien kümmern. Außerdem betreue ich eine Vielzahl von Projekten für die Kulturhauptstadt 2010 - allen voran die Baustelle Dortmunder „U”. Durch diese neuen Aufgaben durfte das Kulturbüro nicht zu kurz kommen.

Warum Baustelle „U”?

Die Kulturbetriebe nutzen über 80 Prozent der Flächen im „U”. In der Bau- und in der Gründungsphase gibt es eine Menge zu tun: Die Etage für kulturelle Bildung ist einmalig für NRW. Das Museum Ostwall wird neu konzipiert, es wird eine Etage für Wechselausstellungen geben und im Erdgeschoss einen Kinosaal. Das Filmprogramm wollen wir mit dem Frauenfilmfestival machen. Auch der Hartware MedienKunstVerein lebt stark von städtischen Mitteln. Nur zwei Nutzer haben organisatorisch mit den Kulturbetrieben nichts zu tun: die Gastronomie und die Hochschulen.

Das „U” ist den Kulturbe-trieben unterstellt. Wie ist der Zusammenhang mit der Dortmund Stiftung?

Bis Mai 2010 sollen die Museumsetagen, das Foyer und der Gastronomiebereich fertig ausgebaut sein. Alle anderen Etagen haben „Messebaustandard”. Wir können sie nutzen, aber der Endausbau kommt erst 2011. Dann geht das „U” auch in das Eigentum und die Bilanz der Kulturbetriebe über.

Wir sind zuständig für die gesamte Organisation, die Finanzen und den Vermögenserhalt. Es wird einen Vertrag zwischen den Kulturbetrieben und der Dortmund Stiftung geben: Über die Tochtergesellschaft der Stiftung, die dopro GmbH, wird die künstlerische Leitung des „U”s bestellt. Der nominierte Gründungsdirektor - also Dr. Andreas Broeckmann mit vielleicht zwei Mitarbeitern - soll das ganzheitliche Profil des U schärfen und die interne Kommunikation fördern.

Wie ist das Machtverhältnis zwischen Ihnen und Herrn Broeckmann?

Ich will gar nicht von Macht reden. Ich möchte, dass das Dortmunder U ein Erfolg wird. Das „U” ist eine europaweit strahlende Landmarke, von der der Standort Dortmund und das Ruhrgebiet profitieren wird. Andreas Broeckmann wird auf der fachlichen Ebene mit den Nutzern Projekte für die gemeinsame Botschaft des „U” entwickeln. Dafür bieten die Kulturbetriebe den finan-ziellen und organisatorischen Rahmen und damit ist auch meine Aufgabe definiert.

Heißt das nicht, dass Sie am Ende am Drücker sind?

Es gibt einige, die sehen das so. Aber wir brauchen eine künstlerische Gesamtkompetenz, und das ist die Sache von Andreas Broeckmann, den ich sehr schätze. Das ist nicht anders als das Verhältnis zwischen mir und Museen oder Bibliothek: Die Leitungen sorgen für die Fachlichkeit. Ich sichere die Rahmenbedingungen.

Sie würden sich also nicht inhaltlich einmischen?

Nein, ich vertrete hinsichtlich einer fachlichen Kompetenz keine imperiale Sicht. Natürlich möchte ich den intensiven Austausch mit ihm und den anderen Verantwortlichen. Zielmarke aller muss der Erfolg des „U” insgesamt sein.

Wenn das „U” mit in die Bilanz der Kulturbetriebe fließt, muss der Jahresetat von 28 Millionen Euro sicher aufgestockt werden. Mit welchen laufenden Kosten rechnen Sie?

Das ist noch nicht ganz sicher. 2006 gab es einen Ratsbeschluss, der 2,7 Millionen Euro kalkuliert hat - für ein reines Museum. Wir haben jetzt aber ein erweitertes Angebotsspektrum. Insofern wird diese Zahl zu überarbeiten sein. Was das genau ausmacht, können wir erst nach dem Jahr 2011 sagen. 2010 wird mit den Kulturhauptstadtprojekten ein Sonderjahr. Bisher sind elf Ausstellungen im U geplant - in fast allen Etagen.

Glauben Sie denn, dass die 2,7 Mio. Euro für den regulären Betrieb ausreichen?

Die 2,7 Millionen sind für das aktuelle Konzept des „U” relativ knapp bemessen. Es gilt die Maßgabe, dass die Einrichtungen mit ihren bisherigen Ressourcen 1:1 ins „U” umziehen. So hat das Museum Ostwall zum Beispiel mehr Fläche. Daraus resultieren mehr Bewachung und höhere Betriebskosten.

Mehr Personal für das MO ist unrealistisch?

Es wäre wünschenswert. Aber wir müssen uns an den Realitäten orientieren. Die Kulturbetriebe haben seit Jahren einen gleichbleibenden städtischen Zuschuss. Die Tarifsteigerungen werden uns bisher nicht erstattet: ein Defizit von 1,5 Millionen.

Alle Einrichtungen sollen ihre Kulturaufgaben kostengünstiger bewältigen. Die Suche nach neuen Finanzquellen wird immer wichtiger.

Das sind zukünftige Herausforderungen der Kulturbetriebe - nicht nur mit Blick auf das U.

Nadine Albach

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