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Neue Schauspieler

Stützstrumpfjäger mit Spiellust

02.09.2010 | 18:13 Uhr
Stützstrumpfjäger mit Spiellust
Andreas Beck schätzt das Ruhrgebiet - weil es „offen und großtädtisch“ ist. Foto: Franz Luthe

Dortmund.Als „Mann mit den goldenen Stimmbändern“ und „schauspielerisches Schwergewicht“ hat Schauspieldirektor Kay Voges sein neues Ensemblemitglied Andreas Beck vorgestellt. Worte, die der mit einem gelassenen Lächeln kommentierte. Andreas Beck hat Lust - auf einen „Neustart mit 45“.

Andreas Beck hat dem Theater ein Lied gewidmet, eines, das von Piefigkeit und Dienst nach Vorschrift erzählt. „Tochter, Mutter, Vater gehen heute ins Theater, denn im Staatstheater läuft der Gestiefelte Kater (...). Und wenn der Vorhang fällt, gibt’s Geld.“ Er ist Teil des musikalischen Duos „Baunataler Stützstrumpfjäger - und hat das, was vielen Menschen fehlt: Die Distanz, die eigene Welt humoristisch aufzugreifen.

Denn eigentlich ist Theater etwas anderes für Andreas Beck. „Der Ort, an dem Geschichten erzählt werden, man sie gemeinsam erlebt.“ Ihn treibt „Lust am Spiel“, an Unterhaltung und direkter Reaktion - „pures Vergnügen“.

Mit Fünf zum Kinderballett

Ein Vergnügen, das Andreas Beck schon als Kind packte. Geboren in Stralsund, begeisterten befreundete Mädels ihn mit fünf Jahren für Kinderballett. „Ein großer Tänzer wird aus dem nie. Aber bringen sie den mal zum Theater“, kommentierte sein Lehrer - und die Eltern folgten dem Rat. Andreas Beck wirkte bei Weihnachtsspielen des „Pioniertheaters“ mit - und entschied sich mit 14 für eine Schauspielkarriere. So früh, weil das in der DDR nötig war, um in ein Förderprogramm zu kommen. Er studierte in Leipzig, bekam ein Engagement in Eisleben.

„Am Theater“, sagt er, „hat sich ein Pott von Leuten gefunden, die man als rekrutierte Staatsgegner bezeichnen könnte“. Die Bühne hat er in der DDR als „freieren, spannenderen Ort“ wahrgenommen: „Theater war journalistischer. Man hat sich mehr getraut als heute.“ Andreas Beck sagt lieber „man“ als „wir“ oder „ich“; er wägt seine Worte ab. Er hat sich arrangiert - weil die Alternative Gefängnis oder Ausreise gewesen wäre. Und trotzdem kritische Auseinandersetzung gesucht, im Rahmen des Möglichen. Andreas Beck erzählt das unaufgeregt, gelassen, ohne Rechtfertigung. Und er sagt vielleicht vor diesem Hintergrund, dass er Theater heute teils als „Sklave des Geldes erlebt, das von Stadt, Bund und Land kommen“. Die Bühnen müssten provozieren - „wenn Provokation gleich Produktivität ist. Nur wo Reibung ist, ist Energie.“

„Ich bin ein
Familienmensch“

Eine Energie, die ihn als Schauspieler durchströmt: „Dann werde ich wach“, beschreibt er das Gefühl auf der Bühne. „Das ist wie ein Sog, in den man hineingezogen wird, eine Spielsucht.“

Andreas Beck genießt den Neustart mit Kay Voges, den er von gemeinsamen Produktionen kennt - und mit dem neuen Ensemble. „Ich bin ein Familienmensch. Hier ist es familiär mit allem, was dazugehört. Man hilft sich, man streitet, man lernt voneinander.“

Die WR stellt alle neuen Schauspieler am Theater Dortmund vor.

Nadine Albach

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