Singende Wohlgefühl-Gesellschaft
09.02.2010 | 18:45 Uhr 2010-02-09T18:45:00+0100
Entweder singen die Frauen. Oder es singen die Männer. Gemischter Chor ist in der Welt des Barbershop bislang so etwas wie eine Ausnahmeerscheinung. Erst nach den Konzerten, beim Afterglow, fanden sie und er schon mal zusammen.
Das hat mit Tradition zu tun, aber nicht nur. Beim eh schwierigen Barbershop-Singen macht die Mischung der Geschlechter die Kunst des Harmonierens noch viel komplizierter. Kein Wunder, dass gemischte Chöre zu Wettbewerben gar nicht erst zugelassen waren. Dieses „Verbot” ist nun aufgehoben.
Ein gemischter unter ungemischten
Wenn vom 5. bis 7. März im Konzerthaus die zehnte deutsche Barbershop-Chor- und Quartett-Meisterschaft stattfindet, konkurriert erstmals ein gemischter Chor mit lauter „ungemischten” Chören: die „Feelgood Company”.
Die Wohlgefühl-Gesellschaft, nach erst einem öffentlichen Auftritt noch weitgehend unbekannt, weil noch in der Aufbau-Phase, verdankt die Chance der Wettbewerbsteilnahme einer Änderung des Regelwerks - und sicher auch seinem „Standort”. „Feelgood” ist in der heimlichen Hauptstadt des deutschen Barbershop-Singens zuhause. In Dortmund.
Chorleiterin ist Britta Adams, in der Barbershop-Szene längst eine feste Größe. Als Mitglied des von ihrem Vater, Manfred Adams, gegründeten, vielfach ausgezeichneten Chors „Ladies First” entwickelte sie sich zur Expertin für Bühnenpräsentation und sie coacht Chöre in ganz Deutschland.
Die Choreografie spielt bei der Beurteilung von Auftritten immer eine sehr wichtige Rolle. Mit „Feelgood” stürzt sie sich erstmals auch in die Arbeit des Dirigierens.
Wie viel Arbeit hinter jedem einzelnen Takt steckt, wird im „Kubus” hörbar und sichtbar. Der „Kubus” ist ein renoviertes Hinterhofgebäude an der Saarlandstraße, in dem nicht nur mehrere Chöre proben, sondern auch „BiNG!” sein Quartier hat.
»Der beste Bariton ist der, den du nicht hörst«
Im großen Probenraum ist Konzentration angesagt. Geschlagene 45 Minuten geht es um diese eine Liedzeile: „Best things happen while you're dancing.” Es geht nicht nur um die Abstimmung der einzelnen Stimmlagen, um die Bindung der einzelnen, oft chromatischen Schritte in der Stimmführung, es geht um jede Note, jeden Ton, jeden Vokal. Es geht nicht nur um die Richtigkeit, es geht auch um Gefühle. „Keine Musik”, sagt Manfred Adams, selbst Quartett-Sänger, aufmerksamer Zuhörer an diesem Abend, „keine Musik nimmt die Vokale so wichtig wie der Barbershop.” Und: „Selbst Konsonanten transportieren die Gefühle.”
Im Dachverband „BiNG!” - Barbershop in Germany! - sind die deutschen Barbershop-Chöre und -Quartette zusammengeschlossen.
„BiNG!” veranstaltet auch die Meisterschaft im März im Konzerthaus; unsere Zeitung präsentiert sie.
Das „Barbershop Musikfestival 2010” findet vom 5. März (18 Uhr) bis 8. März (20 Uhr) im Konzerthaus Dortmund statt.
Karten gibt es unter 0231 – 22 696 200.
Im Barbershop liegt die melodieführende Stimme (Lead) unter dem Tenor. Bei „Feelgood” wird sie von Frauen und Männern gesungen. Der Tenor sind Frauen, der Bariton auch. Der Bass ist wiederum eine gemischte Chorgruppe.
Der Bariton sollte übrigens als einzelne Stimme gar nicht wahrgenommen werden. „Best bariton never heard”, zitiert Manfred Adams einen alten Barbershopper-Joke. Der beste Bariton ist der, den du nicht hörst. Armer Bariton!
0mitdiskutieren