RuhrHochdeutsch liefert drei Monate geballten Humor am Dortmunder U
01.07.2011 | 18:54 Uhr 2011-07-01T18:54:00+0200
Dortmund.Das RuhrHochdeutsch-Festival ist wieder da: Drei Monate geballten Humors starteten jetzt mit einer Kabarett-Ausstellung im U und einem spaßigen Potpourri im Spiegelzelt mit Chris Andrews, Lioba Albus & Co.
Erst ein Tauchgang in die Vergangenheit, dann ein Spaßbad der Gegenwart: das war der durchaus schlüssige dramaturgische Bogen für die 400 Freunde des Ruhrhochdeutschen im und am U-Turm. Die Wanderausstellung „Die Welt als Cabaret“ des Mainzer Kabarettarchivs feiert 110 Jahre der lustigen Form – und bot den geladenen Gäste zugleich die Chance, die zweite Etage des Kreativturms zu besichtigen, die ab September der kulturellen Bildung gehört.
Jetzt aber sind die weitläufigen, hellen Räume gefüllt mit Plakaten voller Lach- und Sachgeschichten des deutschen Kabaretts: Von den Anfangsjahren mit durchaus erotischen Komponenten, der bissigen Politisierung in der Weimarer Republik über den Kahlschlag durch die Nationalsozialisten bis zu deutsch-deutschem Witz und dem Kabarettleben in Dortmund künden die Fotos, Flyer und Programme und die historischen Rundfunkempfänger. Karl Valentin Marlene Dietrich oder bedeutende Gruppen wie die Leipziger Pfeffermühle grinsen vom Papier und unterstreichen, was Pit Schmieder vom Künstlerhaus in seiner Rede ausführt: „Wir widerlegen hier das Klischee – denn es gibt sehr wohl eine Tradition des deutschen Humors.“
Dass die weiterlebt, soll das RuhrHochdeutsch-Festival bis Oktober beweisen, das Initiator Horst Hanke-Lindemann euphorisch mit OB und Schirmherr Ullrich Sierau in dem Spiegelzelt eröffnete. Um unmittelbar zu beweisen, dass Humor viele Seiten und Geschmäcker hat.
Dass der Phoenix-See nicht das Mittelmeer ist und mancher Politiker geradewegs in der Hölle landet – Liedermacher Fred Ape sang es in seiner gewohnt ruhigen, kumpelhaften Art. Ganz im Gegensatz zu Volker Diefes, dem diesjährigen Gewinner des Dortmunder Kabarett Pokcals, der allerdings erst mit seiner brüllenden Rammstein-Parodie von fleischgierigen Herren des Grills wirklich für Stimmung sorgte.
Deutscher Humor
Damit hatten die beiden Höhepunkte des Abends, Lioba Albus und Bruno Knust, kein Problem. Albus als Mia Mittelkötter im lilafarbenen Glitzerbolero ließ selbst Themen wie die Intimrasur im Alter („Wo man doch eichentlich für jedes Haar dankbar ist!“) nicht aus und deklinierte rasant alle Stufen der Vereinsamung durch – die Schlimmste: „Wenn Sie sich unter ‘nen Streichelzoo mischen, um auch mal anchepackt zu werden.“
Bruno Knust scheute sich nicht, selbst mit OB Sierau in greifbarer Nähe über die Eröffnung des Dortmunder Hauptbahnhofs als „Geheimveranstaltung“ zu lästern und weiter zu ätzen: „Das Festival freut das U. Da sind wenigstens mal Besucher da - wenn auch draußen. Aber das is’ ja schomma ein Anfang! Wenne mal so richtig allein sein wolltest, musstesse Dich ja im letzten Jahr bloß inne Oper setzen!“
Das Lächeln der Erinnerung war manchem Zuhörer hingegen bei dem Auftritt von Chris Andrews in das Gesicht geschrieben: „Yesterday Man“ führte geradewegs wieder in die Vergangenheit.
02:31
@ #1
Eigentlich haben wir viel mehr Fun mit Ihrer Knallcharge Sauerland und der Duisbuger Muppetshow.
00:38
Dabei gehen Dortmunder doch normalerweise zum Lachen in den Keller.