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Papierkunst

Peter Dahmen erschafft Pop-Up-Skulpturen

16.03.2010 | 18:47 Uhr
Peter Dahmen erschafft Pop-Up-Skulpturen

Dortmund. Einmal zurückspulen. In die Zeit, als man selbst Kind war und mit Knubbelfingern Buchseiten umblätterte. Da gab es Wunderbücher, aus denen uns Menschen, Tiere, Bäume entgegensprangen. Den Zauber dieser „Pop-Up”-Welt belebt der Grafiker Peter Dahmen wieder - mit modernen Papier-Skulpturen.

Die Karte sieht zwar groß, aber ansonsten weiß und nüchtern aus. Peter Dahmen klappt sie mit einem Lächeln auf. Und plötzlich springt eine Kugel daraus hervor, mit aufwändig geschnittenen Mustern, scheinbar aus 10 000 Einzelteilen bestehend.

»Ich hab' immer schon mit Papier gebastelt«

So geht es mit jedem der Werke Dahmens: Aus unscheinbarem Papier wird ein Tor in eine andere Welt, gezimmert aus Idee und Geschick. Flach wird zu voluminös, ein paar Schnipsel zu einem leuchtenden Gebirge, rote Pappe zum Feuer, geknicktes Weiß zu einem stabilen Rundbau.

Video
Grafikdesiger Peter Dahmen aus Dortmund erklärt, wie man aus Papier Pop-up-Kunstwerke erstellt - die Palette reicht von einfach bis kompliziert und spektakulär.

Wer solche Märchen ohne ein einziges Wort erzählen kann, hat schon früh geübt: Peter Dahmen war bereits als Kind von Pop-Up-Büchern fasziniert. Weil er selbst aber keine hatte, baute er die Stehauf-Elemente einfach selbst. „Ich hab immer schon mit Papier gebastelt und mich an den Klebe-Düften berauscht”, erzählt Dahmen lachend. Die Faszination nahm er mit in das Design-Studium, wo er aufwändige Skulpturen wie den Globus bastelte, ohne sich viel dabei zu denken. „Ich dachte, das können alle.”

Vielleicht war es diese Selbstverständlichkeit, die Dahmen die Pop-Up-Technik erst einmal vergessen ließ. Er arbeitet als Grafiker, beschäftigt sich mit Papier. Die Skulpturen verstaubten gut 18 Jahre. Bis vor wenigen Monaten eine Freundin Geburtstag hatte. Und Dahmen ihr etwas Besonderes schenken wollte.

Diese Blume hat die Pop-Ups für Peter Dahmen wieder aktuell gemacht. Foto: Knut Vahlensieck

Das Ergebnis: eine Blüte mit zahlreichen Blättern, jedes einzelne anders gefärbt, noch vibrierend, als stecke Leben in ihnen, wenn man sie öffnet. Die Begeisterung, die er auch bei einem Designer-Stammtisch erntete, brachte Dahmen wieder zum Schneiden.

Das Erstaunen aber, das er bei anderen auslöst, wenn sie die filigranen Gebilde sehen, kann Dahmen nicht verstehen. Für ihn ist Pop-Up ein Kunsthandwerk, keine Zauberei: Die Idee für eine Form, ein spannendes Objekt aus Natur oder Architektur zum Beispiel, steht am Anfang. „Wichtig ist dann erstmal die Realisierbarkeit.” Dahmen macht Zeichnungen, früher per Hand, heute viel am Computer. Und er probiert Knicke und Kniffe aus auf Probepapieren, bei denen die Optik erstmal keine Rolle spielt. Wo muss was befestigt sein, an welcher Stelle die Falz sitzen? Sobald die Technik sitzt, kann der 42-Jährige den Feinschliff angehen: Er druckt die Muster aus und schneidet sie mit einem Skalpell aus - mit einer ruhigen Hand, wie man sie jedem Chirurgen wünscht. Schnell noch aufgeklebt. Fertig ist das kleine Wunder. Für Dahmen ist all das meditativ: „Ich versinke abends darin.”

Ein Schmetterling flattert in seiner Hand. Und unterstützt, was er an Papier liebt: „Heute funktioniert jeder Kram mit elektronischer Unterstützung: Umso überraschender, wenn Papier im Briefkasten liegt, das man anfassen kann.”

Ein Video gibt es hier

Mehr zu Peter Dahmen hier.

Fotos: Knut Vahlensieck

Nadine Albach

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