Paul Carrack - Der Name hinter den Welthits
22.07.2009 | 07:24 Uhr 2009-07-22T07:24:00+0200
Dortmund. Aus seiner Feder stammen Welthits wie „How Long”, „The Living Years” oder „Over My Shoulder”. Seinen Namen, Paul Carrack, kennen jedoch nur wenige Musikfans. Im Vorfeld seines Konzertes im „Strobels” in Dortmund sprach Redakteur Andreas Winkelsträter mit dem 58-jährigen Briten.
Mr. Carrack, erinnern Sie sich noch, wie alles anfing? Wollten Sie immer mit der Musik Geld verdienen?
Paul Carrack: Ich hab nie darüber nachgedacht, mit der Musik Geld zu verdienen, als ich noch zu Schulzeiten in Bands gespielt habe. Wir haben auf Schulbällen gespielt, bei Hochzeiten. Ein bisschen Geld, das war nett. Ich hab mir zu Schulzeiten nie Gedanken darüber gemacht, mal einen Job zu haben. Aber ich habe die Musik immer geliebt. Und es sah für mich total aufregend aus, mit einem Bus durch die Welt zu fahren. Aber es war auch sehr schwer damals, irgendwelches Geld zu verdienen, um sich was zu Essen kaufen zu können.
Sie spielten in verschiedenen Bands. Welche war die wichtigste für Ihre Karriere?
Paul Carrack: In jeder Band habe ich etwas gelernt. Als wir damals unser Zuhause verlassen haben war es sehr, sehr hart, aber auch sehr aufregend zugleich. Wir waren sehr jung und brauchten nicht viel. Mit 16 hab ich die Schule verlassen, mit 23 hatten wir mit der Band „Ace” unseren ersten wirklichen Hit, wir hatten „How Long”. Ein glückliches Break. Das war eine aufregende und wichtige Zeit. Danach spielte ich in verschiedenen Bands. Natürlich kam auch „Mike & The Mechanics”. Und das war eine verdammt erfolgreiche Band. Wir verkauften eine Menge Schallplatten, tourten durch die ganze Welt. Das war natürlich sehr gut, weil viele Menschen auf die Songs aufmerksam wurden, nicht darauf, wer in der Band spielte. Das ist schon enorm. Es ist ein sehr schönes Gefühl solche Songs zu haben, sie sind Teil meiner Karriere. Und deshalb spiele ich auch einige von ihnen bei meinen Konzerten.
Während der ganzen Zeit spielten Sie mit vielen großen Musikern. Gibt es einen, der Ihnen besonders imponiert hat?
Paul Carrack: Da waren sehr viele, viele sehr gute. Etwa Eric Clapton, ein fantastischer Musiker. ein großes Vergnügen für mich war, mit B.B.King zusammenzuspielen, der wundervoll war, ein großartiger Musiker und ein fantastischer Mensch. Sehr freundlich, sehr bescheiden. Ich bin sehr glücklich, auch mit Ringo Star getourt zu sein. Das sind zu viele, um alle zu erwähnen.
Gibt es jemanden, mit dem Sie gerne arbeiten möchten?
- Das Konzert im Strobels, Strobelallee 55, findet am Donnerstag, 20. August, statt.
- Als „Special Guests” wird im Strobels eine der hoffnungsvollsten Dortmunder Bands auftreten: Black Rust. Nach dem Gewinn diverser Wettbewerbe hat die Band gerade ihr neues Album „Medicine & Metaphors” veröffentlicht.
- Einlass ist um 19 Uhr.
- Tickets kosten im Vorverkauf 30 Euro, an der Abendkasse 36 Euro.
- www.strobels-dortmund.de
Paul Carrack: Nein. Ich bin sehr glücklich, meine eigene Karriere zu haben. Ich bin ein unabhängiger Künstler, habe mein eigens Plattenlabel, meine eigene Tourband. Es kostet eine ungeheure Energie alles zusammenzuhalten. Aber ich mag das. Das ist ein sehr realistisches Level für mich. Und. Es fühlt sich derzeit so an, wie zum Beginn. Es macht Spaß. Ich genieße das Leben, die Musik wie sie derzeit ist. Ich mache die Menschen glücklich mit meiner Musik. Es ist eine großartige Zeit. So habe ich niemanden, mit dem ich zurzeit zusammenarbeiten möchte. Wenn ich einen Anruf bekommen, etwa Stevie Wonder. Das wäre toll. OK. Aber ich warte nicht darauf.
Sie spielten vor ein paar Tagen mit den Eagles zusammen in Holland, haben einen Song „I Don't Want To Hear Any More” für die Band geschrieben. Wie kam's dazu?
Paul Carrack: Das hat schon vor langer Zeit angefangen, zu Zeiten von „Ace” und „How Long”. Damals war ich zum ersten Mal in den USA, habe dort Timothy Schmit getroffen, der gerade zu den Eagles wechseln wollte. Wir haben uns immer wieder getroffen mit Timothy, mit Don Henley, Don Felder. Wir wollten mal ne Band gründen, haben „Love Will Keep Us Alive” geschrieben, ich als Co-Autor. Der Kontakt ist nie abgerissen. Als Timothy mit den Eagles in England auf Tour war, hat er gesagt: „Wir schrieben an einem neuen Album. Mir gefällt nicht, was ich geschrieben habe. Hast Du nicht Lust, was für uns zu schreiben?“ Und so habe ich den Song für sie geschrieben und war sehr angetan davon, dass sie ihn auch wirklich aufgenommen haben.
Sie sind bei der „Night of The Proms” mit einem großen Orchester aufgetreten. Mögen Sie das? Würden Sie so auf Tour gehen?
Paul Carrack: Das kommt darauf an, wer das bezahlt (lacht). Ich würde es lieben, ein solches Album zu machen. Nicht notwendig, dass dann auch eine Rocksection dabei ist. Nur die Klassikbesetzung. Eins meiner Lieblingsalben ist von Joni Michell mit Namen „Both Sides Now”. Sie singt ein paar Klassiksongs, ihre eigenen Sachen - das alles mit einem Orchester. Das ist wahnsinnig schön. Und ein solches Album möchte ich in absehbarer Zukunft mal machen.
Der Name Ihres aktuellen Albums ist „I Know That Name”. Warum haben Sie es so genannt?
Paul Carrack: Es ist ein kleiner Joke. Viele Menschen kennen meine Stimme oder vielen Songs von mir. Aber sie können mit dem Namen Paul Carrack nichts anfangen. Ein Freund sagte mir: ,Immer, wenn ich Menschen sage, ich hab einen Freund, der ist Musiker, der heißt Paul Carrack. Dann antworten viele: Oh, ich kenne den Namen, weiß aber nicht woher.' Und so muss Ich das immer wieder aufs Neue erklären. So entstand der Titel „I Know That Name“
Haben Sie ein Problem damit?
Paul Carrack: Nein. Auf keinen Fall. Denn, wie ich sagte, bin ich sehr glücklich, eine Karriere zu haben über all die Jahre, und noch weiter. Und es macht mir Spaß. Sicher wäre es ein Unterschied, wenn ich all die Songs in meinem Namen hätte. Das würde schon einen Unterschied machen. Aber es ist kein Problem. Nein. Nein. Ein Problem ist, wenn Du nichts zu essen hast. Das mit dem Namen ist aber wirklich keins.
Das Album ist seit ein paar Monaten auf dem Markt. Wenn Sie es hören, was denken Sie darüber?
Paul Carrack: Ich weiß es nicht, denn ich spiele es nicht ab. Wir spielen es live und einige Songs sind heute besser als damals. Du bist jetzt in ihnen drin, weißt wie sie aufs Publikum wirken. Aber ich denke, es ist ein gutes Album.
Sie sagten, Sie spielen es live. Wie wichtig sind solche Live-Auftritte für Sie, der Kontakt zum Publikum?
Paul Carrack: Das ist sehr wichtig. Es ist das Gefühl, dass Du das machst, was man von Dir erwartet. Spielen, damit Leute das genießen können. Finanziell ist es auch wichtig. Denn wir verkaufen in diesen Tagen nicht mehr so viele CDs. Aber es ist die einzige Sache, die ich wirklich kenne: Arbeiten und Spielen. Und ich genieße es, heute sicher mehr als früher. Denn ich glaube, ich bin heute besser, erfahrener. Es ist sicherlich erholsamer, zu Hause Songs zu schreiben, meinetwegen auch für die Eagles (lacht) oder Golf zu spielen. Aber da ist etwas, wenn du arbeitest, spielst, die Leute zufrieden nach Hause gehen, denn fühlst Du, dass Du was dazu beigetragen hast. Und es ist wichtig zu arbeiten. Ich bin so aufgewachsen.
Da sind viele Songs in Ihrer Karriere. Gibt es einen, auf den Sie besonders stolz sind?
Paul Carrack: Nun, ich bin sehr selbstkritisch. Ich glaube, ich habe da ein paar nette Songs. Und ich bin überrascht, wie lange „How Long” schon aktuell ist. Es ist ein sehr einfacher Song. Das ist ein Song, den ich gerne performe. Es ist ein realer Song aus einer realen Situation.
Wie entstand der Song?
Paul Carrack: Er stammt aus der Zeit von „Ace”. Die Band unternahm die ersten Gehversuche. Und wir hatten einige Freunde in einer anderen Band, die uns geholfen haben. Dann haben die sich unseren Bassisten ausgeliehen. Das war für ein, zwei Gigs ok. Aber dann wollten sie ihn mit auf Tour nehmen und ich war stinksauer darüber (lacht schallend). Heute kann ich darüber wirklich lachen. Damals hab ich den Song geschrieben und war froh, dass sie ihn mitgenommen haben. Denn ich habe dafür einen sehr guten Song bekommen.
Wenn man Sie auf der Bühne sieht, denk man, nichts könnte Sie aus der Fassung bringen. Stimmt das?
Paul Carrack: Nein, ich kann aus der Haut fahren. Da müssen nur ein, zwei Gesichter im Publikum sein, die mir sagen, mir gefällt's nicht. Da können 5000 gut drauf sein. Ich sehe nur die beiden. Ich bin sehr, sehr konzentriert. Manchmal denken die Menschen, das, was der macht, ist alles einfach. Aber ich bin immer wirklich konzentriert und möchte eine gute Vorstellung geben, so gut, wie ich kann.
Sind Sie noch nervös vor dem Auftritt?
Paul Carrack: Nicht viel, eigentlich gar nicht. Nicht so wie ich es mal war. Wir spielten vor den Eagles vor 35 000 Menschen in Holland. Da war ich schon nervös. So lange ich gesund bin, stört mich das aber nicht. Was mich aufregt ist, wenn man eine Grippe hat, die Stimme nicht mitspielt. Das regt mich auf, dann bin ich auch nervös.
Kennen Sie Dortmund?
Paul Carrack: Nicht wirklich. Ich bin schon da gewesen. Doch man sieht nicht viel von der Stadt. Eine Industriestadt wie meine Heimatstadt Sheffield. Aber ich glaube die Leute sind dort wie die Leute aus Sheffield. Warmherzig. Sie werden beim Konzert ein Bier trinken und Ihnen wird hoffentlich gefallen, was wir machen.
Was werden Sie spielen?
Paul Carrack: Wir variieren das je nach Situation. Es ist Open Air. Menschen brauchen ein Bier. Wir werden es nett halten, Upbeat. Natürlich sind meine Hits dabei, immer „How Long”, „Over My Shoulder”, „The Living Years” and natürlich ein paar Solostücke vom neuen Album, vielleicht ein paar Coversongs von Marvin Gaye oder so. Ich hoffe, es macht allen Spaß!
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