Ostwall-Museum soll für die Kunst bleiben
25.04.2011 | 15:56 Uhr 2011-04-25T15:56:00+0200
Dortmund. Eine Stadt braucht Kunst, um zu pulsieren, um ein lebender Organismus zu sein. Und Dortmund hat in dieser Hinsicht Tradition: Der Westfälische Künstlerbund Dortmund (ehemals Dortmunder Künstlerbund) feiert seinen 55. Geburtstag.
Ob es Trotz oder einfach eine Antwort, eine Reaktion war – kurze Zeit, nachdem sich die Dortmunder Gruppe gefunden hatte, schlossen sich andere Künstler der Stadt am 25. April 1956 zum Dortmunder Künstlerbund zusammen. „In der Nachkriegszeit muss eine ungeheure Verunsicherung geherrscht haben: Man wollte den Anschluss an die internationale Kunst wiederfinden und es gab einen Riesenhunger nach Kunst“, sagt Richard A. Cox, 2. Vorsitzender des Künstlerbunds. Damals, in den Gründerjahren, war es für die Kreativen allerdings auch eine Glaubensfrage, welcher Vereinigung sie sich anschlossen: Die Dortmunder Gruppe arbeitete primär abstrakt und gegenstandslos, der Künstlerbund tendierte zum Realistischen oder Naturalistischen. „Heute ist das kalter Kaffee“, sagt der 1. Vorsitzende Günter Rückert. So oder so trugen beide Gruppen wesentlich zur Wiederbelebung der bildenden Kunst in Dortmund bei – und tun es noch heute.
„Wir suchen uns die Künstler aus, die wir aufnehmen und stellen hohe Ansprüche an die Qualität der Arbeit“, sagt Rückert. 25 Mitglieder hat der Westfälische Künstlerbund aktuell, das älteste ist 80, das jüngste 35 – und wer neu mitwirken will und als geeignet ausgesucht wurde, wird zunächst als Gast aufgenommen. „Man muss die Kunst schon als Hauptberufung begreifen. Uns ist die Ernsthaftigkeit in der Auseinandersetzung wichtig“, erklärt Günter Rückert.
Hauptziel des Künstlerbunds ist „der gegenseitige Austausch unter Gleichgesinnten“ circa sechs bis acht Mal im Jahr – nicht die Ausrichtung auf eine gemeinsame Ideologie. „Jeder Künstler geht jeden Tag neue Wege“, findet Richard A. Cox. Die Bündelung der Kreativen, ihr gemeinsames Auftreten, verschaffe ihnen mehr Gewicht, mehr Gehör oder in diesem Fall mehr Augen. Dass die Vereinigung nicht mehr nur in lokalen, sondern regionalen Dimensionen denkt, wurde mit der Umbenennung in „Westfälischer Künstlerbund“ 1988 dokumentiert.
Gemeinsam mit der Stadt und der Dortmunder Gruppe sei viel in die Wege geleitet worden, das ein Künstler allein nicht schaffen könnte: Der städtische Kunstkalender etwa oder die Ausstellungen im Torhaus Rombergpark. Und doch empfinden die Künstler die aktuelle Situation „nicht als zufriedenstellend“, sagt Rückert: Den Kunstankauf 2010 habe Dortmund wegen Geldmangels gestrichen. „Und es ist ein Armutszeugnis für eine Stadt dieser Größe, wie wenige Ausstellungsmöglichkeiten es hier gibt.“ Im Torhaus könnten keine größeren Arbeiten gezeigt werden – und ein belebender Austausch mit anderen Ländern sei erst recht nicht möglich.
Die „Galerie auf Zeit“ in leeren Ladenlokalen sowie die erfolgreiche Ausstellung „Starke Orte“ zur Kulturhauptstadt in der Phoenix-Halle mit weiteren Künstlerbünden schufen zwar ein wenig Abhilfe. Doch gemeinsam mit dem Dortmunder Kunstverein, der Dortmunder Gruppe, BBK Ruhrgebiet und BBK Westfalen setzt sich der Künstlerbund für eine dauerhafte Lösung ein – im ehemaligen Ostwall-Museumsgebäude. „Wir kämpfen dafür, dass es ein Ort der Kunst bleibt“, sagt Richard A. Cox.
Und Günter Rückert wünscht sich zum Geburtstag des Künstlerbunds vor allem eines: „Das Bewusstsein dafür, dass Kunst und Kultur zu dieser Stadt gehören und eine Bereicherung sind.“
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