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Opern-Stunde vor Publikum

13.09.2009 | 19:07 Uhr
Opern-Stunde vor Publikum

Erst plauderten zwei: Generalmusikdirektor Jac van Steen mit Opern-Star Barbara Hannigan. Zwei Stühle, zwei Mikros, eine kleine Bühne im Opernhaus-Foyer. Danach sang eine: Judith Hoffmann, Nachwuchs-Sopranistin ganz ohne Mikro, unterrichtet von Barbara Hannigan.

Opern-Stunde vor Publikum - genannt „Masterclass”. Erstmals in Dortmund.

Zunächst also 30 Minuten Interview mit der Sopranistin, die nach Engagements in London, Paris, New York dem 1. Philharmonischen Konzert heute ihre Stimme leiht. Wie das sei mit einem Top-Komponisten eng zusammen zu arbeiten, wollte van Steen wissen. Er meint Henri Dutilleux, großer Fan der Sopranistin. Ein großer Vorteil sei das, so Hannigan, wähle der 93-Jährige doch zum Teil Töne extra für sie, schreibt ihr Kompositionen quasi auf die Stimme. Während Hannigan das erzählt, bewegt sie ihre Hand halb geöffnet so sanft, als ob sie gerade Dutilleux singt. „Bei einem Mozart kann man nicht einfach eine andere Note singen.”

Gleich kehren sich die Rollen um

Im Publikum lauscht gebannt Sopranistin Judith Hoffmann. Gleich sollen sich die Rollen umkehren. „Nach einer Minute kennt Barbara die Judith und die junge Dame sich selbst vielleicht ein wenig besser”, kündigt van Steen an. Fünf Minuten für die Arie der Ann Truelove aus Strawinskys „The Rake's Progress”. Jetzt steht Hannigan im Publikum, bewegt die Lippen, macht sich Notizen. Folkwang-Absolventin Hoffmann auf der Bühne: Ausdrucksstark, klangschön, tolle Darbietung, Applaus.

Darbietung zerpflückt

Doch Opern-Star Hannigan macht sie noch besser. Erste Anmerkung gleich beim zweiten Wort: Das „d” soll sie betonen, sie hatte es fast stumm herausgebracht. Fünf Versuche und der Treffer. „Breath” („Atme”) ruft die Lehrerin jetzt öfter. Wo man atmet, ist ganz entscheidend. Hannigan zerpflückt die Darbietung gnadenlos. Die Fünf-Minuten Arie zieht sich über 25 Minuten. „Da musst Du enger singen”, fachsimpelt sie einmal. Das Ergebnis findet auch das gerade 20-köpfige Publikum verblüffend. „Klingt kompakter”, sagt eine Dame. So muss es sein: nicht laut, sondern kompakt, damit die Töne in Reihe 25 ankommen.

Foto: Franz Luthe

Andreas Graw

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