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Lesen für Schriftsteller in Haft

08.11.2012 | 18:50 Uhr
Lesen für Schriftsteller in Haft
Petra ReskiFoto: Klaus Hartmann

Dass sie ihre Meinung sagten, indem sie sie niederschrieben, hat allein im Jahr 2008 etwa 40 Schriftsteller weltweit das Leben gekostet. In der „Writers in prison“-Veranstaltung im View -stellen prominente Mitbürger Leben und Werke ausgewählter Autoren vor.

Dass sie ihre Meinung sagten, indem sie sie niederschrieben, hat allein im Jahr 2008 etwa 40 Schriftsteller weltweit das Leben gekostet; sie wurden ermordet, wurden hingerichtet. Etwa 900 Autoren und Journalisten befanden sich zwei Jahre später weltweit in Haft und waren tagtäglich schwersten Repressionen ausgesetzt. Diese Zahl - laut Angaben des österreichischen P.E.N. Clubs - dürfte eher gestiegen als geringer geworden sein.

Auch das deutsche „PEN-Zentrum“ sieht eine seiner Aufgaben in der Unterstützung verfolgter, inhaftierter und vom Tode bedrohter Autoren. Mit seiner Reihe „Writers in prison“ macht es auf Einzelschicksale und auf das Problem insgesamt aufmerksam.

In einer Dortmunder „Writers in prison“-Veranstaltung - am kommenden Sonntag, 11. November, um 11 Uhr im View - stellen prominente Mitbürger Leben und Werke der Autorin Mainat Kurbanova aus Tschetschenien, der Autoren Faraj Sarkohi aus dem Iran und Hamid Skif aus Algerien sowie des verstorbenen Südafrikaners Bloke Modisane vor.

Heinrich Peuckmann holt Veranstaltung ins Ruhrgebiet

Den ersten dreien gelang einst der rettende Weggang aus ihren Heimatländern, für den letzteren reichte die Flucht nicht mehr. Modisane, Autor des während der Apartheid in Südafrika verbotenen Buchs „Weiß ist das Gesetz“, starb verarmt und krank am 1. März 1986 - in Dortmund, er liegt auf dem Syburger Friedhof begraben.

Die Trauerrede dort hielt der Kamener Autor Heinrich Peuckmann, der jetzt für das deutsche PEN-Zentrum diese Veranstaltung organisiert und moderieren wird. Seine PEN-Kollegen hätten die Lesung lieber nach Berlin, München oder Hamburg geholt, sagt Peuckmann gegenüber unserer Zeitung, man spräche immer noch abfällig vom Ruhrgebiet in diesen Kreisen.

Dafür aber hat er in der Region tatkräftige Unterstützung erhalten - von einem ehemaligen Fußball-Nationalnationaltorwart, von einem Präses i. R., von einer Mafia-Expertin und einem Englisch-Lehrer, die er als „Lesepaten“ gewinnen konnte.

Die Mafia-Expertin ist Petra Reski. Sie trägt Gedichte von Hamid Skif vor, der nach Bombenanschlägen auf sein Haus und seine Redaktion sich und seine Familie nach Deutschland rettete. Er schrieb über Folter in algerischen Gefängnissen und geriet schon in den siebziger Jahren selbst in Haft. Alfred Buß, der Präses i. R., liest Texte von Mainat Kurbanova, die nach mehreren Morddrohungen gegen sich und ihre kleine Tochter 2004 Russland verließ.

Faraj Sarkohi, Jahrgang 1947, war bereits 1971, noch unter dem Schah, zu 15 Jahren Gefängnis verurteilt worden. Von den Mullahs zunächst befreit, wurde er 1997 von ihnen in geheimem Verfahren zum Tode verurteilt, kam dann aber (1998) nach internationalen Protesten mit der Ausweisung davon. Seine Texte werden vorgestellt von der Torwart-Legende Hans Tilkowski.

Der Englisch-Lehrer ist Wilfred Mueller. Er macht mit Modisane bekannt, der in Dortmund starb.

Von Rainer Wanzelius

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