Lebensfreude trotz Vandalismus
29.07.2011 | 19:09 Uhr 2011-07-29T19:09:00+0200
Dortmund.Die Shona-Kunst ist wieder im Westfalenpark. Und mit ihr auch der Vandalismus. Doch trotz abgebrannter und beschädigter Hütten versuchen die Steinbildhauer aus Simbabwe ihren Besucher Lebensfreude und afrikanische Kunst zu vermitteln – wohlgemerkt zum letzten Mal. Ein Besuch bei einem Workshop.
Verkohlt, schwarz, bröckelnd steht die Hütte wie ein Mahnmal auf der Wiese. In eine andere Hütte rennen Kinder lachend rein und raus – den mühsam aufgetragenen Außenputz aber haben Vandalen abgeschlagen. „Dass Leute sich so viel Zeit für Zerstörung nehmen“, sagt Peter Sellhorst und schüttelt den Kopf. Seit 2008 betreut er die Workshops Und musste immer wieder mit ansehen, wie Hütten zerstört oder Skulpturen umgestürzt wurden.
Das letzte Mal
In diesem Jahr steht erstmals ein Bauwagen neben dem Shona-Dorf, in dem Sellhorst sporadisch schläft – in der Hoffnung, dass die Präsenz abschreckt. Einen privaten Wachdienst kann sich Galerist Bastian Müller, Mitinitiator von Shona im Park, nicht leisten. Und auch die Wiederherstellung der Hütten sei „aufwendig und kostenintensiv“. Im nächsten Jahr wird es Shona im Westfalenpark nicht mehr geben – nicht wegen des Vandalismus, sagt Müller. „Das Schlimme ist, dass wir schon anfangen Menschen zu verdächtigen. Dabei wollen wir doch Kontakt herstellen und Freude machen“, bedauert Sellhorst.
Das aber ist die andere Seite von Shona, der Teil, der trotzdem funktioniert. „Ich liebe es hier“, erklärt Eddy Nyagweta, der die Umgebung inspirierend findet. „Ich kann lernen, wie die Deutschen leben und ein wenig von Simbabwe erzählen.“ Er hat vor 13 Jahren mit der Bildhauerei begonnen. Irgendwann bei den vielen Besuchen, die er dem Künstler Thomas Mukarombwa in seinem Dorf abstatte, durfte er auch Hammer und Feile in die Hand nehmen. „Du bist ein Künstler“, sagte sein Vorbild zu ihm.
Und Eddy will seine Gabe nun weitergeben. Vor allem an Kinder wie die Sieben- bis Zehnjährigen aus Witten, die Betreuerin Petra Pluppins im Rahmen der offenen Ganztagsschule der Awo mitgebracht hat. „Sie sind unsere Zukunft“, sagt Eddy Nyagweta. „Kinder sind viel offener für kreative Ideen.“
Josie Gerhardt zum Beispiel wollte eigentlich erst ein Herz meißeln. Aber der Stein sah viel mehr nach Schnecke aus. Zufrieden sieht die Achtjährige sich das Ergebnis an. „Sowas würd’ ich zuhaus auch mal gern machen.“
Faustgroß und schön
Möglich, dass auch Christo Galagoussis weiterwerkelt. Der Neunjährige hat noch nie aus einem Stein Kunsthandwerk geschaffen. „Am Anfang war es noch ein bisschen schwer, vor allem, als ich mit dem Papier die weißen Stellen von der Feile wegmachen musste. Aber ich bin trotzdem als erster fertig geworden!“ Der Neunjährige hält stolz einen faustgroßen, schönen Kopf in der Hand, der geheimnisvoll grün und schwarz glänzt. Er will ihm einen Namen geben und ihn in sein Kinderzimmer stellen. „Ich hab’ ja keinen Bruder oder so. Und dann hab’ ich einen, der mich anguckt.“
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