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„Kultur braucht Organisation“

21.08.2012 | 07:00 Uhr
„Kultur braucht Organisation“
Marlies Berndsen ist von Beruf Ehrenamtliche, wie sie mit einem zwinkernden Auge verrät.Foto: Ralf Rottmann

Marlies Berndsen fühlt sich im Hoesch-Museum als Bergarbeiter-Kind pudelwohl. Obwohl sie sagt: „Ich bin eigentlich ein Kultur-Banause“, macht sie sich für die Kunstvermittlung stark.

„Ich bin eigentlich ein Kultur-Banause“, behauptet Marlies Berndsen. Trotzdem hat sie als Ehrenamtliche eine wichtige Kultur-Institution der Stadt mit aufgebaut: das Hoesch-Museum. „Die Kultur ist in meinem Leben zu kurz gekommen. Nicht aus Desinteresse, sondern es ist einfach nicht dazu gekommen“, zieht Marlies Berndsen rückblickend Bilanz. „Aber ich bin eine begnadete Organisatorin und Kultur braucht Organisation. Da bin ich der Fachmann.“

Vor der Eröffnung des Hoesch-Museums im Jahr 2005 sprach sie der neue gegründete Förderverein an, ob sie beim Inventarisieren der Bilder aus dem Bestand des alten Hoesch-Museums helfen könne. Ihr Organisationstalent hat sich Marlies Berndsen als Mutter, Hausfrau und Mitglied des Hausfrauenbundes angeeignet. 1954 trat die damals 22-Jährige dem Verband bei, um wenige Jahre später mit der ersten ehrenamtlichen Aufgabe betraut zu werden.

Was sich vor allem nach traditioneller Rollenverteilung anhört, sieht praktisch ganz anders aus: „Bei Veranstaltungen kümmert sich mein Service-Team um den Aufbau, das Decken der Tische, um die Kuchenbestellung und ums Kaffeekochen. Das machen bei uns auch die Männer. Das ist mir ganz wichtig!“, betont Marlies Berndsen. „Ein Teil meiner Emanzipation kommt aus der Zeit als ich bei der Zeitung gearbeitet habe“, erzählt die heute 80-Jährige, die Ende der 50er Jahre die Gleichbehandlung auch in den einfachen Dingen des Alltags in ihrer Zeitungsredaktion durchsetzen wollte.

Das Serviceteam ist Marlies Berndsens Ding im Museum. „Das ist ja das Tolle: Jeder kann sich seine Aufgabe aussuchen.“ Aber auch dabei steht die Kunstvermittlung an erster Stelle. „Wenn Sie hier beispielsweise heiraten, kriegen Sie Kultur mit – egal, ob Sie wollen oder nicht! Das ist schließlich unser Anliegen, das Museum bekannt zu machen. Wir sind keine Kneipe!“

Und weil sich Marlies Berndsen im Hoesch-Museum als Bergarbeiter-Kind pudelwohl fühlt, kann sie im Notfall auch für diejenigen einspringen, die Führungen durchs Haus machen. „Als unser Museumspädagoge ausfiel, hatte ich plötzlich eine ganze Gruppe von Kindern vor mir stehen. Ich war gerade dabei, alles zusammen zu suchen, was Kinder um die zehn Jahre am Bergbau interessieren könnte, da kommt plötzlich die Frage: ,Warum heißt der Phoenix-See, Phoenix-See?’ Da war ich platt“, erinnert sich Berndsen und lacht.

Das ist es, was Marlies Berndsen auszeichnet: Immer auf den Beinen, immer fröhlich. „Aber“, gibt sie zu bedenken, „das kommt nicht, weil mir alles zufliegt, sondern weil ich es will.“ Einen Herz-Stand hat die 80-Jährige eingesetzt bekommen und eine neue Hüfte, den Darmkrebs besiegt und trotz ausgeprägter Herzschwäche rappelt sie sich immer wieder auf. „Das erzähle ich nicht, weil ich Mitleid will, sondern weil ich sagen will: Das können andere auch!“, betont sie. „Durch meine ehrenamtlichen Aufgaben habe ich so viele interessante Begegnungen. Diese Erlebnisse kann ich nicht mit Geld aufwiegen!

Von Maike Rellecke


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