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Küssen verboten – rocken erlaubt

12.03.2010 | 11:50 Uhr

Dortmund. Bei seinem Auftritt im Musiktheater Piano zeigte Prinzen-Sänger Sebastian Krumbiegel, dass es für ihn auch eine Heimat abseits des chartkompatiblen Chorgesangs gibt. Mit seiner Band den „Feinen Herren“ zelebrierte er organischen Rock, als hätte er nie etwas anderes gespielt.

Seine Stimme klingt vertraut – Optik und Sound sind es nicht. Statt in der Mitte zu stehen, sitzt Sebastian Krumbiegel am linken Bühnenrand und entlockt seinem Keybord krachige Orgelklänge. Der Bass wummert, das Schlagzeug scheppert dazu und die Lapsteel-Gitarre fräst sich ihren Weg durch die Gehörgänge.

„Sehnsucht“ heißt das erste Stück und selbige muss auch der Prinzen-Sänger gehabt haben, nicht mehr so glatt gebügelt zu klingen. Zwar herrschen eingängige Melodien vor, die auch zu den Prinzen passen würden, doch der warme Rocksound, macht Krumbiegels Hauptband vergessen. Dafür sorgen auch die „Feinen Herren“, mit denen der Leipziger sein letztes Album „Tempelhof“ aufgenommen hat. Dass die Band die Songs dabei live eingespielt hat, merkt man ihrem Auftritt deutlich an.

Hier steht ein eingespieltes Team auf der Bühne. Da überlässt Sebastian Krumbiegel auch schon Mal Kristof Hahn den Gesang, der mit der seiner Lapsteel-Gitarre einen Schuss Country beisteuert, und mit seinem Aussehen und der ewig brennenden Kippe im Mundwinkel ein wenig an den „Dude“ aus dem Film „The Big Lebowski“ gemahnt. Die schwelgerisch, melancholischen Akkorde von „Sei mein Freund“, einem Rio-Reiser-Cover, verdichten die ohnehin schon intime Atmosphäre.

Da ist es kein Manko, dass für Prinzen-Verhältnisse, „nur“ etwa 60 Zuschauer den Weg ins Piano gefunden haben. „Dass so viele Leute in Dortmund wohnen, hätt ich nicht gedacht“ – Krumbiegel nimmt es mit Humor. Die durchgehend positiven Publikumsreaktionen werden mit einer besonderen Zugabe belohnt: „Das wollte ich eigentlich nicht mehr spielen, aber wir haben sonst nichts mehr: „Zurück ins Paradies“ erklingt, und somit haben Die Prinzen doch noch das letzte Wort, äh, Lied.

Jens Wege

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