Kronen-Besetzer: „Leerstand ist kriminell!“
16.08.2010 | 18:43 Uhr 2010-08-16T18:43:00+0200
Dortmund.Fünf Stunden lang hatten sie die leerstehende Kronenbrauerei annektiert, um ein Unabhängiges Zentrum Dortmund (UZDO) für alternative Kultur zu eröffnen – bis die Polizei sie aufforderte, das Gebäude zu verlassen. Die Aktivisten aber kämpfen weiter und wehren sich gegen ihre Kriminalisierung: „Leerstand ist kriminell!“
Stadtsoziologe Tino Buchholz hat Fotos von Detroit mitgebracht: Riesige, leerstehende Häuser, Monstren einstigen Wohlstands, Zeitzeugen einer untergehenden Stadt. „So soll es hier nicht aussehen.“ Seit Jahren aber sammeln er und Svenja Noltemeyer, Ratsmitglied der Grünen, beunruhigende Eindrücke: Die Schließung des Cosmotopia, der Wegfall der ThierBrauerei-Szene, die Unbeweglichkeit auf dem Hafen-Gelände. Und damit verbunden das Gefühl, dass es für die von unten kommende, nicht etablierte Musik und Kunst der 20- bis 40-Jährigen keine Orte in der Stadt gibt. Von Stätten freier Kultur wie dem Depot, dem Künstlerhaus oder dem balou fühlen sie sich nicht vertreten. „Das ist eine andere Generation.“
Ruhr.2010 hat die Subkultur komplett vergessen
Den Schritt von der Theorie in die Praxis ausgelöst hat die Kulturhauptstadt: „Die subkulturelle Szene ist da komplett vergessen worden“, sagt Noltemeyer. Deswegen wollten die Aktivisten im Wortsinne selbst aktiv werden, als Dortmunder Bürger Verantwortung tragen - und sich mit der Aneignung der Kronenbrauerei Raum dafür nehmen: „Der formale Weg ist zu langsam. Das muss schneller gehen“, so Buchholz. „Man kann selbst etwas machen.“ Beide sprechen nicht von Besetzung, sondern von der „ungefragten Belebung eines Leerstands“: Für sie ist der Eigentümer in der Pflicht, sich um sein leerstehendes Gebäude zu kümmern - in den Niederlanden etwa seien Zwischennutzungen durch Künstlerinitiativen üblich.
Entsprechend hoffen die Aktivisten, dass Hans Georg Hovermann, Eigentümer Kronenbrauerei, die Strafanzeige wegen Hausfriedensbruch unter Vorbehalt nicht ausübt. Drei Monate Zeit für die Entscheidung bleiben ihm.
„Recht auf Andersartigkeit, Mitbestimmung und Raumaneignung“
Zeit, die die Aktivisten nutzen wollen, um mit Hovermann, der Wirtschaftsförderung und Kulturdezernent Jörg Stüdemann zu sprechen. Um mit „Humor und Leichtigkeit“ ihr „Recht auf Andersartigkeit, Mitbestimmung und Raumaneignung“ zu verhandeln. Allerdings mit Ungeduld: Das Theater Lebendich benötige bis 1. Oktober neue Räumlichkeiten. „Wir werden Leerstände kennzeichnen, dort Aktionen machen - und wenn alles nichts hilft, ist unser Druckmittel jetzt bekannt“, so Tino Buchholz.
Noch bis Samstag bieten die UZ-ler das Kulturprogramm, das sie für die Kronenbrauerei geplant und nun auf die Kapellenwiese an der Münsterstraße verlegt haben. Eine Aktion, die auch helfen soll, die Gruppe zu festigen: „Die Treffen jetzt sind größer denn je.“
14:07
ist das zum kotzen hier, hühnerstreit!!!
12:26
in der UZDO pressemitteilung von heute, heisst es u.a. ... Das Haus stand mehr als 8 Jahre leer, war nicht gesichert und die Tür stand sperrangelweit offen. Es ist töricht, diese Situation mit dem Hausfriedensbruch von bewohnten Häusern und Mittelklassehaushalten gleich zu setzen.
http://uzdortmund.blogsport.de/
09:42
@Dortmunderin
Ich vermute fast, dass Sie mit Herrn Hovermann verwandt sind, so wie Sie sich hier ereifern und Menschen, die mit ihrem Namen hinter ihrer Überzeugung stehen, anonym angreifen.
Die UZ-Initiative wollte auf fehlende Räume (Ateliers, Probe- und Ausstellungsräume) für den künstlerischen Nachwuchs, bei gleichzeitigem massenhaften Leerstand von Gebäuden in dieser Stadt aufmerksam machen. Dieses Ziel wurde friedlich und fantasievoll erreicht. Das Gebäude an der Märkischen Straße, das seit fast zehn Jahren leer steht, war da nur exemplarisch. Und es wurde nichts kaputt macht, im Gegenteil die Aktivisten haben für ihre geplante Ausstellung sogar sauber gemacht.
Wenn der Kulturdezernent Jörg Stüdemann den UZ-Initiativlern im anstehenden Gespräch ein anderes Gebäude, vielleicht aus städtischem Besitz, zur Nutzung vorschlägt, wird das Kronenbrauerei-Gebäude schnell vergessen sein und Herr Hovermann kann die nächsten zehn Jahre weiter auf steigende Grundstückpreise spekulieren. Dann gibt es dort aber keinen Wandel durch Kultur sonder Zerfall durch Natur.
00:00
Nun ich hole mir meine Vuvuzuela, begebe mich zu der Wohnung von Frau Svenja Noltemeyer, und blase Ihr ein bischen Unterkultur ins Ohr.
(So wird der Begriff Subkultur bei Wikipedia definiert.)
Ich fände diese Art von Subkultur durchaus kreativ.
22:40
Das eher links oder alternativ denkende Mitmenschen einen eher kruden Eigentumsbegriff vertreten ist ja schon länger bekannt. Einfach rausschmeißen und nicht zu ernst nehmen!
21:46
@ JaIstDennHeutSchonWeihnachten
ein kleiner Blick auf z.B. Wikipedia hätte Ihnen sofort gezeigt, das die Bevölkerungszahl in Dortmund seit 1990 um etwa 15.000 Einwohner (-2,67%) abgenommen hat. Ich denke das auch Sie mir zustimmen werden, das die Vergleiche mit Detroit nicht ganz angemessen sind, zumal es mehrere Studien gibt wonach Dortmund zu den wenigen Großstädten Deutschlands gehören wird, die in naher Zukunft einen, wenn auch leichten, Einwohnerzuwachs haben werden.
Im übrigen stimme ich der Grundaussage der Besetzer, das es keine unabhängige Kunst- und Kulturszene in Dortmund gibt, vollkommen zu und finde diese Art von Protest durchaus kreativ ;)
21:23
Interessante Diskussion! Entweder pro, oder contra, kein grau dazwischen. Ich werde das Gefühl nicht los, dass die Mädels und Jungs Ihre (schmutzigen?) Finger in eine offene Wunde gelegt haben. Uns alle quält doch das Gefühl, dass die 50 Mio für das U in einem schönen Museum verpuffen, statt das zarte Pflänzchen Kreativwirtschaft in unserer Stadt zu gießen. Bin gespannt wie es weitergeht...
19:20
Wie ist das Gebäude denn gesichert?`Brandschutz und so vorhanden? Nicht das mal was passiert und niemand will hinterher Verantwortlich sein.
18:50
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18:22
...in den Niederlanden etwa seien Zwischennutzungen durch Künstlerinitiativen üblich.
In den Niederlanden ist es auch seit den Achtzigern des vergangenen Jahrhunderts üblich, rechtswidrige Besetzungen mit Kräften der Niederländischen Armee unter Einsatz schwerer Kampfpanzer aufzulösen.
Kraker-Aufstände? Irgend jemand aus meiner Generation, der weiß, warum es erst STADT und dann SOZIOLOGIE heißt?
Wenn die ne subkulturelle Szene haben wollen, dann sollen sie nach Hamburg gehen. EIN Schanzenviertel pro Deutschland reicht.