Kostümschlacht das ganze Jahr
20.02.2012 | 18:26 Uhr 2012-02-20T18:26:00+0100
Dortmund. Pappnase, Cowboyhut, Matrosenhemd – manche Jecken sehen sich zu Karneval erstaunlich ähnlich. Doch an einem Ort dürfen Menschen sich jeden Tag in andere, kreative Kostüme werfen.
Pappnase, Cowboyhut, Matrosenhemd – manche Jecken sehen sich zu Karneval erstaunlich ähnlich. Doch an einem Ort dürfen Menschen sich jeden Tag in andere, kreative Kostüme werfen: im Theater. Zu Karneval haben wir die prächtigsten Beispiele der aktuellen Saison herausgesucht – und mit Ute Werner, Leiterin der Kostümabteilung, gesprochen.
Der schönste Moment bei ihrer Arbeit ist für Ute Werner immer der, wenn sich ein scheinbar unlösbares Problem in Wohlgefallen auflöst. Ein Problem, wie jenes, Tänzern Kegelhüte aufzusetzen, die man zwar leicht wieder absetzen kann, die aber noch bei den wildesten Verrenkungen fest auf den Köpfen stecken. „Das war wirklich ein Thema!“, berichtet Werner von rauchenden Köpfen für die Produktion „Träumer.Tanzen.Lieder“ – und von der Erleichterung, als dank des richtigen Materials und unendlich vielen Anproben alles saß.
Viel Geduld
Kostüme am Theater zu schaffen, setzt viel Geduld voraus. Zumal die Hüllen nicht nur gut aussehen sollen, sondern spezifischen Anforderungen gerecht werden müssen: Bewegungsfreiheit ist im Ballett unumgänglich – ein falsch sitzender Kragen geht für eine Sängerin in der Oper gar nicht. Das extremste, was Werner in Dortmund fertigen musste, war ein bühnenbreiter Mantel – drei Tage vor der Premiere.
Eigener Rhythmus
Jede Sparte hat ihren eigenen Rhythmus: Bei der Oper muss angesichts der Vielzahl an Mitwirkenden normalerweise früh geplant werden – das Schauspiel lasse sich oft noch im Probenprozess inspirieren, erzählt Werner. Spaß hatten die Kostümbildnerinnen an der „Lustigen Witwe“, den tollen Stoffen, den üppigen Schnitten. Bei dem Stripper-Musical „Ganz oder gar nicht – Full Monty“ hingegen liegt die Würze eher im Weglassen.
Gerade im Kinder- und Jugendtheater gehe es hingegen auch mal um das spielerische Verkleiden, wie jüngst bei der Hexe in „Die schöne Wassilissa“ und aktuell in „Frühstück mit Wolf“ zu sehen.
Je nach Stück darf es surreal -schräg werden: Sprechende Popos in „Naked Lenz“ und schreiend rote Perücken in „Eskalation ordinär“ bietet das Schauspiel ebenso, wie Direktor Kay Voges in Schottenrock und Pelzmantel in „20 Jahre Nevermind“.
Bei so viel Verkleidung will Ute Werner privat nichts mehr mit Karneval zu tun haben: „Da gilt: Lasst mich mit allem in Ruhe, was mit Kostümen zu tun hat!“
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