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Interview mit Benedikt...

Konzerthaus trifft auf Juicy Beats

05.02.2009 | 13:01 Uhr
Konzerthaus trifft auf Juicy Beats

Dortmund. Er hat Dortmund seine eigene Dramaturgie gegeben: Benedikt Stampa, seit der Spielzeit 2005/06 Intendant und Geschäftsführer des Dortmunder Konzerthauses, hat seinen Vertrag bis 2013 verlängert. Ein Gespräch über Finanzen und Zukunftspläne.

Was hält Sie hier?

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Kultur

- Für September 2010 plant Stampa eine große Aktion mit Essen - so wie er die Kooperation allgemein ausbauen will.

- Die Zeitinsel für den Exklusivkünstler Fazil Say läuft vom 10. bis 13. März 2010:

- Im Mittelpunkt stehen die deutsche Erstaufführung seines Violinkonzerts mit dem WDR Sinfonieorchester und Patricia Kopatchinskaja (10. März) sowie die Urauffühung seiner Istanbul-Sinfonie (13. März).

- Auch eine Projektnacht mit Klassik und Jazz gehört dazu (12. März).

Meine Liebe zum Konzerthaus. Die Verlängerung meines Vertrages war daher keine schwere Entscheidung für mich. Außerdem braucht es Zeit, um etwas aufbauen zu können. Eine Etappe haben wir hinter uns gebracht. Die Abozahlen sind gestiegen von 2500 auf 4500. In der Saison 2009/10 sollen es 5000 sein, mittelfristig wollen wir auf 7000 kommen. Außerdem ist das Haus eines der schönsten in der Republik - das kommt für viele unvermutet, die Dortmund noch nicht kennen. Gerade dieser Überraschungsmoment gefällt mir. In der öffentlichen Wahrnehmung werden wir nicht als Musikstadt gesehen, dabei sind wir es. Über die Kulturhauptstadt wollen wir dieses Wahrnehmungsdefizit ändern.

Sie sind Geschäftsführer und Intendant: Sehen Sie sich als Kreativer oder Verwalter?

Ich bin eigentlich eher ein Kreativer, aber von meiner Ausbildung her auch Verwaltungsmensch.

Ist es leichter, wenn einer beides verantwortet?

Ja. Ich muss meine kreativen Entscheidungen auch wirtschaftlich verantworten können. Da ich gesamtverantwortlich bin, sind die Wege kürzer. Aber ich habe auch ein gutes kreatives Team und einen hervorragenden Verwaltungsleiter.

Als Sie antraten, stand das Konzerthaus wegen der Finanzen in heftiger Kritik. Wie sieht es heute aus?

Die Finanzierung ist solide. Wir haben im dritten Jahr hintereinander die Erwartungen eingehalten oder übertroffen. Das Haus ist mit 1500 Plätzen mittelgroß, der Erlös pro Platz begrenzt - es lässt sich nicht so betreiben, dass es sich selbst trägt. Wir sind für unser hochkarätiges Programm auf Subventionen angewiesen, aber das ist mittlerweile Konsens. Knapp eine Million Euro bekommen wir aus Sponsoring. Das ist eine Menge Geld. Wir haben eine starke Gemeinschaft in der mittelständischen Industrie. Bisher spüren wir die Finanzkrise nicht. Unser Budget liegt bei 10 Millionen Euro pro Jahr: 50 Prozent erwirtschaften wir selbst aus Einnahmen, Sponsoren, Vermietung. 50 Prozent kommen von der Stadt.

Wenn aber jetzt das „U” kommt oder in Bochum das Konzerthaus - wird der Kampf um Sponsoren da nicht schwieriger?

Es kann nie zuviel Kultur geben. Das Konzerthaus und das U sind hochwillkommen. Das ist Arbeit auf anderen Ebenen: Wir arbeiten national, in Bochum entsteht eher eine Spielstätte für Steven Sloanes Symphoniker. Je mehr Kultur es gibt, umso mehr wird sie zum Alltag, umso mehr Menschen interessieren sich. Im Moment sind 3 bis 4 Prozent der Bevölkerung aktive Konzertbesucher - wir können auf 6 bis 7 kommen.

Sie haben eine eigene Dramaturgie mit Jungen Wilde, Exklusivkünstlern und Zeitinseln geschaffen: Gibt es neue Bausteine?

Wir wollen die jetzigen Bereiche weiter ausbauen. Die Jungen Wilden erleben bald ihre neue Staffel. Sie gehören zu den erfolgreichsten Konzertreihen Deutschlands und werden oft kopiert. Das gleiche gilt für das Pop-Abo. Aber wir wollen auch wesentlich mehr Eigenproduktionen. So werden wir das Mahler Chamber Orchestra lange an uns binden: Es soll öffentliche Proben geben, die Musiker sind vor Ort, das Orchesterzentrum wirkt mit. Ich kann mir vorstellen, dass hier Symphonien oder Uraufführungen erarbeitet werden. Wie 2010 bei der Zeitinsel für Fazil Say, wo seine „Istanbul-Sinfonie” uraufgeführt wird. Wir haben gerade verhandelt, dass sie im Oktober 2010 auch in Istanbul aufgeführt wird.

Ihr Exklusivkünstler Fazil Say ist ein so ungewöhnlicher Musiker - es wird schwer, einen Nachfolger zu finden...

Das stimmt. Aber erst mal ist er noch bis Ende 2010 hier. Wir führen schon Gespräche. Sein Nachfolger wird ein Künstler, bei dem die Nationalität keine Rolle spielt.

Machen Sie mit Eigenproduktionen nicht dem Musiktheater Konkurrenz?

Überhaupt nicht. Bei uns stehen die Musiker im Mittelpunkt - dieses Grundgerüst bleibt stehen. Das Ruhrgebiet ist eine kreative Umgebung, nicht so festgefahren, wie in Städten mit großem, gewachsenen Kulturangebot wie München. Wir probieren Formate aus. Man kann hier viel kreativer sein.

Aber wenn das Ruhrgebiet keine solch gewachsene Kultur hat - besteht dann nicht zunächst Nachholbedarf im Traditionellen?

Ja, das Traditionelle bieten wir weiterhin, zum Beispiel mit unseren Orchesterzyklen. Hier kommen so viele hochklassige Gastorchester hin, wie nicht einmal in München oder Berlin. Das ist der Nachholaspekt. Aber gleichzeitig ist das Ruhrgebiet ein Ort der Zukunftsgestaltung.

Suchen Sie noch mehr lokale Vernetzung?

Ja, wir wollen mit Juicy Beats zusammenarbeiten. Da sind Leute, die bisher nicht ins Konzerthaus gehen - da müssen wir ran. Wir bekommen eine eigene Bühne und werden Bands buchen. Wir werden also integraler Bestandteil des Festivals.

Wie ist es mit Elektronik und Klassik für 2010?

Wir erwägen die Möglichkeit eines Sonderprojekts. Aber das ist so neu, das ist noch nicht spruchreif.

Nadine Albach

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