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Wladimir Kaminer

Komik im russischen Alltag

13.03.2009 | 20:37 Uhr

Es soll ja Leute geben, die Wladimir Kaminers absurde Alltagsbetrachtungen nicht komisch finden. Doch die geballte Kraft seines Humors trifft einen spätestens, wenn er seine Geschichten selbst erzählt, wie jetzt im ausverkauften Harenberg City-Center.

Dabei scheint es gar nicht mal sicher, ob er mit seinen kurzen Geschichtchen wirklich Lacher hervorrufen will. Vielmehr könnte es sein, dass der gebürtiger Russe, die Ungereimtheiten zu Papier bringen muss, die ihm in Deutschland und anderswo begegnen, um sie vielleicht doch noch zu ergründen. Sein russischer Akzent tut das Übrige: „Ich fühle mich, wie ein Kosmonaut”, kommentiert er sein ungewohntes Headset-Mikrofon. Kosmonauten kommen auch in seiner ersten Geschichte vor, in Form des berühmten Juri Gagarin, dessen zweckentfremdetes Raketenmodell auch schon mal zu einem Fall für den Proktologen werden kann, weitere Details seien an dieser Stelle ausgespart.

Wie ein großer Junge wirkt Kaminer, wenn er freistehend seine Prosa vorträgt. Fast ohne Unterlass liest er aus seinem Buch „Es gab keinen Sex im Sozialismus”, in dem er sein Leben in der untergegangenen Sowjetunion verarbeitet. Unterbrochen wird der Redefluss nur, wenn das Lachen der Zuschauer zu laut wird. Dann schiebt der 41-Jährige auch mal eine Erklärung ein, nur um noch mehr Lacher zu erzeugen. „Können sie noch?”, fragt Wladimir Kaminer. „Ja, bitte weitermachen”, klingt es von den Rängen.

Eine Horde Fans

Fast alles, so scheint es, gerät bei ihm zur Posse, so wie der Dreh mit dem Aspekte-Fernsehteam, das ihn in seiner Berliner Wohngegend porträtieren will, wo nach Kaminers Angaben „absolut nichts los ist”, jedoch just beim Drehen eine Horde Union Berlin-Fans vorbeikommt, den Schriftsteller erkennt, begrüßt und ein verdutztes Kamerateam zurücklässt. Nach kurzweiligen 80 Minuten verlässt Wladimir Kaminer sein glänzend gelauntes Publikum, ist aber auch nach seinem Abgang zu hören - das Kopfmikrofon. Der Verdacht liegt nahe, dass alles, was er macht und erlebt, irre komisch ist.

Jens Wege

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