"Jung sein hat kein Alter"
12.02.2010 | 17:51 Uhr 2010-02-12T17:51:00+0100
Dortmund. 51 Aufführungen seit 2007 - und jede war ausverkauft. Eine Glanzleistung der beiden Kammerschauspieler Helga Uthmann und Claus Dieter Clausnitzer. Sie leben, was das Stück vermittelt: Jung sein hat kein Alter.
Schon 51 Aufführungen seit 2007. Jedes Mal ausverkauft. Damit ist Mathias Franks Inszenierung von Peter Turrinis „Josef und Maria” eine, wenn nicht die erfolgreichste Studio-Produktion in der Ära Gruner am Theater Dortmund. Eine Glanzleistung der beiden Kammerschauspieler Helga Uthmann und Claus Dieter Clausnitzer, die leben, was das Stück vermittelt: Jung sein hat kein Alter.
Eine Couch, Kaffee, Nussecken. Und dazu Helga Uthmann und Claus Dieter Clausnitzer, die am Anfang dasitzen, ein bisschen verschmitzt, ein bisschen fragend, und sagen: „Wir wissen gar nicht, was wir erzählen sollen.” Was natürlich nur so ein Satz ist, der fünf Minuten später von vielen anderen weggeschwemmt wird. Von Worten über Josef und Maria, aber manchmal auch über Helga und Claus Dieter.
"Das Jungsein vergisst man nicht"
Helga Uthmann war es, die sich das Turrini-Stück wünschte. Sie hatte es in Wuppertal gespielt. Am letzten Abend brach das Bett zusammen in der Geschichte, die von einer Putzfrau und einem Wachmann erzählt, die einsam sind, in einem großen Kaufhaus, ausgerechnet am Weihnachtsabend. „Sie hängen sich wie zwei Ertrinkende aneinander”, sagt Clausnitzer, reden erst nur von und für sich, schaukeln sich hoch. „Aber dann kriegen sie die Kraft, trotzdem ins Bett zu springen, unter der Decke zu kichern und sich durchzukitzeln.” Helga Uthmanns Augen blitzen fröhlich. „Plötzlich sind sie jung”, sagt sie. „Das Jungsein vergisst man nicht, es ist nur die Hülle, die älter wird. Das Innere strahlt immer weiter.” Und nicht Maria, sondern Helga spricht: „Je älter ich werde, umso jünger werde ich für die Bühne.”
Vielleicht reden Uthmann und Clausnitzer deshalb auch nicht von einer, sondern davon, dass das ganze Stück ihre Lieblingsszene ist. Und als der Fotograf die beiden bittet, sich doch mal zu kitzeln, da zögert Clausnitzer keine Sekunde, stürzt sich brüllend auf seine Spielpartnerin, kitzelt, bis die ganz rot ist. „Die beiden sind die Idealbesetzung”, sagt Regisseur Mathias Frank. „Ich hätt's mir nicht anders vorstellen können.”
Szenen zum Andocken
Es menschelt in „Josef und Maria”, voller Szenen zum Andocken für Zuschauer jedweden Alters. „Tragik und Komik liegen nah beieinander”, sagt Clausnitzer. Die Angst vor der Einsamkeit im Leben, Erinnerungen an Krieg, an Enttäuschungen, die beide nachvollziehen können. Aber auch die plötzliche Energie, die von Josef und Marie ausstrahlt, die Hoffnung, dass die Einsamkeit eben nicht siegt. „Was spannend ist: dass sie ihr Leben lang an Dingen festgehalten haben, die sie plötzlich über Bord werfen und etwas Neues wagen”, sagt Mathias Frank.
So, wie auch Uthmann und Clausnitzer jeden Abend als spannendes Wagnis angehen: Mit über bzw. fast 50 Jahren Bühnenerfahrung „wissen wir, was alles passieren kann”, sagt Clausnitzer. Da lief kein Putzwasser, fehlte die Handtasche, dann - bei einer Kurzpräsentation - die Tango-Kassette und das Publikum summte. „Wir sind immer wieder aufgeregt”, sagt Uthmann, die auch schon mal vor Vorstellungen brüllt: „Ich hab' Lust, ich hab' Lust.”
Nach 55 Vorstellungen ist Schluss
Denn die haben die beiden selbsternannten „Kammerhaudegen” auf das Stück nach wie vor. Das sieht man, als sie im Spiegelgang im Schauspielfoyer Tangoschritte tanzen. So, wie vor jeder Vorstellung, zum Aufwärmen. Weite Schritte, Lachen in den Augen, Schwung im Körper, Lebensfreude. Und Clausnitzers Worte über Josef und Maria kommen einem in den Kopf: „Sie katapultieren sich ins Jetzt, sind neu, frisch, naiv.”
Nach 55 Vorstellungen soll Schluss sein. Termine: 17. & 24. Februar, 0231-5027222
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