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Kulturpolitik

Interview mit Kulturdezernent Jörg Stüdemann

08.12.2009 | 20:30 Uhr
Interview mit Kulturdezernent Jörg Stüdemann

Dortmund. Ob nun der U-Turm oder die Einsparungen im Kulturbereich - für Kulturdezernent und Kämmerer Jörg Stüdemann gibt es derzeit viele Baustellen. Im Interview spricht Stüdemann über leere Kassen, ehrenamtliches Engagement und Kooperationen im kulturellen Bereich.

Das U soll erst im Oktober eröffnen: Damit ist das Leuchtturmprojekt für die Kulturhauptstadt passé. Wird die Stadt untergehen im 2010-Trubel?

Jörg Stüdemann:Wir werden am 28. Mai eröffnen mit drei Ausstellungsetagen, der Winkelmann-Inszenierung, Gastronomie, Partys, einem Spiegelzelt vor der Tür Veranstaltungen im Sommer, wie die ISEA im August. Nur der Dauer- und Wechselausstellungsbereich kann erst im Herbst bezogen werden.

Die Gutachter haben sich schon beim Ausmaß der Betonsanierung verschätzt. Hätte man nicht von Fachleuten erwarten müssen, dass sie die Einsturzgefährdung einer kompletten Etage erkennen?

Der Interimskämmerer und Kulturdezernent Jörg Stüdemann. Foto: Franz Luthe

Jörg Stüdemann:Darüber müssen wir mit dem Büro Gerber reden. Allerdings hat schon das Architektenteam, das Brau & Brunnen 2004 eingesetzt hat, keine Probleme bei der Statik benannt. Zwei Teams konnten kein klares Bild des gesamten Risikos zeichnen. Dass wir das jetzt ausbaden müssen, ist hoch ärgerlich.

Wäre nicht eine offenere Kommunikation klug gewesen?

Jörg Stüdemann:Das müssen sie dem Büro Gerber sagen. Ich bin selbst über die Entwicklung nicht glücklich. Erst seit dem 29. Oktober bin ich in baulicher Verantwortung. Ich habe im Vier-Wochen-Rhythmus an den Besprechungen teilgenommen - aber Probleme mit der Statik in der Kathedrale sind nicht angesprochen worden.

Mehr Geld, ständiges Hin und Her beim Zeitplan: Leidet das Image des U?

Jörg Stüdemann:Warum? Wir werden eine fulminante Eröffnung haben, die Leute werden dahinpilgern. Der U-Turm ist eine allgemein gewünschte, freudig erwartete Angelegenheit. Die Bauindustrie profitiert - die Folgeinvestitionen liegen in einer Größenordnung von 150 bis 200 Millionen Euro. Das ist Arbeit für diese Stadt. Wir kriegen das Kreativökonomie-Management in die Stadt, mit Professor Gorny. Die Wirtschafts- und Bildungsfolgen wirken in die ganze Stadt.

Weg vom U: Dortmund steckt in einer Finanzkrise. 100 000 Euro weniger für das Konzerthaus, 700 000 Euro jeweils pro Jahr weniger beim Theater und den Kulturbetrieben. Wie soll das funktionieren?

Jörg Stüdemann:Indem man rigoros umstrukturiert. Bei den Kulturbetrieben wollen wir Bürgerbibliotheken einrichten, um Personal- und Betreuungskosten zu sparen. Ehrenamtliche und Profis sollen das Netz der Bibliotheken erhalten. So geht das Einrichtung für Einrichtung - verbunden mit Leistungsveränderungen, neuen Partnerschaften in der Bürgerschaft und auch Leistungsreduktion. Wir reduzieren auch unser Kulturhauptstadtprogramm - Klangvokal zum Beispiel hat sehr viel Geld eingebüßt. Es wäre Unsinn zu feiern, als wäre nichts geschehen. Das wäre ein Tanz auf dem Vulkan.

Und beim Theater?

Info
Kultur

Am 27. Januar soll das Richtfest des U-Turms gefeiert werden. Ministerpräsident Rüttgers wird erwartet.

Ob Bundespräsident Horst Köhler zur Eröffnung am 28. Mai kommt, steht noch nicht fest - er ist aber in der Zeit schon beim Deutschen Chorwettbewerb in Dortmund zu Gast.

Am 15.12. trifft sich die Findungskommission zur Opern-Nachfolge. Theoretisch könnte sie nach einer Wahlwiederholung neu zusammengestellt werden.

Jörg Stüdemann:Die Anzahl von Produktionen ist zu besprechen. Das Haus ist auf ein bestimmtes Quantum eingerichtet. Wir haben kleine Werkstätten und wenn die künstlerischen Spitzenkräfte Premieren aneinanderreihen, kommen die nicht mit und Aufträge müssen nach außen gegeben werden. Das ist nicht wünschenswert. Zum Beispiel sollte das Musiktheater bei acht bis neun Premieren inklusive Kinderoper bleiben. Also: Die Premierenzahl - auch im Schauspiel - wird überprüft und reduziert.

Steht noch zur Debatte, dass das Schauspiel seine Eigenständigkeit verliert?

Jörg Stüdemann:Nein, wir wollen in der Region kooperieren. Ich möchte kein Theaterinstitut fusionieren, sondern wir möchten ein Zwei- oder Drei-Städte-Institut zustande bringen, bevor ein Haus eine Sparte schließen muss. Wir sind im Gespräch mit Hagen und Bochum, um zusätzliches Publikum zu gewinnen, aber auch bis 2012 Ausgaben deutlich zu reduzieren. Mit Hagen reden wir über den Bereich Tanz und das Ballettzentrum, aber auch darüber, wie wir im Musiktheater kleinere Projekte gemeinsam stemmen können.

Nadine Albach

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Kommentare
16.01.2010
21:49
Interview mit Kulturdezernent Jörg Stüdemann
von Ouroboros | #3

Wir sollten auf unsinnige Leuchtturmprojekte verzichten und uns auf das Theater, Oper, Schauspiel, Ballett und Orchester konzentrieren, dabei die freien Theatergruppen nicht vergessen, dafür teure Events vergessen.

14.12.2009
09:18
Interview mit Kulturdezernent Jörg Stüdemann
von the rebel | #2

Das sollte, sofern es ernst gemeint ist, richtungsweisend für alle Ruhrstädte sein, Kooperationen in allen Ebenen und Sparten (Kultur, IT, Beschaffung, zentrale Dienste etc.), um die Kosten für alle auf ein erträgliches Maß zu reduzieren ohne nennenswerte Qualitätsverluste in der Region.

14.12.2009
03:51
Interview mit Kulturdezernent Jörg Stüdemann
von Otto Fux | #1

Wir sollten uns mal langsam bei solch ein
grossen Haushaltsloch über legen welche
Projekte für unsere Stadt dringlich sind sie zu
Fördern. Ich sehe hier im Moment keine Dringlichkeit
dazu

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