Hymnen für ein Millionenpublikum
20.02.2009 | 17:51 Uhr 2009-02-20T17:51:00+0100Sie sind schon zu Lebzeiten eine Legende: die Flippers. Seit über 40 Jahren sind sie auf der Bühne, veröffentlichten 45 Studioalben, rund 600 Songs, füllten zuletzt sogar restlos die Westfalenhalle. Nun kommen sie zurück in die große Arena. Ihre Lieder sind Hymnen für ein Millionenpublikum.
„In der riesigen Halle aufzutreten, dass man so etwas erleben darf”, schwärmt Sänger und Gitarrist Olaf Malolepski im Interview. Generell habe er sehr gute Erinnerungen an die Westfalenmetropole, etwa die WDR 4-Schlagerweihnacht, „als rund 10 000 Menschen mit uns ,O, Du fröhliche' a capella gesungen haben.”
Das Rezept für ihren Erfolg, so Malolepski, „besteht aus vielen Mosaiksteinchen”. Die Flippers treffen mit ihrer Musik genau den Nerv des Publikum, seien bodenständig, singen auf deutsch. „Und wird sind für viele Schwiegersohn, Bruder und Ehemann in einer Person”. Und sie seien stets zur richtigen Zeit da gewesen.
Sie kennen die Höhen und Tiefen des Showgeschäftes, verließen 1969 mit ihrem ersten großen Erfolg „Weine nicht kleine Eva” den Raum Pforzheim. Doch die Tanz-Musik der Coverband war nicht mehr so angesagt, so dass aus dem Sextett ein Trio wurde, das sich mit anderen Jobs den Lebensunterhalt verdienen musste. „Ich habe als Sportlehrer gearbeitet, habe Tennisstunden gegeben”, blickt Olaf Malolepski zurück. „Doch die Musik war mir immer wichtig, sehr wichtig. Hätt's die Flippers nicht mehr gegeben, wäre ich in eine andere Band eingestiegen oder wäre als Alleinunterhalter durch die Lande gezogen.”
Und so waren die Flippers im Frühjahr 1986 erneut zur richtigen Zeit am richtigen Platz, als ihnen Uwe Busse und Karlheinz Rupprich „Die rote Sonne von Barbados” geschrieben haben. Eine vergoldete Schlagergeschichte begann. „Wir verkauften jetzt sogar mehr Schallplatten von der kleinen Eva als Ende der 60er Jahre”, berichtet der Gitarrist.
Seit 40 Jahren sind die Flippers ein Markenzeichen, machen nicht viel Aufhebens um ihre Person, sondern stellen die Musik in den Mittelpunkt ihres öffentlichen Lebens. „Die Fans sind mit uns in die Jahre gekommen, doch haben wir auch erstaunlich viele jüngere Fans”, so Malolepski. Zuerst hätte das Trio gedacht, dass sich jüngere Besucher lustig machen würden über die Flippers. „Denn die kamen in den gleichen schrillen Anzügen, in denen wir aufgetreten sind. Doch denen gefiel wirklich, was wir machten.”
Die Zuhörer könnten in den Konzerten abschalten, die Hiobsbotschaften des Alltags draußen lassen. „Und sie sind nach den zwei Stunden wieder gerüstet für den Alltag”, so der Flipper. Ihm gehe es ähnlich. Er käme auch auf andere Gedanken, wenn er mal zur Gitarre greift und Musik macht.
Am 7. März unternehmen die Flippers mit dem Publikum in der Westfalenhalle eine Zeitreise von „Weine nicht kleine Eva” bis „Ay, Ay Herr Kapitän” dem neuesten Longplayer der Band. „Zudem gibt es zum Teil noch nicht veröffentlichte Einblicke in die Geschichte der Flippers durch alte Super 8- oder TV-Aufnahmen”, kündigt Olaf Malolepski an, der ins einer Freizeit jegliche Art von Musik hört. „Natürlich als Musiker, der klassische Gitarre studiert hat, auch viel Gitarrenmusik.”
Ans Aufhören denkt das Trio noch nicht, wenngleich „wir uns nach der Tour mal zusammensetzen werden und über unsere Zukunft sprechen wollen”. Ob es dann bald eine ausgedehnte Abschiedstour geben wird, wollte er offen lassen. „Wenn es einen Abschied gibt, dann einen mit Knall und nicht die dritte, vierte Abschiedstour, dann mit Würde, mit einem großen Dankeschön an unsere Anhänger.”
Doch angesichts ausverkaufter Hallen, Chart- und Verkaufserfolgen werden die Fans darauf wohl noch lange warten müssen, auf den Abschied.
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