Heiß diskutierte Anwärter für die Opernleitung in Dortmund
14.10.2009 | 22:00 Uhr 2009-10-14T22:00:00+0200
Dortmund. Opernintendantin Christine Mielitz verlässt Dortmund vorzeitig, zum Ende des Jahres 2010. Mitten in der Saison. Bis eine Nachfolge gefunden ist, muss eine Interimslösung her - das hat Kulturdezernent Jörg Stüdemann bereits eingeräumt.
Kandidaten, die für diese Zwischenzeit in Frage kommen, gibt es einige. Eine Auswahl von denen, deren Namen heftig im Umfeld des Theaters diskutiert werden.
Generalmusikdirektor Jac van Steen ist die naheliegendste Option: Stüdemann selbst hatte ihn für die kommissarische Leitung ins Gespräch gebracht, als er Ende 2008 einen Notfallplan für den möglichen Weggang von Mielitz erarbeitete. Jüngst allerdings erklärte der Kulturdezernent, van Steen sei „nicht der Favorit”. Dabei verfügt der über reichlich musikalische Erfahrung: Er war GMD des Deutschen Nationaltheaters Weimar und Chefdirigent der dortigen Staatskapelle sowie Chefdirigent des Musikkollegiums Winterthur. Zudem kennt van Steen das Haus und seine Mitarbeiter bestens - unter anderem auch aus der Mitwirkung an diversen Opernproduktionen. Und er hat in kürzester Zeit für gute Stimmung und Einigkeit unter den Dortmunder Philharmonikern gesorgt.
Im Theater sitzen weitere Kandidaten: Karin Heindl-Lau, die zunächst persönliche Referentin von Christine Mielitz war, ist jetzt für den Bereich Marketing zuständig. Sie besetzte in der Vergangenheit Leitungspositionen am Landestheater Coburg und der Neuköllner Oper Berlin - das allerdings jeweils nur für wenige Monate.
Einige Optionen im Haus
Betriebsdirektor Frank Martin Widmaier hingegen vereint Erfahrung in Kunst und Verwaltung: Vor seiner Zeit in Dortmund war er künstlerischer Betriebsdirektor und stellvertretender Intendant des Staatstheaters am Gärtnerplatz in München sowie Produktionsleiter an der Oper Frankfurt und dem Berliner Ensemble. Diverse Opern-Regiearbeiten für renommierte Häuser - darunter auch Jugendprojekte - gehören ebenso zu seiner Vita.
Auf eine andere Möglichkeit haben die Grünen bereits ablehnend reagiert: Torsten Mosgraber, Direktor des Musikfestivals „Klangvokal”. Doch auch bei ihm lohnt der Blick auf die Biographie. Der Musikwissenschaftler und Kulturmanager war Intendant der Dresdner Musikfestspiele, kommissarischer Operndirektor in St. Gallen, wirkte am The´atre de la Monnaie in Brüssel und als künstlerischer Geschäftsführer der Deutschen Musikrat Projektgesellschaft.Von ihm wären internationale Kontakte zu erwarten.
Ebenso zum „Klangvokal”-Team gehört Dr. Matthias Nowicki, dessen Stärke eher im Bereich künstlerische Verwaltung liegt. Der gebürtige Dortmunder promovierte über Theater-Management, arbeite-te als Verwaltungsdirektor in Freiberg und Magdeburg und übernahm die Verwaltungsleitung im neuen Konzerthaus. Vorteil: Diese Position hat er auch drei Jahre am Theater besetzt - er kennt also das Haus.
Mit dem Konzerthaus rückt auch dessen Intendant Benedikt Stampa ins Blickfeld - schließlich gab es umgekehrt 2005 eine Interimszeit, in der der geschäftsführende Theaterdirektor Albrecht Döderlein die Konzerthaus-Intendanz übernahm. Stampa aber winkt ab: „An so einer Position habe ich kein Interesse” - zumal ein gut geführtes Haus auch ein halbes Jahr ohne Intendanten klarkäme...
16:05
Ich möchte nicht mit den Verantwortlichen tauschen, die nun auf der Suche nach eine Nachfolge für Frau Mielitz sind. Jemand, der das schwer gebeutelte Musiktheater wieder auf den Weg bringt, muss Fachkompetenz und Charisma vereinen und dazu eine gute Portion „emotional Intelligence“ mitbringen. Er muss das Haus zu einem beliebten Treffpunkt in der Stadt machen, das die Menschen auch dann besuchen, wenn gerade mal kein Stück zum Besten gegeben wird.
Letzteres gehört auch zu den großen Versäumnissen der Geschäftsführung (Desinteresse wäre hier das richtige Wort), zusammen mit einer verfehlten Personalpolitik – um nur zwei Punkte zu nennen. Zu erwarten ist daher sicherlich über kurz oder lang auch eine Neubesetzung der Geschäftsführung. Zur Gesundung des Hauses müsste auch hier ein Neuanfang gewagt werden.
Leichter wird eine Interimslösung für das Musiktheater zu finden sein. Sicher hat Herr Stampa, der sich ja ansonsten auch nicht für das Theater interessiert, tatsächlich keine Ambitionen, diesen Posten zu übernehmen. Die übrigen Kandidaten sind interessant, wobei der eine mehr, der andere wohl weniger für den Job geeignet ist. Philipp Andresen hält in seinem obigen Kommentar ja ganz treuherzig, aber doch eher ahnungslos, Klangvokal für eine passende Referenz. Das neue Dortmunder Musikfestival war sicherlich ein großartiges Erlebnis und eine wertvolle Bereicherung des Dortmunder Kulturlebens. Bitte mehr davon!
Fest steht aber, dass eine Interimsintendanz gebraucht wird, die das Haus steuert, nicht jemand, der sich ausprobiert und damit Schlangenlinien fährt. Gefragt ist nicht jemand mit Ambitionen, sondern eine fähige Führungskraft, die das Haus an den Nachfolger übergibt. Da zählt weniger die Liebe zur Kunst, auch wenn die Herrn Andresen noch so gut gefallen hat. Ein großes Haus wie das Theater Dortmund ist eben doch etwas ganz anderes, als ein Festival mit einer Handvoll meist freier Mitarbeiter. Wichtiger sind eine genaue Kenntnis des Hauses - am Besten aus eigener Erfahrung - und die Fähigkeit solch ein Haus mit all seinen Hinterhalten und Fallstricken zu leiten. Ob es ratsam ist, für die Interimszeit jemand von außen zu engagieren, der sich dann gerade in das Haus eingearbeitet hat, wenn der Nachfolger kommt, erscheint mir jedenfalls zweifelhaft.
17:49
Hallo Aaltofan,
Du schreibst, die Spielpläne in Essen sind besser.
In Essen wird kein Musiktheater gemacht, sonder ein Opernmuseum gepflegt,
nicht mehr und auch nicht weniger. Immer die gleichen, langweiligen und ansprechenden Top50.
Schlaft weiter und ruhet sanft.
19:55
Jaja, alles typisch Dortmund.
Vergleicht man die Spielpläne, dann ist Essen eindeutig besser, Ich kann die Dortmunder nur zum Besuch der Essener Oper ermuntern.
Die Vorstellungen sind gut verkauft und auch wirklich ansprechend.
Das Opernhaus in Do ist doch eine Bruchbude und vollkommen unattraktiv, gleich wer da den Hut auf hat.
Ist eben Dortmund.
19:24
@son_Kram
Ich stimme da zu. Hier muss eine große Lösung her, oder aber gar keine.
Die Stadt muß sparen bis es kracht, da ist das Theater genau die richtige Stelle. Wie man hier in früheren Artikeln lesen konnte, ist die Stimmung nicht gerade die Beste.
Der BVB wird auch nicht von der Stadt subventioniert, warum so eine elitäres Teil.
18:37
Was für Probleme.
Macht die Butze zu und wir fahren alle nach Essen....
Die Roten wollen doch sparen, hier läßt sich hervorragend sparen.
14:56
Nun aber man langsam mit den sprichwoertlichen Pferden.
Frau Mielitz hat angekuendigt, dass sie das Theater Ende 2010 verlaesst, d.h. das die gesamte Spielzeit 2010 / 2011 von ihr geplant werden duerfte.
Ueber Frau Mielitz kann man sagen was man moechte, aber ihr Ring aus dem Jahr 2007 war hervorragend, so dass man bereits jetzt schon auf den Wagner im Dezember 2009 gespannt sein darf.
Natuerlich sollten sich die Verantwortlichen rechtzeitig Gedanken ueber einen Nachfolger machen, aber bitte nicht nur fuer Frau Mielitz. Es waere dringend an der Zeit, dass man Frau Pesch den Stuhl vor die Tuer setzt, denn was diese Dame in den vergangenen Jahren abgeliefert hat, ist unter aller Kritik. In Berlin hat man sie weggelobt, in Dortmund hat man sie genommen. WAS fuer ein Fehler! Das Theater hat doch einen Smart als Dienstwagen mit dem Frau Pesch so gern unterwegs ist (wie war das noch mit nicht zu erklaerenden Benzinquittungen...). Fuer ihren Weggang sollte sie dieses Auto ganz dringend nutzen. Von der Koerpergroesse duerfte dies kein Problem sein.
Bei der Nachfolge der Intendantin sollte fuer eine Interimszeit eine hausinterne Loesung gefunden werden, denn nur so kann man Kontinuitaet garantieren. Inszenierungen duerften nicht anstehen, so dass ein Verwaltungsprofi gesucht werden koennte.
Herr van Steen sollte sich weiter auf sein Orchester und Herr Stampa auf sein Konzerthaus konzentrieren. Da gibt es bestimmt ausreichende Aufgaben, da die Auslastung an der Brueckstrasse mehr als duerftig ist.
Was das Musikfestival Klangvokal angeht, so war die Premiere in diesem Fruehjahr ein Glanzlicht in der Kultur. Jaroussky, Scholl, Kermes, was fuer Namen in nur zwei Wochen Festivaldauer.
Wenn das nicht ausreichende Visitenkarten sind, was soll denn dann eine fuer eine Qualifikation gesucht werden?
Es gibt also viel Arbeit fuer den Kulturausschuss und den Dezernenten.
Ran ans Werk!