Finanzielle Misstöne in der Dortmunder Oper
23.11.2010 | 19:04 Uhr 2010-11-23T19:04:00+0100
Dortmund.Die Einnahmen des Dortmunder Musiktheaters sinken weiter: Sie liegen in der vergangenen Spielzeit rund 300.000 Euro unter den Erwartungen – eine negative Steigerung zum Vorjahr.
Gut 1,56 Millionen Euro sollte das Musiktheater in der Spielzeit 2009/10 aus dem Kartenverkauf einnehmen – tatsächlich waren es 1,262 Millionen. Eine Fortführung der Tendenz aus der Saison 2008/09, in der das Musiktheater die Einnahmeerwartungen um rund 230 000 Euro verfehlte. Auch die Auslastungszahlen dürften im Theater kein Anlass zur Freude sein: Sie liegen 2009/10 bei 50,25 Prozent.
Opernintendantin Christine Mielitz erklärt das Defizit zum Teil mit der Personalkostensperre von 167 000 Euro: Vor einigen Jahren sei der Oper das Budget gekürzt worden, während das Personal unverändert blieb – ein jährlich wiederkehrender Posten, der nichts mit dem Programm zu tun habe. Zudem habe sie in der letzten Saison „viel moderne Musik“ gewagt, die zwar gute Kritiken, aber nicht viele Zuschauer locke. Und die Produktion „Phoenix resurrexit“ konnte nicht, wie vorgesehen, im U gespielt werden.
Sparsame Kommentierung
Die geschäftsführende Direktorin Bettina Pesch zeigte sich sparsam in der Kommentierung: Sie könne nicht „in den Besucher hineingucken“ – das Engagement, neue Zuschauer zu gewinnen, sei groß. Die Spielzeit laufe „nicht glücklich“, so Pesch, einen weiteren Einbruch fürchte sie nach dem Weggang von Mielitz Ende des Jahres aber nicht.
Den fände die Politik auch nicht sonderlich lustig: Bürgermeister und Kulturausschussvorsitzender Manfred Sauer stört sich „extrem“ an den anhaltend schlechten Zahlen: Sowohl Programmgestaltung als auch Marketingmaßnahmen seien „Flops“. Keinesfalls dürfe die Politik in das Programm hineinreden. Aber es sei Zeit „Notmaßnahmen zu ergreifen, sonst fallen wir ja ins Bergfreie.“ Jens-Daniel Herzog, der die Opernleitung ab Mitte 2011 übernimmt, „steht vor einer schwierigen Aufgabe. Er übernimmt leider einen kränkelnden Betrieb.“
Jürgen Brunsing, kulturpolitischer Sprecher der Grünen, findet die Situation ebenso ärgerlich: Bei allen Lobreden auf Mielitz als große Künstlerin dürfe man die Wirtschaftlichkeit nicht vergessen. „Kunst und Ökonomie müssen auch ineinander greifen.“
12:47
Kulturbunken. Im Westen nichts Neues... Wenn ihr euch nicht nur gegenseitig Currywürste braten wollt, brauchen wir qualifizierte Arbeitsplätze. Die kriegen wir aber nur mit einem wahrnehmbaren Kulturangebot besetzt. Sonst gehen die Leute lieber weiterhin nach DUS - trotz des dortigen, tief kläglichem Schauspielhauses.
Aber eines finde ich bedenkenswert: Ist es Kust, also zeitgenössisch, dann sollte die übliche Subventionspraxis greifen. Aber wenns nur Spektakel ist - die 500. Zauberflöte, yet another boring musical - dann muss der Kunde den vollen Preis bezahlen.
Das Konzerthaus hat übrigens - als solches - eine grossartige Akustik. Nur wenn Jazz- und Chansonereignisse als Kassenfüller dazukommen, werden genau dort Schwächen erkennbar, bei Darbietungen, für die ein Konzerthaus nicht optimiert ist.
20:10
Abstoßen wie das FZW.
19:13
Die Lokalpolitiker sind verstimmt?
Eher hat der Bürger doch das Recht, verstimmt zu sein.
Das Opernhaus ist doch marode; überall nagt der Zahn der Zeit, eine Fahrt mit dem antiquierten Aufzug ist ein ganz besonderes Erlebnis.
Aber es musste ja ein Konzerthaus her,
ein Konzerthaus mit schlechter Akustik,
eingequetscht in ein kleines Grundstück.
Es wäre nun endlich an der Zeit, alte Sachen zu bewahren
- anstatt Leuchtturmprojekte durchzusetzen und alles andere verrotten zu lassen.
18:52
Kultur braucht einen Freiraum und muss nicht nur Publikum anlocken. Dieser Fall darf aber nur die Ausnahme sein. Es muss immer eine gesunde Basis vorhanden sein, die auch Experimente/Risiko trägt. Wenn das nicht vorhanden ist, muss jede Firma die Konsequenzen tragen. Dies gilt auch für die Kulturbetriebe. Wenn sie keiner sehen will, kann man auch darauf verzichten.
@6: Auch in den Ballerburger gibt es Konkurrenz und die Anbieter müssen im Wettbewerb bestehen.
18:38
Leider fliegen die Kulturlosen lieber billig vom Dortmunder Flughafen in die Ballerburgen....
Vielleicht sollten sich die Spackos lieber für Kultur als für Billig-Flüge interessieren.
17:41
Finde auch, das Musiktheater sollte sofort privatisiert werden! Das Stades ist doch in der Nähe. Oder die AWO übernimmt das - gehen doch eh nur Ältere in die Oper.
16:03
#2
Kultur ist ja gut und schön, jedoch auf Kosten anderer sich profilieren, das kann es auch nicht sein. Vielleicht sollte man per Ratsbeschluss einen Kulturbeitrag von den Hartz4lern einfordern, damit die, die einen kostendeckenden Beitrag leisten könnten dann jeden Besuch, zum Wohle der Arbeitsplätze, gesponsert bekommen.
Noch was: Jede Pommesbude muss bei so einer Auslastung den Laden dicht machen.
16:00
Eintrittspreise so stark anziehen, dass der Stadt keine Verluste entstehen.
Auch Kultur hat ihren Preis, den bitte diejenigen zahlen, welche das Angebot nutzen.
Und nicht die Kinder das Minus mit schlechtem Essen querfinanzieren müssen :-)
14:38
Sehr schade, daß die Oper nicht angenommen wird. Denn sie macht ein wirklich ein gutes Programm!
Viele Dortmunder wissen gar nicht, was sie an ihr haben. Sie müsste mehr raus zu den Menschen, so wie letztes jahr das Projekt zusammen mit den Schulen.
09:15
machts doch wie beim FZW - privaten Träger suchen und weg damit - oh das war aber jetzt böse