Ein Leben, das der Musik gehört
29.10.2010 | 17:40 Uhr 2010-10-29T17:40:00+0200
Er ist ein Botschafter des deutschen Chorgesangs – und nicht wegzudenken aus dem Dortmunder Musikleben: Über sechs Jahrzehnte als Chordirigent, Komponist und Organist haben Emil Rabe bekannt gemacht. Am 1. November wird er 90 Jahre alt.
Emil Rabe steht im Innenhof der schönen Bonifatius-Kirche. Ein Ort, der für ihn viele Geschichten erzählt, der eng mit seinem Leben verknüpft ist – so, wie zahlreiche andere in Dortmund. Emil Rabe kann sich noch an jedes Detail erinnern, an jeden Namen, an jedes Jahr. Sein Wirken im Musikleben hat so tiefe Spuren hinterlassen, dass er zahlreiche Auszeichnungen bekam, darunter die Ehrennadel der Stadt und das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse.
400 Werke komponiert
Und doch ist Rabe jede Attitüde fern: Er wirkt so präsent und fröhlich, dass man ihm sein Alter kaum glauben mag – und erklärt, er halte sich durch ein Hausfahrrad fit. „Da fragsel ich schon mal drauf rum“, sagt er und lacht.
Singen hält anscheinend jung. Und jung war auch Rabe, als seine Karriere zu klingen begann. Mit elf sang er im Kirchenchor, übte Klavier beim Großvater, einem gelernten Schlagzeuger, „der darauf wartete, dass ich ihn begleiten konnte“, erzählt Rabe. Und ahmt den Sound seiner Kindheit nach „Tam tarrrammm.“ Als der Organist seiner Kirchengemeinde eingezogen wurde, erinnerte sich der Pfarrer an den musikalischen Emil – der „geübt und geübt“ hat, um mit 14 Jahren voller Aufregung die erste Weihnachtsmesse spielen zu dürfen. Zeiten, als die Orgel noch per Pumpe mit Luft versorgt werden musste. „Ich hab‘ hier schon so viel gepumpt, aber so viel Luft wie Du hat hier noch keiner gebraucht“, sagte sein Assistent schmunzelnd nach einer der vielen Proben.
Irgendwann in diesen Jahren hat sich entschieden, dass Emil Rabes Leben der Musik gehören sollte. „Das ging gar nicht mehr anders.“ Er absolvierte am städtischen Konservatorium seine Ausbildung als Kirchenmusiker, bestand mit 20 Jahren das „Große Examen“, arbeitete längst als Organist. Der Krieg setzte eine Zäsur von fünf Jahren – Emil Rabe als Soldat. 1944 darf er nach Dortmund zurückkehren, sein erster Sohn wird geboren. Und in Huckarde, wo die einzige noch heile Kirche mit Orgel stand, kehrt Emil Rabe auch zur Musik zurück.
1946 gründet er den Dortmunder Kammerchor. Und als er 1948 auch den Dortmunder Männergesangverein übernimmt, ist die Verpflichtung eines gerade erst 27-Jährigen für manchen der 150 Sänger ein gewagtes Experiment. Der Erfolg aber beschert Rabe auch noch die Leitung des Polizei- und Karstadtchores. Keinen dieser Chöre hat er unter 40 Jahre geführt. „Er ist kein Schulmeistertyp und hat immer versucht, auch einen kleinen Witz einzubauen. Und er war immer ziemlich präsent, was die Musik anbelangt“, erzählt Dieter Vach vom DMGV.
Rabe besingt die ganze Welt mit seinen Chören und trägt den deutschen Gesang nach Europa: In Irland gewinnt er mit seinen Sängern den Staatspreis der Republik – und sogar Papst Paul VI in Rom lauscht dem Klang aus Dortmund. Das schönste Erlebnis aber ist für Rabe, als er mit dem Dortmunder Kammerchor 1953 erstmals den Meisterchortitel ersingt, was ihm insgesamt vier Mal gelingt. Und trotzdem nimmt er es mit den Ehrungen nicht so ernst, die eine ganze Wand bei ihm zu Haus einnehmen: „Das hat den Vorteil, dass die Wand nicht mehr gestrichen werden muss.“
Emil Rabe aber beschränkt sich nicht nur auf das Aufführen schöner Musik, er schreibt selbst welche: Über 400 Werke hat er komponiert – und ist stolz, dass sein Sohn in seine Fußstapfen getreten ist. Musik aber lässt Rabe auch heute nicht los: Er leitet einen Seniorenchor, ist Ehrenmitglied des Bonifatius-Kirchenchores und singt jeden Abend vorm Schlafengehen ein Dankeslied.
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