Dortmund lacht sich kaputt
07.12.2010 | 19:12 Uhr 2010-12-07T19:12:00+0100
Dortmund.Dortmund hat viel zu lachen. Zumindest, wenn es nach dem wachsenden Angebot an Comedy-Veranstaltungen und Kabarett geht. Fletch Bizzel, Cabaret Queue, Dietrich-Keuning-Haus, domicil, Fritz-Henßler-Haus und möglicherweise bald auch das FZW bieten den Lachnummern eine Bühne. Fraglich nur, ob der Kuchen für alle reicht: Beim Festival Watt’n Hallas sind die Zuschauerzahlen drastisch gesunken.
Seit 16 Jahren sorgt das Festival, das der Förderverein KultPur veranstaltet, für Heiterkeit im Henßler-Haus – und trägt sich nicht nur selbst, sondern lässt in der Regel einen „fünfstelligen Betrag in die Kinder- und Jugendarbeit“ fließen, so Programmleiter Dieter Kottnik.
In diesem Jahr aber steht das Festival unter keinem guten Stern: Der Besucherschnitt liegt bei 210 Lachwilligen – und damit 30 Prozent unter Vorjahresniveau. Außerdem sind drei Veranstaltungen ausgefallen, teils wegen zu wenig verkaufter Karten. Der Überschuss für die Kinder- und Jugendarbeit könnte 2011 entfallen.
„Der Markt ist gesättigt“
„Das war ein bisschen viel“, findet Kottnik. Und sieht mehrere Gründe: Künstler wie Michael Mittermeier und Kaya Yanar, die einst im Henßler-Haus auftraten, füllen jetzt die Westfalenhalle – und bedienen damit das Bedürfnis Jüngerer. „Der Eventcharakter ist wichtig.“
Lachen ist ein Geschäft. Das ist spätestens klar, seit Mario Barth 2008 erstmals ein Stadion füllte. Lachen also ist ein Markt, um dessen Anteile es sich zu kämpfen lohnt.
Natürlich darf man dabei Äpfel nicht mit Birnen vergleichen: Die Comedians, die in der Westfalenhalle auftreten, haben mit denen aus dem Cabaret Queue nichts gemein. Und auch ein Festival, das in einem städtisch finanzierten Haus zu sehen ist, lässt sich nur bedingt einem der freien Szene gegenüberstellen.
Die Fakten aber sind zumindest bedenkenswert: Ein Traditionsfestival, das seit langem gute Zahlen vorweist, erlebt plötzlich einen Einbruch von 30 Prozent. Während ein neues Festival über drei Monate hinweg sehr viele Besucher anlockt. Dortmund braucht beides – das Spiegelzelt und Watt’n Hallas. Weil beide Festivals überzeugen. Mehr Kommunikation untereinander könnte helfen – damit keiner dem anderen das Wasser abgräbt. Und keinem das Lachen vergeht.
Plus: Im Herbst gäbe es teils 5 bis 6 Comedy-Veranstaltungen am Tag. „Der Markt ist gesättigt“, sagt Kottnik.
Zudem habe Watt’n Hallas sich bislang durch eine starke Ruhrgebietsprägung hervorgetan – ein Feld, das 2010 das städtisch geförderte Festival „RuhrHochdeutsch“ im Spiegelzelt vor dem U in drei Monaten abgraste. „Das ist vom Effekt her wie Dynamitfischen: Danach ist nichts mehr da. Und die Zweitverwertung wollte ich nicht machen“, sagt Kottnik.
Der großen Respekt davor hat, dass RuhrHochdeutsch mit der Gastronomie und dem ungewöhnlichen Ort ein Konzept bot, dass selbst in der Woche so viele Zuschauer anlockte. „Das sollte auf keinen Fall abgeblasen werden. Aber es wäre schön, wenn man akzeptiert, dass es auch andere Veranstalter gibt und man nicht in deren Teichen fischt.“
Ein Vorwurf, den Initiator Horst Hanke-Lindemann weit von sich weist. „Wir sind keine Konkurrenz.“ Das Henßler-Haus sei eine städtische Institution, deren Aufgabe die Jugendarbeit sei – während RuhrHochdeutsch aus der freien Szene veranstaltet worden sei. Das Festival habe zudem statt des Sommerkabaretts im Fletch Bizzel stattgefunden. In der Woche sei im Spiegelzelt mit Lioba Albus und Bruno Knust Programm gewesen, das nie im Henßler-Haus angeboten würde– und Künstler wie Herbert Knebel oder Fritz Eckenga am Wochenende habe er schon zuvor veranstaltet.
„Wir haben ein eigenes Publikum gewonnen“
„Wir haben ein eigenes Publikum hinzugewonnen“, ist Hanke-Lindemann sicher. Auch an ein Überangebot in dieser Sparte glaubt er nicht: „Das verträgt eine Großstadt wie Dortmund.“
Darin unterstützt ihn Fred Ape. Der Veranstalter im Cabaret Queue war auch bei RuhrHochdeutsch involviert und sieht das Queue durch das Festival nicht bedroht. Im Gegenteil sei das Interesse gestiegen: „Sonst haben wir nach den Sommerferien einen Einbruch erlebt. Diesmal haben wir ein fast ausschließlich volles oder ausverkauftes Haus gehabt.“
Die Stadt ist ähnlich begeistert: RuhrHochdeutsch soll 2011 wieder aufgelegt werden mit Spiegelzelt vor dem U oder zwischen Petri- und Reinoldikirche.
Für das Festival Watt’n Hallas hingegen ist die Situation nicht zum Lachen: „Für mich ist klar: Wir machen das 2011 noch mal. Und wenn es so läuft, wie in diesem Jahr, dann waren es 16 schöne Jahre“, sagt Kottnik.
17:02
Der Besucherschnitt liegt bei 210 Lachwilligen – und damit 30 Prozent unter Vorjahresniveau.
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Vielleicht liegts ja daran, daß Gruppen wie Badesalz - um das Beispiel vom Foto zu nehmen - einfach so strunzdoof sind, daß das Publikum keine Lust mehr hat. In der mittlerweile langen Zeit, in der hier Comedy gepflegt wird, hätte sich getrost schon mal sowas wie Humor entwickeln dürfen. Im Gegenteil hat es aber eine Inflation niederster Blödwitzer gegeben. Ein Fips Asmussen wirkt da heute schon fast als literarisch gebildet, gegen diese Müllflut.
20:40
Wattn Quatsch. Bei 16 Veranstaltungen waren 13 mit fester Platznummerierung...wenn das sehr wenig sind, ok.
17:39
Das grösste Ärgerniss bei Wattn Hallas ist das nur zu sehr wenigen Veranstaltungen Karten mit festen Sitzplätzen verkauft werden. Das nervt und ist auch nicht Zeitgemäss.