Die Verwertbarkeit künstlerischer Ideen
13.10.2010 | 18:34 Uhr 2010-10-13T18:34:00+0200
Dortmund.Eine Inszenierung ist eine Inszenierung ist eine... Um sich mit Kreativwirtschaft und klammen Kommunen kritisch auseinanderzusetzen, hat sich das Schauspiel Dortmund das Projekt „Stadt ohne Geld“ ausgedacht – und damit auch das „Institut für urbane Krisenintervention“ (ifuk). Bei so viel Inszenierung kann man gespannt sein auf die nächsten beiden Premieren.
Wochenlang hatte das gesamte Schauspiel-Team dicht gehalten und das deutlich neoliberale Forschungsinstitut als Realität verkauft, sogar eine eigene Webpräsenz geschaffen und fiktionale Mitarbeiter erdacht. „Wir wollten niemanden hinters Licht führen“, sagt Fabian Lettow vom „kainkollektiv“, „sondern unsere Normalität vorführen.“ Und die beinhaltet die ständige Konfrontation von Wirtschaftlichkeit und Kultur, den Spagat von künstlerischer Idee und ihrer Verwertbarkeit. „Kreativwirtschaft wird als DIE Antwort auf die Krise der Kommunen verkauft“, sagt Dramaturg Alexander Kerlin.
Das Projekt „Stadt ohne Geld“ soll da für kritische Diskussionen sorgen. So mit der Premiere von „In der Einsamkeit der Baumwollfelder“ heute, 20 Uhr, im Schauspielcafé nach Bernard-Marie Koltès. Ein Dealer und ein Kunde treffen aufeinander und verhandeln menschliche Beziehungen unter ökonomischen Gesichtspunkten. Die Zuschauer werden räumlich getrennt auf eine Seite gezogen, die andere Perspektive nehmen sie durch Live-Videos von „sputnic“ wahr.
Die Unterstellung, das Kreative stets nur die Glücksritter der Gesellschaft sind, stellt Kerlin in „Zero Tolerance: Tötet die Kreativen!“ auf den Kopf (Uraufführung: 21.10., 20 Uhr) - und macht sie zu Zombies: Drei Feierwillige werden in einer Kneipe per Radio Zeuge, wie sich ihre Umwelt verwandelt – und selbst aus dem Phoenix-See komische Wesen kriechen.
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