Die Sehnsucht nach Aufbruch
30.06.2010 | 18:39 Uhr 2010-06-30T18:39:00+0200
Dortmund.Sie wollte Tänzerin werden, Pianistin und Künstlerin. Und hat alles vereint und doch etwas Neues gewagt: Friederike Tiefenbacher ist eines der neuen Ensemblemitglieder des künftigen Schauspieldirektors Kay Voges.
Sie flirtet gern mit der Kamera. Lächelt, schaut ernst, wechselt die Posen. Friederike Tiefenbacher ist das Spiel mit der Kamera gewohnt. In Serien wie „Für alle Fälle Stefanie“, „Die Ärzte“ oder „Cobra 11“ hat sie mitgewirkt, stand für Rudolph Thomes Kinofilm „Der Philosoph“ davor. Eine Erfahrung, die ganz anders ist als auf der Bühne zu stehen - sich veräußern, den Körper einsetzen oder eben sich reduzieren, zurücknehmen.
Friederike Tiefenbacher will sich veräußern. Mit Kay Voges, für die Stadt, in einem neuen Ensemble eine Aufbruchstimmung erzeugen. „Ich habe eigentlich schon lange danach gesucht“, sagt sie und meint einen Ort, den sie zu Beginn ihrer Schauspielzeit schon einmal in Wuppertal gefunden hatte: In einem kleinen Team eine intensive Zeit bestreiten und „unheimlich viel wollen“ für die Stadt. Hier, mit den Plänen, die Kay Voges hat, „habe ich das Gefühl, das könnte so etwas werden.“
Denn Friederike Tiefenbacher hasst „Spaßtheater, in dem alles auseinanderbröselt“. Sie schätzt die politische und gesellschaftliche Ambition, die aus den Plänen von Kay Voges spricht. Sie war dabei, als er mit ehemaligen Kumpels eine Suppe gelöffelt und sie über ihr Leben ausgefragt hat. „Ich finde es wichtig, dass Theater in der Stadt verankert ist.“
„Alles war zu klein“
Dabei war Stadttheater zwischendurch nicht das, was Friederike Tiefenbacher suchte. Nach ihrer Ausbildung an der Berliner Hochschule der Künstler und der Zeit in Wuppertal lehnte sie ein Angebot des Maxim-Gorki-Theaters in Berlin ab, weil ihr „alles zu klein war und ich in die Welt wollte“. Zehn Jahre arbeitete sie mit ihrem Mann, dem Regisseur Paolo Magelli, durch Österreich, Südamerika, Israel, Italien und Frankreich. Eine Reise, die ihr ein Bewusstsein für die luxuriöse Theatersituation in Deutschland geschenkt habe. Jetzt „habe ich Lust, wieder fest an einem Ort zu sein“ - auch wegen ihrer achtjährigen Tochter. Friederike Tiefenbacher sucht ihn nach fünf Jahren am Staatsschauspiel Dresden nun in Dortmund.
Hier will sie „bar bezahlen“, wie Voges es von seinen Darstellern verlangt: „Das ist für mich Theater: Man kann nur etwas kommunizieren, wenn man nichts vorspielt, sondern etwas erlebt.“ Im allerbesten Fall, sagt sie, bedeute schauspielern für sie, „loslösen, fallenlassen, verwandeln, ein sich Auflösen“.
Momente also, in denen sie vielleicht dankbar ist, dass nicht ihren ursprünglichen Impulsen als Kind und Teenager gefolgt ist - Tänzerin, Pianistin, Künstlerin, Regisseurin zu werden. Sie hat etwas gefunden, in dem sie „all das vereinen kann“.
Die WR stellt alle neuen Schauspieler am Theater Dortmund vor.
10:42
Ich habe den obigen Bericht jetzt mehrmals durchgelesen und habe trotzdem noch nicht verstanden, was uns Frau Tiefenbacher mit ihren Äußerungen sagen will.
Für mich bleibt es zunächst dabei, dass Herr Voges mit seinem Kahlschlag das Gegenteil von Aufbruchstimmung im Dortmunder Theater erzeugt hat.
Ich verstehe Ihre Ausführungen dahingehend, dass wir unseren beliebten und hochbegabten Kammerschauspieler Claus Dieter Clausnitzer gegen eine Fernseh-Seriendarstellerin eintauschen, die längere Zeit durch die Welt getingelt ist und sich bislang für das Provinztheater zu schade war. Das ist natürlich ein super Tausch!
Es ist auch überhaupt die Frage, ob ein so erfolgreich arbeitendes Theater wie das Dortmunder überhaupt eine Aufbruchstimmung braucht - das klingt ja fast so, als würde Herr Voges das Dortmunder Theater aus einer lang andauernden Problemphase heraus führen - und davon kann ja nun sicher nicht die Rede sein.
Insgesamt scheint mir Ihr Bericht doch deutlich zu wenig kritisch auszufallen. Aber wer aus der Berliner Hochschule der Künste mal eben eine solche der Künstler macht, der sieht das alles ja wohl sowieso nicht allzu eng, oder?