Die Segel für die Odyssee sind gesetzt
23.02.2010 | 19:13 Uhr 2010-02-23T19:13:00+0100
Dortmund. Die Segel sind gesetzt, der Countdown läuft, die Irrfahrt kann beginnen: Am Wochenende 27. und 28. Februar brechen die sechs Ruhrgebietsschauspielhäuser unter der Fahne der Kulturhauptstadt zum Uraufführungsreigen „Odyssee Europa” auf.
Und Dortmund bildet mit Michael Gruners Inszenierung von Christoph Ransmayrs „Odysseus, Verbrecher” den glänzenden Schlusspunkt.
Drei Jahren haben Dortmund, Essen, Bochum, Oberhausen, Mülheim und Moers gerungen und gekämpft für dieses Mammutprojekt, das die Theaterfans an insgesamt fünf Wochenenden auf eine sagenhafte Reise durch sechs Uraufführungen jagt, in der namhafte Autoren Homers Odyssee neu interpretieren. Ein Projekt, „das genau zum richtigen Zeitpunkt kommt”, wie Michael Gruner mit Blick auf drastische Einsparvorhaben an den kommunalen Theatern sagt. Jetzt nämlich können die sechs Häuser ihre Stärken präsentieren, ihre Vielfalt in Größe, Ausstattung, Ausrichtung und Identität und auch das Gemeinschaftsgefühl, das sich in dieser Zusammenarbeit entwickelt hat: Nicht jeder kämpft einzeln - alle sind für den reibungslosen Ablauf mitverantwortlich. „Dieser Druck ist herrlich”, findet Gruner, der ja auch den letzten Eindruck hinterlässt. Das Interesse an der Odyssee jedenfalls ist riesig; zahlreiche Medienvertreter aus Österreich und der Schweiz haben sich angemeldet.
Entsprechend hat Gruner in den letzten Wochen die „Schotten dicht gemacht” und mit fast dem gesamten Ensemble an seiner Inszenierung gearbeitet: Ransmayr, für den Reisen selbst existentiell ist, habe einen Text geschaffen, den er selbst als „Schauspiel einer Heimkehr” bezeichnete. Odysseus wünscht sich nach 20 Jahren Abwesenheit und selbst verursachten Krieg nichts sehnlicher als diese Heimkehr - „und es ist ein Drama ohne Ende, wenn ihm das nicht gelingt”, so Gruner. „Er ist in der Fremde angekommen.” Denn als er strandet, erkennt er sein Ithaka nicht wieder, buhlen Reformer um seine Frau, die ihn nicht mehr mit offenen Armen empfängt. Zumal das Blut noch an Odysseus Händen klebt - und er von einem süffisanten Chor der Krüppel und Gefallenen begleitet wird.
In heutiger Sprache, direkt und voll naiver Kraft habe der an einen Märchenerzähler erinnernde Ransmayr sich sowohl dem Gegenstand als auch dem Theater selbst genähert. „Diese Einfachheit ist die Grundlage für uns gewesen”, sagt Gruner - und doch sei diese nur mit Mitteln der Sparkasse zu realisieren gewesen.
Diei Fotos von den Proben sind von Ralf Rottmann.
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