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Mielitz geht mit Puccini

„Die großen Momente bleiben“

14.09.2010 | 18:56 Uhr
„Die großen Momente bleiben“
Opernintendantin Christine Mileitz hat sich Puccini zum Abschied ausgesucht. Foto: Franz Luthe

Dortmund.Ihr Abschied wird kein ein- sondern ein dreifacher - und das in nur einer Inszenierung: Opernintendantin Christine Mielitz hat sich für ihr letztes Regiestück in Dortmund Giacomo Puccinis „Il trittico“ ausgesucht, ein Opernzyklus mit drei stark kontrastierenden Einaktern. Für Christine Mielitz ist es die Chance, noch einmal alle Farben der Opernkunst zu malen.

Gerade erst hat sie vier Stunden Proben hinter sich. Die Anstrengung aber spielt keine Rolle mehr, wenn Christine Mielitz von Puccinis 1918 uraufgeführtem Trittico erzählt - und man sich als Zuhörer wie in einer Märchenstunde zurücklehnen kann. Nach den Erfolgen von „Butterfly“ und „Tosca“ will die Opernintendantin dem Publikum einen „ganz besonderen Puccini“ zeigen, der sich an einer „Schnittstelle in seinem Leben“ befand, gerade von Italien nach Amerika wollte. Möglich, dass der Komponist für diese Brüche in seiner Biographie ein musikalisches Äquivalent suchte, als er ein Werk „wie ein Altarbild“ schuf, das zwar immer von Liebe und Tod erzählt, aber in den Stimmungen von Traurigkeit zur Tragik und schließlich zur Komik wechselt.

Hartes Hafenmilieu

Am Anfang steht „Der Mantel“ und damit die im realistischen, harten Hafenmilieu spielende, „sehr erotische“ Eifersuchts-Geschichte um einen Schiffer (Simon Neal) und seine Frau, die blutig endet. Von dem Schmutz und der Sozialkritik wechsle Puccini hart zur tragischen Reinheit in „Schwester Angelica“: In dem Einakter büßt eine Aristokratin die Schande eines unehelichen Kindes in einem Kloster - bis ihre Tante den Tod des Kindes verkündet und sie sich umbringt. „Puccini hat eine der tollsten Szenen für zwei Frauen geschrieben, fast das längste Duett überhaupt in der Operngeschichte“, erklärt Mielitz. „Beide schreien vor Schmerz.“ Der größte Kontrast wartet nach der Pause mit dem humorvollen und bekanntesten Teil „Gianni Schicci“, in dem ein schlitzohriger Fremder gierige Erbschleicher überlistet.

Mielitz hat sich das Triptychon ausgesucht, um sich noch einmal in allen Facetten zu zeigen: „Als Theaterfrau, die bunt und ein bisschen unberechenbar ist, aber nicht alles so schwer nimmt.“

Im Grunde drei Opern in einer an einem Abend zu präsentieren, sei für das gesamte Team eine Herausforderung: Das „trickreiche Bühnenbild“ von Kaspar Glarner nutze die Kontraste „von schmutzig zu rein und poppig“. Die drei Einakter böten allen Ensemblemitgliedern die Chance, ihr Können und ihre Verwandlungsfähigkeit zu beweisen. „Sie haben unglaublichen Spaß“, sagt Mielitz. Insbesondere für Julia Amos und Angela Bic wird der dritte Teil spannend - müssen sie sich doch in der berühmten Arie der Lauretta an Maria Callas messen lassen. „Die können das“, ist Mielitz sicher.

„Schwer gekämpft“

Sentimental werde sie noch nicht bei dem Gedanken an die letzte Inszenierung. „Wir haben alle schwer gekämpft in Dortmund“, sagt die Opernintendantin. Sie aber arbeite für die besonderen Momente auf der Bühne, in denen alles perfekt ineinander greift. „In diesen Augenblicken vergessen wir uns selbst.“ Momente, auf die sie auch für „Il trittico“ hofft. Zwar wünscht Christine Mielitz Dortmund auch mehr Konfliktfähigkeit - „das ist wie in einer guten Ehe“.

Letztendlich aber käme es auf diese Augenblicke des Glücks und der Selbstvergessenheit an. „Die großen Momente bleiben.“

Nadine Albach

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