Die bunten Botschafter für 2010
04.11.2009 | 20:02 Uhr 2009-11-04T20:02:00+0100
Sie wird immer greifbarer - die Kulturhauptstadt. Dortmunds Kreative bereiten sich eifrig auf 2010 vor. Wie breit die Palette der Angebote ist, zeigen die Pläne der Dortmunder Philharmoniker und des Hartware MedienKunstVereins (HMKV).
"Es läuft alles. Und es ist sehr viel zu tun”, sagt Inke Arns, künstlerische Leiterin des HMKV mit Blick auf die Vorbereitungen für das Dortmunder „U”. Die Jahresplanung 2010 steht - und ist gespickt mit Höhepunkten für Freunde der Medienkunst.
Gleich zur Eröffnung des Kreativzentrums schlägt der HMKV mit zwei Ausstellungen vom 9. Mai bis 1. August zu: Für „Building Memory” schaffen „vier international sehr bedeutende Künstler” eigens Filme zum Thema kollektives Gedächtnis - mit einem Spektrum von sozialistischem Alltag bis zum Besuch des Papstes in Auschwitz. „Das passt hervorragend an einen stark besetzten Ort wie das U”, findet Arns. Die Schau „Agents & Provocateurs” unterdes findet im Rahmen der Internationalen Kulturtage „scene:ungarn” in Kooperation mit dem ungarischen Institut für zeitgenössische Kunst im ungarischen Dunaujvaros statt. Inhalt: Wie sich künstlerische Strategien des Sozialismus heute auwirken.
Der Hartware MedienKunstVerein zeigt 2010 die Ausstellung „Wach sind nur die Geister” im polnischen Torun. Sie hatte in der Phoenix-Halle in fünf Monaten einen Besucherrekord von 8200 Menschen erreicht. Sonst liegen die Zahlen etwa bei 2500 in fünf Monaten.
Für die ersten beiden Ausstellungen im U kann der HMKV auch auf die Etage für kulturelle Bildung zugreifen.
Von September bis November zeigt der HMKV die Jugendausstellung „inter_cool 3.0” im U als offizielles Ruhr.2010 Projekt. Info: www.hmkv.de
Ebenso gesellschaftskritisch ist die Schau, die der HMKV mit dem Künstler Marko Peljhan für die Phoenix-Halle vom 11. Juni bis Ende Oktober 2010 vorbereitet: „Arctic Perspective” zeigt einen Prototyp einer absolut autarken, mobilen Forschungsstation, die zeitgleich in der Arktis aufgebaut wird. Ziel ist es, in Zeiten von Globalisierung und Klimawandel die Inuit zu unterstützen. Organisationen aus England, Island, Slowenien und Kanada wirken mit. Die Europäische Kommission übernimmt mit 148 000 Euro 50 Prozent der Kosten.
»Verdammt schöne, romantische Musik«
Weniger in die Ferne als in das Innere des Menschen zieht es die Philharmoniker unter GMD Jac van Steen: Am 18. Januar begrüßen sie das „große Ereignis 2010” mit einem „Erwartungsprojekt”. Arnold Schönberg erzählt in der Komposition „Erwartung” von einer Frau, die ihren Liebhaber verzweifelt sucht und tot auffindet - unsicher, ob sie ihn selbst umgebracht hat. Van Steen will dem Vorurteil entgegenwirken, dass Schönbergs Kompositionen unzugänglich seien: „Das ist verdammt schöne, romantische Musik.”
Um das den Zuschauern näher zu bringen, arbeitet er erneut mit Regisseur Peter te Neuyl an einer szenischen Inszenierung. Zudem filmt Onat Hekimoglu derzeit mit Sängerin Susanne Schubert in Dortmund - im Wald, an der Phoenix-Halle: Das Ergebnis soll die innere Reise greifbarer machen. „Wir müssen diesen Wagemut als Orchester der Stadt haben”, sagt van Steen. „Ich habe die Erwartung, dass wir solche Projekte nicht nur einmal 2010 umsetzen, sondern 2011 und 2012 fortsetzen.”
Van Steen warnt vor Kürzungen beim Orchester - gibt sich aber auch für das Phoenix-Projekt mit dem Musiktheater im Mai optimistisch. Und selbst die Pläne für die Herbst 2010 stehen: Da sollen Philharmoniker, Oper, Ballett ganz im Zeichen Hollands wirken; in Kooperation mit dem niederländischen Außenministerium. Erzählt Niederländer van Steen - und lächelt.
Foto: Franz Luthe
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