Das U" als Symbol der Hoffnung
30.09.2009 | 19:04 Uhr 2009-09-30T19:04:00+0200
Leuchtturm der Kulturhauptstadt, Zugpferd der Kreativwirtschaft und Symbol des Aufbruchs für das Quartier Rheinische Straße - die Erwartungen, die an das „U” als Kreativzentrum gestellt werden, sind enorm. Ein Buch erzählt jetzt die Geschichte des Gebäudes.
„Alle reden vom „U”, aber kaum einer kennt seine Geschichte”, dachte sich da Dr. Karl-Peter Ellerbrock, Direktor des Westfälischen Wirtschaftsarchivs - und zog aus, dies mit dem Buch „Das Dortmunder U” zu ändern.
Stoff genug für seine Recherchen hatte Ellerbrock: Zwei Kilometer voller Unterlagen zu Dortmunds Brauereien lagern im Wirtschaftsarchiv - das Fundament, um einem Sinnbild Dortmunder Wirtschaftsgeschichte wie dem U-Turm gerecht zu werden. „Die Geschichte um das Gebäude liefert tiefe Einblicke in das Selbstverständnis der Stadt”, sagt Ellerbrock.
Schließlich waren Kohle, Stahl und Bier die Eckpfeiler auf Dortmunds Weg in das Industriezeitalter. 1926 erteilt die Union Brauerei Emil Moog den Auftrag für den Bau des Kellerhochhauses - das tatsächlich in sensationellen 14 Monaten Bauzeit fertig wird.
Ungeheure Ausmaße
Trotz eher kleiner Grundfläche von 1957 Quadratmetern nimmt der über 70 Meter hohe Neubau ungeheure Ausmaße an - allein 1600 Tonnen Eisen und 1,5 Millionen Ziegelsteine werden verbaut. 1927 eröffnet das Juwel - noch ohne „U” auf der Spitze: „Der Gewinn, den Dortmund für sein Stadtbild erhalten hat, ist gar nicht hoch genug anzuschlagen”, jubelt die Dortmunder Zeitung. Der industrielle Zweckbau wird als Chance begriffen, das Alltagsgesicht der Stadt zu modellieren. Der U-Turm ist stummer Zeuge des Aufschwungs und Niedergangs Dortmunder Brauwirtschaft sowie der Weltgeschichte: 75 Prozent des Großbetriebs werden im Zweiten Weltkrieg zerstört; nur das Kellerhochhaus bleibt wie durch ein Wunder beinahe verschont.
Wirtschaftswunderjahre und Kohlekrise ziehen vorbei - und eine Beleuchtungspyramide schickt einen meterlangen Strahl vom Dach des Turms in die Dunkelheit Dortmunds. Sie ist der Vorläufer für das namengebende „U”, das erst aus Pappe und schließlich 1968 golden glänzend über der Stadt thront - und Symbol der goldenen Bierzeiten ist, in denen 7,5 Millionen Hektoliter in der Stadt gebraut werden.
Strukturwandel, Kostendruck, Konzentrationsbewegung sind die Schlagworte, die das Bier schal werden lassen - zumal Dortmund in der Hochzeit „den Trend zum Pils verpennt”, so Ellerbrock. Die Haltbarkeit des Bündnisses von Bier und „U” läuft aus; ein Einkaufszentrum scheint Anfang der 90er zu folgen.
Reservate der Sehnsucht
Doch dann eröffnet die Ausstellung „Reservate der Sehnsucht” des Hartware MedienKunstVereins 1998 den Blick in die Zukunft: Das „U” wird von der Industrieruine zum Hoffnungsträger auf einen neuen Aufschwung.
Das Buch erscheint am 7. Oktober im Aschendorff Verlag und kostet 14.80 Euro.
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