Das riecht nach Kult - Schauspielhaus Dortmund feiert 20 Jahre Nevermind
24.01.2012 | 16:12 Uhr 2012-01-24T16:12:00+0100
Dortmund. Vor 20 Jahren gab es den Crash der Musikkulturen: Nirvanas Nevermind verdrängte Michael Jacksons Dangerous von der Spitze der Charts. Ein Ereignis, das das Schauspiel jetzt in einer Premiere gefeiert hat.
Für Michael Jackson muss es wie ein Schlag ins Gesicht gewesen sein: Ausgerechnet gammelige, lustlos Akkorde schrömmelnde Alternative Rocker aus Seattle schubsten mit ihrem Album Jacksons als Erfolgsbringer kalkuliertes „Dangerous“ von Platz 1 der US-Charts. Das Album hieß „Nevermind“, die Band Nirvana. Mit ihrer Musik wurden sie zum Sprachrohr einer ganzen Generation. Das Schauspiel feiert diesen Crash zweier Musikwelten jetzt mit „20 Jahre „Nevermind“ im Studio.
Dass Musik für ihn eine große Rolle spielen würde, hat Schauspieldirektor Kay Voges von Anfang an klargemacht: Die Verpflichtung von „Botanica“-Sänger Paul Wallfisch war sein erster Coup. Dass der musikalische Leiter jetzt in einem chaotischen wie charismatischen Studio-Abend zwei Giganten aufeinanderprallen lässt, ist nur der nächste logische Schritt.
Grölen und Klatschen
Die Stimmung im Studio, das mit Kunstrasen ausgelegt und bis zum letzten Winkel gefüllt ist, gleicht denn auch eher der eines Geheimkonzerts als eines Theaterbesuchs: Bier wird getrunken, jede Nummer grölend und klatschend gefeiert. „20 Jahre Nevermind“ erzählt keine Geschichte. Da sitzt Paul Wallfisch am Klavier, der ein paar launige, stimmungsvolle Kommentare abgibt – und die Lieder von „Nevermind“ und „Dangerous“, wechseln sich ab. So einfach.
Ein zweiter Termin für 20 Jahre Nevermind steht bereits fest: Am Sonntag, 19. Februar, um 20 Uhr kann im Studio wieder gefeiert werden.
Das Stück, das Kay Voges in Szene gesetzt hat, dauert ungefähr 90 Minuten.
Karten gibt es unter 0231-50 27 222 oder www.theaterdo.de
Und doch ist da mehr. Eine ziemlich ungewöhnliche Band nämlich, die die so vertrauten Lieder in überraschende Kleider wickeln: Nirvana mit Posaune, Michael Jackson mit Ukulele – das hat die Musikwelt wohl noch nicht gehört. Immer wieder gibt es Zwischenapplaus für Valerie Kohlmetz (Percussion), Marcus Scheltinga (Ukulele, Posaune. Gitarre) und Wallfisch.
Mitreißend sind aber vor allem die Ensemblemitglieder, die sich mit solcher Lust und Wucht in die Lieder stürzen, dass es ansteckend ist: Ob nun Sebastian Graf ein kratziges „In Bloom“ losschickt, Eva Verena Müller im Pelzmantel auf High Heels Glamour und Rotz in „Smells Like Teen Spirit“ herausschreit oder Uta Holst-Ziegeler und Bettina Lieder klirrend klar Jackson geben – die Zuschauer feiern mit. Und das, obwohl es dramaturgisch eben doch nicht zum Crash von Grunge und New Jack Swing kommt und viele der Nirvana-Lieder sogar einen eher jazzigen, glatten Touch bekommen.
Nackter Oberkörper
Es ist ein Abend, der von Charme und Stimmung lebt. Erst recht, da nicht alle Mitwirkenden singen können, es aber durch ihre Performance mehr als wett machen: Christoph Jöde ist ein großartiger, extrovertierter Jacko, Björn Gabriel ein flüsternder Spuk, Andreas Beck als satirischer Weltumarmer. Den Vogel aber schießt Kay Voges selbst ab: Als er mit Schottenrock, nacktem Oberkörper und Pelz Nirvanas „Lithium“ hinausbrüllt, ist es um das Publikum geschehen.
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