Das Problem ist mit die Sprache
17.09.2012 | 19:12 Uhr 2012-09-17T19:12:00+0200
Schauspieler und Autor Peter Krüger bekam am Sonntag den Tana-Schanzara-Preis des Kabarettfestivals Ruhrhochdeutsch verliehen.
So richtig, also persönlich, hat der Schauspieler und Autor Hans-Peter Krüger die Revier-Duse Tana Schanzara nie kennengelernt. Doch nun, als Preisträger des zweiten Tana Schanzara-Preises des Ruhrhochdeutsch-Festivals, erinnert er sich an so etwas wie seinen ersten Schanzara-Moment. Wie er seinem Vater aus festlichem Anlass die bald legendäre Schallplatte mit dem Titel „Vatter, aufstehn!“ zum Geschenk machte – und der Vater in großes Gelächter ausbrach. 1970 oder kurz darauf muss das gewesen sein, von 1970 jedenfalls datiert die Scheibe.
Sonntag am Nachmittag, im von viel Sonne beschienenen Festival-Zelt am U, gab es mehr als nur diese Erinnerung. Es gab, live, die Krüger-eigene Version von „Vatter, aufstehn!“, nur für diesen, ebenfalls festlichen Anlass einstudiert mit dem Musiker Oleg Bordo. Auch nicht von schlechten Eltern. Sogar der Wecker schrillte. Nur der finale Schuss, der Vatters Faulenzerei ein Ende setzt, durfte nicht fallen; Pistolen sind in Spiegelzelten nicht erlaubt.
Doch erst einmal Reden, das ist bei Preisverleihungen halt so. Manfred Sauer, alter und nach der Kommunalwahlwiederholung neuer Bürgermeister und Kulturausschussvorsitzender, mischt sein eigenes Ruhrdeutsch mit viel „dingsda“ und „gewissermaßen“, das Problem, weiß er, is nu mal eins mit die Sprache, und dat is ja dat Schöne, wonnich?
Uwe Samulewicz, der Sparkassenchef, bedankt sich bei Krüger eher nur-hochdeutsch für schöne Theaterstunden. Von der Sparkasse kommt schließlich das Preisgeld.
Die Laudatio hält Kurt Eichler, Leiter der Kulturbetriebe. Er hat ein Krüger-Zitat von 1991 ausgegraben, in dem der das freie Theaterleben als Dasein in Wüsten und Kaktuswäldern beschreibt. Eichler erinnert an Krügers Anfänge im „Theater Extempore“ (mit Thomas Kemper), von denen Krüger in seiner Dankrede einige Details preisgibt; man habe versucht, gegen das Rocktheater „N8chtschicht“ anzutreten, Versuch fehlgeschlagen. Eichler erinnert an den wichtigen Dramatikerpreis der Theatergemeinden, der Krüger 1998 für sein Stück „Die Aufschreiberin“ (über die Brecht-Freundin Ruth Bernau) verliehen wurde, und zeichnet die Bandbreite in Krügers Schaffen nach, als Autor, im ernsten Stück (als Pablo Neruda) oder beim Geierabend.
Bianca Lammert, wie Krüger im Fletch Bizzel-Ensemble, setzt den Schlusspunkt. Sie trägt aus der Produktion „Das kunstseidene Mädchen“ vor.
Was den Preisträger besonders gefreut haben dürfte: Im Zelt, unter den vielen Freunden, saß auch Jutta van Asselt vom Bochumer Schauspiel. Die Chefdisponentin ließ sich als „Tanas Adoptivtochter“ begrüßen.
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