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Museum Ostwall zieht um

Das Kraftwerk wirft den Motor an

27.08.2010 | 19:06 Uhr
Das Kraftwerk wirft den Motor an
Museumsdirektor Kurt Wettengl packt mit ein. Foto: Knut Vahlensieck

Dortmund.Seit Montag werden die Kisten gepackt: Der Umzug des Museum Ostwalls (MO) in das U steht nach Monaten der Vorbereitung Anfang September bevor. Ein „endlich“ steht Museumsdirektor Prof. Kurt Wettengl und seinem Team ins Gesicht geschrieben.

Im Juni 2009 schloss das Haus für Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts - um eigentlich im Mai 2010 mit einer Ausstellung aus San Francisco im U neu zu glänzen. Die Zukunft aber ist Geschichte geworden. Die Verzögerungen an der Baustelle U-Turm haben den Vorbereitungen im MO die Hektik genommen - „ein wenig Luft schadet nie“, sagt Kurt Wettengl. Und dem Museum die Chance gegeben, mit einer weitaus populäreren Ausstellung zur Kino-Kunst aus dem Centre Pompidou in Paris mit einem Ausrufezeichen die Zeit an der Rheinischen Straße zu beginnen.

Ab 24. September zeigt das MO seine Sammlung im U, am 8. Oktober eröffnet „Die Bewegung der Bilder“. Aus Zwangsoptimismus erwächst der Glaube, dass der Zeitplan nun nicht mehr wackelt. Seit Montag packen die Mitarbeiter einer spezialisierten Kunstspedition Kartons und klimatisierte Kisten und richten Skulpturen auf eigens angepassten Paletten ein. Unauffällig vollziehen die Umzugswagen ab Ende nächster Woche den Kunsttransfer. Schließlich werden Millionenwerte von Ost nach West transportiert. Das Sicherheitssystem aber hält Wettengl für konsistent.

Lange Vorbereitung

Was nun mit dem Umzug den Höhepunkt erreicht, wird seit Monaten hinter den Kulissen vorbereitet. Und das keinesfalls in einem ruhigen Haus: 3000 Kinder und Jugendliche erlebten im 2010-Projekt „Collection Tours“ bei Regina Selter ungewöhnliche Kunsterziehung. Mobiliar, Akten, Kataloge und Plakate galt es zu sortieren, auszumisten, in das Stadtarchiv zu schicken. Eine fest angestellte Restauratorin und eine befristet eingestellte haben die Kunst inventarisiert und wiederhergestellt.Von ihnen zieht aber nur ein Teil um: Etwa 300 Sammlungswerke sind anfangs im U zu sehen, die Depots des MO allerdings ziehen erst 2011 um.

Ein Werk allein kann jedoch schon eine Mammutaufgabe sein: Aus 750 Einzelteilen besteht allein Mark Dions „Frankenstein in the Age of Biotechnology“. Und die 6000 Messer, Löffel und Gabeln, die zu Wolf Vostells „Thermoelektronischem Kaugummi“ gehören, wurden, wie bei einer ordentlichen Hausfrau, vor dem Verpacken erst einmal gereinigt - in einer Großküche.

Kurt Wettengl sieht sich zwischen all den Kartons und Plastiksäcken um. Deutlich unter einer sechsstelligen Summe lägen die Kosten für den Umzug, so schätzt er. Die größte Umstellung im U wird die Flexibilität der sechsten Etage für die Wechselausstellungen - während am Ostwall die Räumlichkeiten fix sind. Nach großer Wehmut aber sieht Wettengl nicht aus. Eher nach einem, der endlich ernten will, was so lange wuchs.

Nadine Albach

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