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Blutige Friedenstaube zensiert

30.04.2009 | 18:58 Uhr

Ruhfus, eines der ältesten Plakatwerbeunternehmen der Welt und per Vertrag mit der Stadt Dortmund zuständig für die öffentliche Plakatwerbung in Dortmund, hatte ein Veto eingelegt: „Das ist pietätlos”, sagt Angela Neumann von „Ruhfus” zur Begründung. Knapp eine Woche zuvor habe es Beschwerden gegeben, weil für die Produktion „Der Freischütz” des Musiktheaters an Bushaltestellen mit einer blutigen Braut geworben wurde - das bestätigt auch DSW21-Pressesprecher Bernd Winkelmann: Kinder hätten sich angesichts des Bildes erschreckt.

Die Firma „Ruhfus”, die in ihren Geschäftsbedingungen laut Schauspiel-Pressesprecherin Djamak Homayoun verankert hat, dass Plakatmotive vorab begutachtet und genehmigt werden dürfen, machte von diesem Recht diesmal Gebrauch. Da half auch nicht, dass die Taube keine echte ist, sondern eine aus Mullbinden gebastelte: Das könne man keinem dreijährigen Kind erklären, sagt Angela Neumann von „Ruhfus”. Also verdeckt jetzt eine schwarze Binde das blutige Gemetzel.

„Wir hätten das Plakat gern ohne Veränderung aufgehängt”, sagt Djamak Homayoun. Und auch Regisseur Philipp Preuss fand den Plakatentwurf der Designer von der Dortmunder „Bande für Gestaltung” gut. Es ginge in „Karl Stuart” schließlich um Krieg, Gewalt und die Funktionsweise von Macht. „Das ist wunderbar auf den Punkt gebracht.” Nach dem Veto beschränkt sich das Schauspiel darauf, die 'unzensierte' Version auf den Programmflyern abzudrucken.

Die Werbefirma Ruhfuß hat das Plakat für das Theaterstück "Karl Stuart", das eine mit Mullbinden bandagierte Taube (Friedenstaube) mit Innereien zeigt, mit einer Banderole überklegt.

Übrigens ist das nicht der erste Ärger, den das Schauspiel mit einem Plakat hat: Für Thirza Brunckens „Faust”-Inszenierung war mit dem authentischen Bild eines verletzten, anonymen Mannes in der Großstadt geworben worden. Die Regisseurin konnte die Aufregung nicht verstehen: „Auch Goethes Faust bekommt öfters eine 'reingehauen”, begründete sie die Auswahl.

Karten zur Premiere am Samstag, 2. Mai: 0231-50 27 222.

Nadine Albach

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Kommentare
01.05.2009
13:31
Blutige Friedenstaube zensiert
von der castroper | #1

Eine Zensur ?

Über guten Geschmack kann man sich streiten. Soweit so gut.

Die Weltbühne in Berlin schrieb schon 1928 den berühmten Satz:

Die Kunst der Freiheit, die Freiheit der Kunst, wird immer dann eingeschränkt, wenn sie anstössige Ideen verbreitet.

Luft/Theaterkritiker fügte hinzu:

Wenn der Konsens der Gesellschaft gefährdet ist.

In einer Theaterkritik von Raddatz fällt der Satz: Ein Theaterabend ohne Tiefgang, Niemanden wurde der Spiegel vorgehalten. Er fügte hinzu: Theater und Werbung spiegeln den Zeitgeist wieder. Mehr sollte man auch nicht erwarten.

Ein Streit über ein Plaket, der deutlich macht wie unterschiedlich die Realität, das menschliche Zusammenleben gewertet wird.

Werner Fink und Ursula Herking haben einmal die Aussage gemacht:

Wo beginnt und endet die Freiheit der Toleranz. Wenn die geistige Schere im Kopf des Künstlers zum Arbeitsgerät gehört, beginnt der Zeitpunkt der inneren Imigration.



Das interessante an dieser Zensur ist , sie erfolgt von Ruhfus, dem Plaketwerbeunternehmen.

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