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Bei „2-3 Straßen“ kommt fremdes Leben ganz nah

30.11.2010 | 19:00 Uhr
Bei „2-3 Straßen“ kommt fremdes Leben ganz nah
Das Wohnungstheater spielt in fremden Wohnungen. Foto: Sabitha Saul

Dortmund.Ein lebendiges Kunstwerk und die größte Ausstellung der Welt schaffen sowie problematische Stadtviertel nachhaltig verändern – „2-3 Straßen“ von Jochen Gerz gehört sicherlich zu den ambitioniertesten der Kulturhauptstadt. Bald endet die Projektzeit auch für die neuen Bewohner am Borsigplatz und doch soll manches auch über 2010 hinaus wirken: Einige Mieter – und einige kreative Ideen wie das Wohnungstheater. Ein Besuch auf der intimsten Bühne der Welt.

Theater will den Zuschauer zur Auseinandersetzung bringen, ihn berühren. Und doch gibt es meist eine Barriere allein schon durch Bühne und Zuschauerraum. Für das Wohnungstheater von 2-3 Straßen aber braucht man nicht einmal eine Eintrittskarte. Einmal klingen bei Rene Niederdräing reicht aus. Er ist nicht nur einer der Mitwirkenden von Gerz’ Projekt, sondern an diesem Abend auch Theaterdirektor. Einfach so. Wie es auch schon andere Bewohner am Borsigplatz waren, die ihre Wohnung tatsächlich für das Stück „Vier Wände“ geöffnet haben. Theater zuhaus.

Theaterpädagoge Ralf Orendi hat sich das ausgedacht, als er dank der „2-3 Straßen“ aus Unna herzog: Das Handwerkszeug brachte er den Darstellern in einem mehrmonatigen Workshop bei. „Die Szenen haben wir in der Improvisation erarbeitet. Es gibt zwar eine feste Dramaturgie, aber wir spielen jedes Mal in einer anderen Wohnung und müssen uns drauf einlassen.“

Themenauswahl

Und das ist gar nicht so leicht, wie es klingt. Schon bei der Themenauswahl: Religion und Politik muss man ausklammern, wenn unbekannt ist, wer die Bühne bietet – und außerdem noch jede Altersgruppe ansprechen. „Fremde Wohnungen“ haben sich die Schauspieler ausgesucht – das bot sich einfach an, sagt Orendi schulterzuckend.

In der Wohnung von Rene Niederdräing herrscht unterdes die Atmosphäre einer WG-Party. Von einer unbekannten WG. Schuhe ausziehen, Jacke aufhängen? Fast beklemmend, an Regalen entlang zu laufen voller Indiana-Jones-Bücher, Fahrradreifen, Reiseführern. Von Theater zunächst keine Spur. Stattdessen ein fremdes Leben, ganz nah.

Ab vor die Tür

Bis ein Junge, Jason Senske, alle Zuschauer einfach vor die Tür setzt. Plötzlich stehen teils Unbekannte mit Socken auf dem Flur und witzeln über die Kälte. Eine Friergemeinschaft. Die sich zwei Minuten später auf dem Wohnzimmerboden wiederfindet. „Ich hab’ da noch ein paar Decken“, sagt Rene Niederdräing.

Und dann findet so etwas wie eine theatrale Verlängerung der Situation statt: Die Darsteller spielen, was sich in fremden Wohnungen ereignen kann. Einbruch. Leichenschmaus oder, zuvor, Wohnbesichtigung mit Leiche. Skurril ist das, und witzig, so nah, dass es unmittelbare Blicke und gar Zwischenbemerkungen gibt.

Ralf Orendi will das Wohnungstheater 2011 fortsetzen. So, wie sein Mietverhältnis mit Evonik, gemeinsam mit weiteren 2-3 Straßen Teilnehmern. „Ich finde die Idee immer noch ziemlich gut. In der Umsetzung ist nicht alles ideal gelaufen. Trotzdem glaube ich, dass es etwas bewirkt hat.“

Nadine Albach

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Kommentare
03.12.2010
03:30
Blockierter Kommentar.
von Versteher | #3

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

01.12.2010
22:32
Bei „2-3 Straßen“ kommt fremdes Leben ganz nah
von Heia | #2

Geht es in dem Bericht nicht ums Wohnungstheater und nicht um das Projekt ingesamt?

01.12.2010
15:20
Bei „2-3 Straßen“ kommt fremdes Leben ganz nah
von Hannelore Delbrück | #1

Es geht auf den Keks - Diese ständige Jubelberichterstattung über ein misslingendes/ misslungenes Projekt erinnert ganz fatal an DDR-Journalismus - was so teuer war, darf nicht als misslungen bezeichnet werden. Traurig einerseits andererseits ist es schon geil, was wir uns hierzulande für teure Fehler leisten können.

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