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Neue Spielzeit 2011/12

Aufbruchstimmung am Theater Dortmund

02.03.2011 | 12:31 Uhr
Aufbruchstimmung am Theater Dortmund
Foto v.l.: Bettina Pesch, Kay Voges, Andreas Gruhn, Xin Peng Wang, Jens-Daniel Herzog, Jac van Steen. Foto: Knut Vahlensieck.

Bewegung im Theater: Ab Sommer ist Jens-Daniel Herzog neuer Intendant der Oper und auch um Schauspieldirektor Kay Voges weht noch der Geist des Neuen – so dass die Präsentation des Programm für die neue Spielzeit 2011/12 gestern vor der Presse und später vor dem Kulturausschuss Aufbruchstimmung in sich trug. Vor allem die Kooperation und Kommunikation zwischen den Sparten hat deutlich zugenommen. Ein Überblick zu den wichtigsten Plänen.

OPER

Dortmund.Der neue Opernintendant Jens-Daniel Herzog setzt auf eine große Bandbreite:Stürmisch startet er die Saison und inszeniert Richard Wagners „Fliegenden Holländer“ (2.10.)

Gefolgt von der selten gespielten Oper „L’Eliogabalo“ von Francesco Cavalli (9.10.), die Hausregisseurin Katharina Thoma inszeniert: Das Spektakel um einen sexbesessenen und machthungrigen Kaiser, erinnert zufällig an aktuelle europäische Regierende.

Aus dem Ruhrgebiet könnte das berühmte Musical „Ganz oder gar nicht“ (22.10.) stammen, das von arbeitslosen Stahlarbeitern erzählt, die beim Striptease Selbstbewusstsein finden.

An Mozart könne man die Qualität eines Theaters messen, findet Herzog – und bringt seine Inszenierung von „Cosi fan tutte“ (21.01.) aus Mannheim mit.

Der Intendant selbst taucht außerdem mit „Elias“ von Mendelssohn Bartholdy in das alte Testament (3.03.).

Bellinis „Norma“, Puccinis „La Bohème“, der Geheimtipp „Beatrice Cenci“ von Berthold Goldschmidt sowie Lehárs „Lustige Witwe“ stehen ebenso auf dem Plan.

Vier Premieren setzt Herzog in die zur „Jungen Oper“ umbenannten Kinderoper an, die nun auch gesponsert wird – darunter eine Stückentwicklung für ab Zwölfjährige gemeinsam mit dem KJT.

SCHAUSPIEL

Mit einer Doppelpremiere und somit einer mächtigen Hommage an Henrik Ibsen eröffnet Schauspieldirektor Kay Voges: Er inszeniert sowohl „Nora“ (30.09.) als auch „Gespenster“ (1.10.).

Satte sechs Uraufführungen sind im Studio und auf der großen Bühne zu sehen:

Ein besonderer Coup ist Voges mit der Verpflichtung von Jörg Buttgereit gelungen, der unter dem Arbeitstitel „Kopfkino“ ein Stück für das Studio entwickelt und inszeniert (24.9.). Buttgereit drehte die Kinofilme Nekromantik 1 & 2, die zunächst verboten, dann gefeiert wurden.

Martin Laberenz, der mit „Visitor Q“ und Porno-Szenen für Aufsehen sorgte, kehrt mit „Naked Lenz“ ins Studio zurück, einer Gratwanderung zwischen Georg Büchner und David Cronenberg (25.11.).

Als Heimsuchung nach Lessings „Nathan der Weise“ ist die OnStage-Produktion „Lessings Gespenster“ des kainkollektivs geplant (31.3.).

Industrial und deutsche Romantik verpacken Axel Holst und Alexander Kerlin im Studio in der Uraufführung von „Metalloid“ (11.5.).

Im großen Haus sind außerdem Schimmelpfennigs „Der goldene Drache“ (14.1.) sowie „Der Meister und Margarita“ nach Michail Bulgakow (16.3.) zu sehen. Im Studio wird u.a. „Antigone“ von Sophokles aufgeführt.

BALLETT

Märchen, Magie, Zauber hat sich das Ballett unter Xin Peng Wang auf die Fahnen geschrieben – auch, um sie als Prüfstand für die Realität zu verwenden.

Die Saison startet mit zwei großen Ballettgalas, die internationale Tanzstars nach Dortmund holen (24. & 25.9.).

Wang erfüllt sich seinen Wunsch, ein neues Ballett für die ganze Familie zu schaffen – mit „Fantasia“ (12.11.): Ein kleines, krankes Mädchen träumt sich in eine Welt voller Abenteuer und Gefahren.

An dem Doppelabend „Träumer.tanzen.Lieder“ (12.2.) sind Werke der renommierten Choreographen Mauro Bigonzetti und Christian Spuck zu sehen: Ausgeburten einer entfesselten Phantasie tauchen in Spucks „Sleepers Chamber“ auf, während Bigonzettis „Cantata“ eine Hommage an die italienische Kultur ist.

Mit seiner Interpretation von Tschaikowskys Klassiker „Schwanensee“ hat Wang schon zahlreiche Besucher angelockt – jetzt macht er sich an eine Neufassung, die von Jac van Steen dirigieren wird (1.5.).

Insgesamt ist Xin Peng Wang stolz, durch die Aufführung von Werken wie von Spuck, Bigonzetti, Forsythe und Benjamin Millepied den Anspruch auf internationale Qualität in die Tat umzusetzen.

KINDER- UND JUGENDTHEATER

Zutiefst bewegend empfindet KJT-Leiter Andreas Gruhn auch heute noch „Das Tagebuch der Anne Frank“: Lange hat er daran gearbeitet, von den Erben die Rechte für eine ungewöhnliche Stückekonzeption zu bekommen – und kann am 23.9. damit die Saison eröffnen: Texte aus dem Buch werden durch assoziatives Material ergänzt.

Nach Russland entführt das Weihnachtsmärchen, mit dem das KJT im Schauspiel zu Gast ist: Gruhn schafft aus dem Märchen „Die schöne Wassilissa“ eine Bühnenfassung (10.11.).

Als mobile Produktion angelegt ist das Projekt „Hei-luulia-ilala“, in dem Kinder- und Volkslieder im Mittelpunkt stehen (26.11.).

Junge Laien sollen bei „Virtuelle Welten“ auf der Bühne stehen – einem Stück, das sich mit der Reibung von Virtualität und Realität auseinandersetzt (15.1.).

Mobbing sowie Macht, Bedrohung und Angst sind Thema von „Der Schwächere“ (17.2.).

Eine meckernde Kuh, die der Bauer entnervt nach Afrika schickt, woraufhin sie dort alles aufmischt – das Stück „Die Kuh Rosmarie“ (20.4.) klingt schon in der Beschreibung witzig.

Gruhn freut sich über die Kooperation mit der Oper: „Das ist ein guter Start“ – auch in Hinblick auf die Junge Bühne in der Innenstadt.

DORTMUNDER PHILHARMONIKER

Generalmusikdirektor Jac van Steen sieht die neue Spielzeit 2011/12 als Zwischensaison – zur Vorbereitung auf das 125. Jubiläum der Dortmunder Philharmoniker. Bezogen auf die „Konkurrenzposition“ im Konzerthaus sei das Orchester gewachsen und könne sich „freudig“ neben den dortigen Gastklangkörpern positionieren.

In dieser Spielzeit gibt es keinen „composer“, sondern einen „artist in residence“ (Residenzkünstler): Gerhard Oppitz, den van Steen als „einen der großen Nachfolger deutscher Klavierkultur“ etwa von Wilhelm Kempff bezeichnet. Er wird in vier Konzerten auftreten.

Insgesamt spielt das Orchester zehn philharmonische Konzerte, fünf Kammer-, vier Familien- und drei Jugendkonzerte. Im Fokus als Komponist steht diesmal Ludwig van Beethoven. Als Gäste dirigieren u.a. Mihkel Kütson, Nicholas Milton und Otto Tausk; als Solisten treten etwa Natalie Clein und Sophia Jaffé auf.

Die Kommunikation zwischen den Sparten sucht van Steen zu verstärken – und arbeitet bei der Aufführung von Ibsens „Peer Gynt“ mit einem Schauspieler von Kay Voges’ Ensemble.

Zu hören sind außerdem eine instrumentale Wagner-Gala und – zum 20. Mal! – das Benefizkonzert zu Weihnachten.

Nadine Albach

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Kommentare
02.03.2011
18:33
Aufbruchstimmung am Theater Dortmund
von Philipp_Andresen | #1

Na es tut sich was in Dortmunds Oper und Ballett.

Kaum ist Mutti weg und der neuen Intendant verantwortlich, schon laesst sich der Spielplan anders gestalten und endlich, endlich wird er wieder freundlich und spannend.

Wagner, Mozart, die Italiener, was will man mehr.

Im Ballett scheinen die Verantwortlichen auch endlich gelernt zu haben, dass nicht nur morderne Stuecke auf dem Spielplan stehen sollten. Mit Schwanensee kommt endlich wieder ein Klassiker auf die Buehne.

So duerften auch die mueden Zuschauerzahlen wieder aus dem Keller kommen, wenn Oper endlich wieder fuer das Publikum gemacht wird und nicht fuer selbstverliebte Intendanten, die am ZAHLENDEN Publikum vorbeininszenierten.

So wird bestimmt auch Frau Pesch wieder Freude am Opernhaus haben, da der Zuschauer bei ordentlichen Inszenierungen und Stuecken gern ueber ihre Modernisierungssuenden der vergangenen Jahre hinwegsieht.

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