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Auf dem Sofa des Ruhrgebiets

22.02.2010 | 19:00 Uhr
Auf dem Sofa des Ruhrgebiets

Dortmund. Sie sitzen da, auf ihrem Sofa, die einen steif, die anderen ganz entspannt, Arme umeinander oder Hände in den Schoß gelegt, lächelnd oder ganz ernst. Menschen in ihrem Wohnzimmer die uns anschauen, wie Bekannte, bei denen man gerade zum Besuch vorbeischaut.

Die Fotografin Eva Horstick-Schmitt hat sie festgehalten - und Porträts der Familien im Revier geschaffen.

Die Mutter sitzt mit Sohn und Tochter kichernd auf der Couch, während die Katze fast weghüpft. Vater und Mutter haben ihre Tochter eng in die Mitte genommen und strahlen, die Spielekonsole auf dem Wohnzimmertisch vor ihnen. Sechs Kinder stapeln sich auf dem Sofa der türkischen Familie fröhlich übereinander - im Gegensatz zu Mutter, Vater, Kind, die ganz schick und streng, die Hände schön auf den Beinen, auf der Kante ihres Sitzmöbels hocken. Vier Bilder, vier Welten, die Eva Horstick-Schmitt da aufgenommen hat. Seit zehn Jahren fragt sie Menschen für ihr nicht-kommerzielles Projekt „Das Programm hat Eltern”, ob die ihr das Wohnzimmer öffnen. Menschen von nebenan, auf der Straße, auf der Rolltreppe.

Familien per Zufallsprinzip

Und so, per Zufallsprinzip, blättert sich das vielseitige Konstrukt auf, das heute Familie ist. Alleinerziehende, Patchworker, Homosexuelle, Klassiker. „Ich wollte die Unterschiedlichkeit und Vielfalt des Ruhrgebiets zeigen, die verschiedenen Schichten und Herkünfte”, sagt Horstick-Schmitt.

„Familie ist für mich ein Rückzugsort. Wir streiten und wie lieben uns”, erklärt die Fotografin. Auf dem Sinnbild des Zusammenseins - dem privaten Wohnzimmersofa - spürt sie den Ruhrgebiets-Familien nach. Und nimmt so wenig Einfluss wie möglich. „Ich sag' denen: Setzt Euch hin, seid nur ihr selbst”, erklärt Eva Horstick-Schmitt. „Aber man sieht den Bildern an, wie es denen geht.” Die Körpersprache, auch die Einrichtung und die Gegenstände, die die Hobbys der Kinder symbolisieren, brauchen keine Worte.

Rasante Veränderungen in Lebensstil, Familienverständnis, Wertauffassungen, aber auch der Wandel des Potts zu einem pulsierenden Schmelztiegel werden in den eigentlich schlichten Bildern greifbar. „Ich bekomme von einer Bekannten, einer Erzieherin, mit, dass Kinder mit ihrer Seele und ihren wahren Bedürfnissen vernachlässigt werden. Einige Eltern haben kaum Zeit, Gespräche zu führen.”

Fotografieren will Eva Horstick-Schmitt die Wohnzimmerbilder, „bis ich tot umfalle”. Begonnen hat sie es wegen des tödlichen Verkehrsunfalls ihres Bruders Ende der 90er. Danach versammelte sich die ganze Familie - im Wohnzimmer, auf dem Sofa.

Fotos: Franz Luthe

Nadine Albach

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