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Musik : Ingo Sänger lebt im Plattendschungel

Kultur, 26.01.2010, Nadine Albach

Dortmund. Ingo Sänger sammelt Musik entschieden – oder die Musik sich für ihn. Mit über 10.000 Platten teilt er seine Wohnung. Der Dortmunder ist einer der ersten Helden von EinsLive, DJ, Musiker und Betreiber des Labels „Farside Records”, einem Heim für Houseklänge.

Es gibt Dinge, die man sammelt, um mit ihnen zu leben. Bücher. Bilder. Botanisches. Ingo Sänger hat sich für Musik entschieden – oder die Musik sich für ihn. Mit über 10.000 Platten teilt er seine Wohnung. Der Dortmunder ist einer der ersten Helden von EinsLive, DJ, Musiker und Betreiber des Labels „Farside Records”, einem Heim für Houseklänge.

Die Tür geht noch gut auf, aber wenn man einmal in dem Raum ist, sollte man die Arme eng an den Körper pressen und sich jeden Schritt gut überlegen: Weiße Regale sind fast bis unter die Decke eng befüllt mit unzähligen Schallplatten und einer immer noch veritablen Menge an CDs, ganze Schuber quellen über vor Musikträgern, die mit kleinen, handgeschriebenen Zetteln etwas Geheimnisvolles ausstrahlen.

"Ich wollte Musik hören, kein DJ sein"

Geheimnisvoll bleibt vor allem, wie Ingo Sänger in diesem Wust aus Klang und Chaos den Überblick behält. „Ich bin nicht so der Typ fürs Durchsortieren”, sagt der 41-Jährige. „Wenn ich eine Platte rausziehe, weiß ich in etwa, was in der Nähe sein müsste.” Dass seine Regale derart voll sind, ist allerdings kein Wunder: Ingo Sänger hat sein Taschengeld schon in der Schule mit Juicy-Beats-Gründer Carsten Helmich in Musik investiert und ein Tape nach dem nächsten aufgenommen.

Als im legendären Bochumer Logo-Club, einem Ort für HipHop, House und Breakbeat, eines Abends der DJ ausfiel, war Ingo Sängers erste Stunde am Turntable gekommen – und das, obwohl der damals 21-Jährige zu Haus noch nicht mal die entsprechenden Gerätschaften hatte und sich das Mixen im Club selbst beibrachte. „Ich wollte Musik hören, kein DJ sein. Aber ich dachte: Wenn's sein muss...” Er wird Resident im Logo-Club, auch in der Roten Liebe in Essen.

"Bestenfalls steck' ich komplett in der Musik"

„Aber ich habe nie gedacht, dass das mein Leben werden könnte.” Stattdessen studiert Ingo Sänger Geographie – bis der Radiosender EinsLive aus der Taufe gehoben wird und er wortwörtlich vom allerersten Tag an dabei ist. Mit Steffen Irlinger moderiert er „Treibhaus”, eine der erfolgreichsten und damals einzigartigen Sendungen für elektronische Musik. „Wir haben einfach erzählt, was uns in den Sinn gekommen ist. Wir waren beide nicht so die Witzbolde. Aber klar war immer: Das mit der Musik ist uns absolut ernst.” Sich selbst als Pionier zu bezeichnen, findet Ingo Sänger merkwürdig – „aber heute gibt es schon einige junge Leute, die sich auf die Sendung berufen. Das hat also anscheinend etwas bewegt.”

Info

Geballte Musik

Das neue Album „Farside 1.0” ist ab 29. Januar im Handel (ca. 16 Euro) zu haben. Neben Westpark Unit sind auch Henry L, HerbLF, Matt Flores, The Offsetters und andere vertreten.

Ingo Sänger hat Farside Records 2000 als reines Compilationlabel gegründet. Das Label war zunächst bei NTT Medien in Dortmund angesiedelt.

Aktuell betreibt Ingo Sänger das Label mit Winni Petersmann bei der Agentur „on the rock”.

Weitere Info zu Ingo Sänger im Internet unter www.i-saenger.de.

Heute, trotz beendeten Geographie-Studiums, ist Musik Ingo Sängers Vollzeitjob. Jeden zweiten Samstag des Monats bestreitet er im Wechsel mit Carsten Helmich die Taxi Nights im domicil. „Bestenfalls steck' ich komplett in der Musik”, beschreibt er das Gefühl am Turntable. 2000 hat er das Label „Farside Records” gegründet, wo er Compilations für Liebhaber von Deep House mit Soul und HipHop-Einflüssen rausbringt.

Und er ist selbst Musiker, zum Beispiel als Teil des Duos „Westpark Unit” mit HerbLF, von dem vier Tracks auf der CD „Farside 1.0” zu hören sind. Ein langsames, schwebendes Intro, durchbrochen von elektronischen Stromschlägen und einer dunklen Männerstimme, die sich über den Klangteppich legt – so klingt zum Beispiel „Jam Hot”. „Als DJ fange ich ganz langsam an und steigere mich gern”, sagt Ingo Sänger. „Die Musik hat immer etwas Organisches. Ich könnte nie einen Abend pur elektronisch spielen.”

Foto: Knut Vahlensieck

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